Am 17. Juli 2014 jährt sich der Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 im Kriegsgebiet Ostukraine. Weil die Katastrophe immer noch nicht aufgeklärt ist, reißen auch die Spekulationen um die Ursache nicht ab. Was geschah mit Flug MH17? Nun zitiert "CNN" aus einem bisher unveröffentlichten Bericht niederländischer Ermittler - und bestätigt damit lange gehegte Vermutungen.

Am 17. Juli 2014 stürzte das Passagierflugzeug MH17 im ukrainischen Konfliktgebiet Donbass ab. Die genauen Umstände sind immer noch nicht geklärt. Alle 298 Menschen an Bord starben am 17. Juli 2014. Nun zitiert "CNN" aus einem bisher unveröffentlichten Bericht niederländischer Ermittler. Aus diesem geht hervor, dass offenbar prorussische Separatisten eine Rakete von dem bodengestützten Luftabwehrsystem "Buk" abgeschossen und damit die Boeing getroffen hätten.

Die niederländischen Experten haben unter anderem auf mehreren hundert Seiten berechnet, dass das Dorf Snische der Abschussort sein muss. Dieser Ort wurde zum Zeitpunkt des Absturzes von prorussischen Rebellen kontrolliert. Der vollständige Bericht soll laut "CNN" erst im Oktober veröffentlicht werden.

Russland hingegen behauptet weiterhin, Hinweise auf den Abschuss durch ein ukrainisches Militärflugzeug zu haben. Zum Stand der Ermittlungen einige Fragen und Antworten:

  • Was ist gesichertes Wissen zum MH17-Absturz und was nicht?

Unumstritten ist, dass die Passagiermaschine über dem Kriegsgebiet abgeschossen wurde. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf eine Rakete, die von einem bodengestützten Luftabwehrsystem des Typs Buk abgefeuert wurde. Gestritten wird aber darüber, wer das Geschoss abgefeuert hat. Der Bericht der niederländischen Ermittler weist nun offenbar darauf hin, dass es tatsächlich prorussische Separatisten waren, die die Rakete abgefeuert hatten. Die Ukraine geht davon aus, dass Russland das Buk-System in das von Separatisten kontrollierte Kriegsgebiet lieferte. Russland weist dies zurück.

  • Wie ist der offizielle Stand der Ermittlungen?

Der niederländische Sicherheitsrat schloss in seinem ersten Zwischenbericht zur Ursache im September 2014 technisches und menschliches Versagen sowie einen Terroranschlag aus. Der Abschlussbericht soll im Oktober vorliegen.

Die Ermittlungen der niederländischen Staatsanwaltschaft weisen in Richtung eines Abschusses durch eine Abwehrrakete. In dem Ermittlungsbericht, aus dem "CNN" schon vorab zitiert, üben die Ermittler jedoch auch Kritik an Malaysia Airlines, der betroffenen Fluglinie. Man hätte den Luftraum der Ostukraine meiden müssen - wie dies andere Fluggesellschaften bereits getan hätten. Malaysia Airlines habe die Warnungen jedoch ignoriert.

  • Gibt es Beweise für eine Schuld Russlands oder der Separatisten?

Das internationale Ermittlerteam unter Leitung der Niederlande hat Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten veröffentlicht. Die deuten daraufhin, dass diese über ein Buk-System verfügten und eine Rakete zum fraglichen Zeitpunkt abgefeuert hatten. Der russische Hersteller des Buk-Systems erklärte, dass die Ukraine eine Vielzahl solcher Waffen besitze.

  • Wie reagiert Russland auf die Schuldvorwürfe?

Die russische Führung verlangt unvoreingenommene Ermittlungen durch die internationalen Ermittler und den Sicherheitsrat in den Niederlanden. Das Land leitet die strafrechtlichen Ermittlungen sowie die Suche nach der Ursache, weil die meisten der 298 Opfer von dort stammten. Kremlchef Wladimir Putin hatte der Ukraine die Schuld an der Tragödie gegeben, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Kriegsgebiet nicht komplett für die zivile Luftfahrt gesperrt hatte. Separatisten hatten vor dem Absturz der MH17 mehrere Militärflugzeuge abgeschossen.

  • Wie ist der Stand der Ermittlungen in Russland?

Von Anfang an erhoben die Russen den Verdacht, dass ein anderes Flugzeug die Passagiermaschine abgeschossen haben könnte. Später präsentierte die oberste Ermittlungsbehörde dazu auch einen mutmaßlichen Zeugen, einen ehemaligen ukrainischen Militärangehörigen, der sich nach Russland abgesetzt hatte. Der 22-Jährige belastete einen Kampfpiloten aus seiner Einheit, der den Flug MH17 von einem Suchoi-Bomber Su-25 abgeschossen haben soll. Die Ukraine hatte dies zurückgewiesen. Die Behörden in Moskau gehen aber nach eigenen Angaben auch anderen Hinweisen nach. Kremlchef Wladimir Putin hatte zuletzt im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass er einen Bericht auf seinem Tisch habe, nach dem die Maschine von einer Buk-Rakete von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen wurde.

  • Gibt es Beweise durch Satellitenbilder?

In den USA gab es Berichte über eigene Satellitenbilder, die die Schuld der prorussischen Rebellen beweisen sollen. Sie wurden aber nicht veröffentlicht. Russland präsentierte kurz nach dem Abschuss Satellitenbilder, nach denen ukrainische Truppen ein Buk-System nahe der Absturzstelle stationiert hatten. Experten streiten aber darüber, ob die Bilder echt sind.

(dpa/ska)