Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Woche mit einem Mammut-Programm hinter sich. Als Friedensvermittlerin flog sie in sieben Tagen gut 20.000 Kilometer. Wie hart ihre Woche war, zeigt eine Chronologie.

Vergangene Woche war Angela Merkel unter anderem im Auftrag des Friedens in der Ostukraine weltweit unterwegs: Berlin, Kiew, Moskau, München, Washington, Ottawa, Minsk, Brüssel. Und dazu die großen Gesprächspartner: die Präsidenten aus Frankreich, der Ukraine, Russland und den USA.

Frankreichs Präsident François Hollande begleitete die Kanzlerin dabei zu den Verhandlungen in Minsk, wo sie 17 Stunden lang mit Kreml-Chef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko einen neuen Friedensplan für die Ostukraine aushandelten.

An Hollande ging das nicht spurlos vorüber: Beim EU-Gipfel in Brüssel hatte er erhebliche Probleme, sich zu konzentrieren. Er konnte sich teilweise nicht an die Fragen der Journalisten erinnern und kommentierte selbstironisch: "Wir werden diese Pressekonferenz gleich beenden. Ich sorge für gewisse Verwirrung."

Bei Merkel gab es hingegen kaum ein Anzeichen von Müdigkeit. Dabei war sie die ganze Woche rund um den Globus unterwegs gewesen. Sie zehrt offensichtlich von ihren Reserven. "Ich habe gewisse kamelartige Fähigkeiten", sagte die Kanzlerin dem Radiosender "SWR1" einmal. "Ich kann kurzeitig mal mit weniger Schlaf auskommen." Wie hart ihre Woche war, zeigt eine Chronologie:

Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef François Hollande, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und Kremlchef Wladimir Putin haben in einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon in Minsk die Grundlagen für eine mögliche Lösung der Ukraine-Krise ausgehandelt. So kommentiert die Presse den Ausgang der Verhandlungen.

Donnerstag, 5. Februar: Berlin und Kiew

Der Anfang einer langen Woche: Angela Merkel lädt den deutschen Raumfahrer Alexander Gerst zum Privatbesuch ein. Ein Treffen, auf das sich die gelernte Physikerin im Gegensatz zu den darauffolgenden mühseligen Treffen besonders freuen dürfte.

Er hat eine schwarz-rot-goldene Flagge mitgebracht, die mit ihm 2.566 Mal um die Erde geflogen ist. Zurückgelegte Strecke: mehr als 100 Millionen Kilometer. Das wird selbst Merkel bei aller Reisediplomatie niemals schaffen. Aber auf mehr als 20.000 Flugkilometer bringt sie es in den nächsten Tagen schon.

Dann die Überraschung: Merkel startet zusammen mit Frankreichs Präsident François Hollande eine Friedensmission für die Ukraine. Noch am Abend reist sie nach Kiew und sitzt sie dann beim ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko im Präsidialamt, zusammen mit Hollande.

Freitag, 6. Februar: Berlin und Moskau

Zurück im Kanzleramt, nach einer kurzen Nacht. Ihr diplomatisches Treffen mit Putin zur Ukraine-Krise steht bevor: "Wir tun alles, was in unserer Kraft steht, um dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten."

Dann geht es mit dem Kanzler-Airbus nach Moskau. Die meisten Plätze bleiben leer. Merkel nimmt nur die engsten Mitarbeiter mit. Im Kreml wartet Staatschef Wladimir Putin. Er bringt Merkel und Hollande gleich in sein Arbeitszimmer. Auf dem runden Tisch nur ein Rosengesteck, Kugelschreiber für jeden und die Kopfhörer für die Übersetzung.

Nach fünf Stunden ist das Gespräch vorbei. Putin bringt Merkel noch persönlich zum Flughafen.

Samstag, 7. Februar: Moskau, München und Berlin

Merkel fliegt direkt nach München zur Sicherheitskonferenz, einer der wichtigsten Termine für die weltweite außenpolitische Gemeinde. Sie landet gegen 02:00 Uhr. Auf der Konferenz wird sie mit Applaus empfangen. Sie sagt: "Auch nach den Gesprächen ist ungewiss, ob sie Erfolg haben." Ob eine Feuerpause ausgehandelt werden kann, ist zu diesem Zeitpunkt ungewiss. Sie wirkt erschöpft.

Anschließend informiert sie Poroschenko und US-Vizepräsident Joe Biden über die Gespräche mit Putin. Dann noch andere Termine mit den wichtigsten ausländischen Gästen. Am Nachmittag zurück nach Berlin.

Sonntag, 8. Februar: Berlin und Washington

Morgens Telefon-Diplomatie. Merkel spricht in einer Schaltkonferenz mit Hollande, Putin und Poroschenko. Da nicht alle dieselbe Sprache sprechen sitzen Dolmetscher dabei. Putin spricht Deutsch, Merkel Russisch. Sie kann Putin und Poroschenko verstehen, zu ihrem Bedauern aber kein Französisch. Wenn sie später mal weniger zu tun haben wird, würde sie das gern lernen, hat Merkel kürzlich gesagt.

Die Staats- und Regierungschefs beschließen ein Treffen zu viert, in Minsk.

Um 14:15 Uhr geht es dann vom Regierungsflughafen Berlin-Tegel nach Washington. Achteinhalb Stunden in der Luft. Die Regierungsmaschine ist bequem – die weltpolitische Lage ist es nicht. Merkel geht noch einmal die Themen für das wichtige Treffen mit US-Präsident Barack Obama durch. An oberster Stelle steht die Ukraine-Krise, dann noch die Gewalt der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), Griechenland und nicht zuletzt der Vertrauensverlust zu den Amerikanern durch die NSA-Affäre. Mit sechs Stunden Zeitverschiebung Landung in der US-Hauptstadt. In Washington ist es noch hell. Nach deutscher Zeit ist es 01:00 Uhr in der Nacht.

Montag, 9. Februar: Washington und Ottawa

Die ersten sieben Stunden ihres Programms sind für Washington eingeplant, weitere sechs für Ottawa in Kanada. Der wichtigste Termin ist im Weißen Haus. US-Präsident Barack Obama begrüßt die Kanzlerin im Oval Office, seinem Dienstzimmer. Mit dabei: Vize Joe Biden, Außenminister John Kerry, Merkels Sprecher Steffen Seibert und ihre Berater Christoph Heusgen und Lars-Hendrik Röller. Danach Pressekonferenz.

Obama sagt: "Wenn es zum Erfolg kommen wird, dann wird das sicherlich auch mit der außerordentlichen Geduld und den Anstrengungen von Bundeskanzlerin Merkel und ihres Teams zu tun haben."

Am Abend noch ein Abstecher zu Weltbankchef Jim Young Kim. Dann weiter nach Ottawa zu Kanadas Regierungschef Stephen Harper. Wieder eine Pressekonferenz. Hier übt Merkel im Stillen schon mal Französisch. Im zweisprachigen Kanada wechselt Harper ständig vom Englischen ins Französische und zurück. Noch ein Essen und zurück zum Flughafen. Zurück nach Berlin. Kurze Nachbesprechung der Reise. Nach deutscher Zeit ist es 4:00 Uhr. Müde sieht Merkel nicht aus.

Dienstag, 10. Februar: Berlin

Ein Tag ohne offizielle Termine. Keine Rede, keine Pressekonferenz, kein Auftritt. Aber frei hat Merkel nicht. Jetzt geht es darum, das Treffen in Minsk genauestens vorzubereiten. Aber noch ist nicht sicher, ob der Gipfel überhaupt stattfindet.

Mittwoch, 11. Februar: Berlin und Minsk

Der Tag beginnt mit Routine: 9:30 Uhr Kabinettssitzung im Kanzleramt wie jeden Mittwoch. Die Sitzung ist noch früher zu Ende als gewöhnlich, nach knapp 20 Minuten.

Dann die Nachricht: Das Treffen in Minsk findet statt. Merkel wird am frühen Nachmittag gemeinsam mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) fliegen. Vorher nimmt sie noch am Staatsakt für den am 31. Januar gestorbenen früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Berliner Dom teil.

Am Nachmittag kommt Merkel in der weißrussischen Hauptstadt an. Um 18:30 Uhr starten die Verhandlungen. Es beginnt ein Nervenkrieg. Die russische Seite gibt sich vor Mitternacht begeistert. Außenminister Sergej Lawrow jubelt, es laufe "besser als super". Und dann geht erst einmal nichts voran.

Donnerstag, 12. Februar: Minsk und Brüssel

Die ganze Nacht durch wird verhandelt. Nach 17 Stunden endlich das gewünschte Ergebnis: Waffenruhe beschlossen. Merkel sagt: "Ich habe keine Illusion, wir haben keine Illusion: Es ist noch sehr, sehr viel Arbeit notwendig. Es gibt aber eine reale Chance, die Dinge zum Besseren zu wenden."

Dann steigt die Kanzlerin in ihr Flugzeug und fliegt direkt zum EU-Gipfel nach Brüssel. Geschlafen hat sie nicht, doch man sieht sie lachen. In Brüssel wartet der Schuldenstreit mit der neuen griechischen Regierung auf sie. Nach sieben Stunden Verhandlung ist auch das geschafft. (dpa/she)