Die USA und die EU verschärfen die Sanktionen gegen Russland. Die Strafen treffen vor allem Putin-nahe Regierungsbeamte und Unternehmen. Indes kämpft Gennadi Kennes, der Bürgermeister von Charkow, um sein Leben. Unbekannte haben ihm am Montag in den Rücken geschossen. Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine in unserem Newsticker.

17:55 Uhr: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat eine bedingungslose Freilassung des in der Ukraine festgehaltenen Teams von Militärbeobachtern verlangt. "Wir werden alles dafür tun, dass die Inspekteure unversehrt und ohne Wenn und Aber freikommen", sagte die CDU-Politikerin am Montag bei einem Besuch im Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen. Die vier Deutschen - drei Soldaten und ein Übersetzer -, die mit verschleppt wurden, kommen von dort.

17:15 Uhr: Das russische Außenministerium legt mit Kritik an den Sanktionen nach: Russland wirft der Führung in Kiew erneut eine "völlig überzogene Strafaktion gegen das eigene Volk" vor. Der Einsatz tausender Soldaten mit Panzern und Geschützen gegen prorussische Aktivisten im Osten der früheren Sowjetrepublik sei "unverhältnismäßig", kritisiert das Außenministerium in Moskau. Die Ukraine bekämpft nach eigenen Angaben mit einem "Anti-Terror-Einsatz" moskautreue Separatisten.

Russland empört sich über die Sanktionen

16:27 Uhr: Moskau hat die neuen US-Sanktionen gegen russische Politiker, Topmanager und Unternehmen als "abscheulich" kritisiert. Jedes Wort der Mitteilung des Weißen Hauses beweise den "Realitätsverlust" der USA, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow am Montag der Agentur Interfax. Der Sanktionstext verkenne vollständig die Vorgänge in der Ukraine. Rjabkow kündigte Gegenmaßnahmen an. "Wir haben nie verschwiegen, dass es Möglichkeiten für eine solche Antwort gibt." An der Moskauer Börse fiel die Aktie des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, dessen Chef Igor Setschin von den Sanktionen betroffen ist.

15:33 Uhr: Auch die EU weitet ihre Sanktionen gegen Russland aus. Die Sanktionsliste werde um 15 Namen erweitert, hieß es am Montag aus Diplomatenkreisen in Brüssel. Darauf einigten sich demnach die EU-Botschafter der 28 Mitgliedstaaten angesichts der mangelnden "Deeskalation" der Lage in der Ukraine. Bei den Sanktionen geht es um Konten- und Visasperren.

USA verschärfen Sanktionen gegen Russland

15:00 Uhr: Die USA haben weitere Sanktionen gegen sieben russische Regierungsmitglieder verhängt. Darunter seien zwei Mitglieder des engeren Führungskreises von Kremlchef Wladimir Putin sowie 17 Unternehmen, teilte das Weiße Haus am Montag in Washington mit. Gegen die Einzelpersonen würden Einreiseverbote verhängt. Die etwaigen Vermögen der Betroffenen sowie der Unternehmen in den USA würden eingefroren. Zu den Unternehmen gehören unter anderem Banken und Firmen aus der Energiebranche.

Zudem kündigte das Weiße Haus verschärfte Einschränkungen für den Export von Hochtechnologie im Verteidigungssektor nach Russland an. Es würden bereits bestehende Exportlizenzen aufgehoben.

14:10 Uhr: Mit der Ankunft von etwa 150 US-Soldaten in Estland wird am Montagnachmittag die Verlegung amerikanischer Truppen ins Baltikum und nach Polen zunächst abgeschlossen. Sie sollen in den kommenden Monaten an Militärübungen teilnehmen. Die Entwicklungen auf der Krim und in der Ostukraine haben im benachbarten Polen und in den baltischen Staaten mit ihren russischstämmigen Minderheiten alte Ängste vor russischer Hegemonie geweckt. Die USA entsenden insgesamt rund 600 Soldaten.

13:06 Uhr: Die Botschafter der 28 EU-Staaten haben am Montag in Brüssel mit Beratungen über Sanktionen begonnen. EU-Diplomaten sagten, mit großer Wahrscheinlichkeit würden etwa 15 weitere Personen mit Einreiseverboten und der Sperrung von Konten in der EU belegt. Bisher hat die EU gegen 33 Ukrainer und Russen, die die Annexion der Krim unterstützt haben, Sanktionen verhängt.

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte, es werde auch über die Vorbereitung möglicher Wirtschaftssanktionen gesprochen. Dazu erwarteten Diplomaten aber noch keine Entscheidung. Viele EU-Staaten sind zurückhaltend, weil sie Gegenmaßnahmen Russlands fürchten, das ein wichtiger Gaslieferant für Europa ist.

Frank-Walter Steinmeier fordert Freilassung des OSZE-Teams

12:39 Uhr: Die Bundesregierung hat die sofortige Freilassung des festgehaltenen Teams von Militärbeobachtern im Osten der Ukraine verlangt. Die Männer würden "gegen jedes Recht und ohne jeden Grund gefangen gehalten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Die Bundesregierung verurteilt diese Geiselnahme auf das Schärfste." Den selbst ernannten sogenannten Bürgermeister von Slawjansk forderte er auf, das gesamte Team "unverzüglich, bedingungslos und unversehrt" freizulassen. An Russland appellierte Seibert, sich "ganz klar" von solchen Taten zu distanzieren.

Außerdem fordert Außenminister Frank-Walter Steinmeier von Russland, sich mehr um die Freilassung des OSZE-Teams zu bemühen. Er telefonierte dazu am Montag abermals mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow.

12:00 Uhr: Der Bürgermeister der Millionenstadt Charkow ist bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt worden. Gennadi Kernes sei in den Rücken geschossen worden, teilte Sprecherin Tatjana Grusinskaja am Montag örtlichen Behörden zufolge mit. Der Politiker sei in ein Krankenhaus gebracht worden, die Ärzte würden notoperieren.

Außerdem stürmten ukrainischen Medienberichten zufolge mutmaßlich prorussische Aktivisten am Montag eine Polizeistation in Konstantinowka. Diese liegt rund 60 Kilometer nördlich der Gebietshauptstadt Donezk. Zudem beschossen Unbekannte die Regierungseinheiten auf dem Militärflugplatz Kramatorsk rund 40 Kilometer nördlich. Zwei Sicherheitskräfte wurden verletzt.

11:31 Uhr: Der Einfluss Russlands ist nach den Worten des OSZE-Vorsitzenden Didier Burkhalter entscheidend für Verhandlungen über die Freilassung der in der Ostukraine festgehaltenen Militärbeobachter. Dennoch sei die Festnahme der Beobachter durch prorussische Separatisten "inakzeptabel", sagte der Schweizer Außenminister bei einer Konferenz zur Terrorismusbekämpfung am Montag in Interlaken. Die Schweiz hat derzeit den Vorsitz der OSZE inne.

11:03 Uhr: Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, sieht keinen Fehler darin, dass deutsche Militärbeobachter in die Ukraine entsandt worden sind. Sie hielten sich nach internationalem Recht dort auf und leisteten einen wichtigen Beitrag, sagte der CDU-Politiker am Montag im Deutschlandfunk. Prorussische Separatisten in Slawjansk haben mehrere OSZE-Beobachter festgesetzt, darunter vier Deutsche.

10:21 Uhr: Neue Details zu den geplanten Sanktionen: Nach Angaben der "New York Times" ist es wahrscheinlich, dass die Chefs der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft und des Energiegiganten Gazprom auf der Sanktionsliste stehen werden. Die Zeitung beruft sich auf Angaben von US-Regierungsbeamten. Der Leiter des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats, Demokrat Robert Menendez, richtet sich in der "New York Times" direkt an Russlands Präsident Wladimir Putin: "Das ist eine Botschaft an dich, dass es jetzt eng für dich wird."

US-Präsident Barack Obama hat indes die Bekanntgabe neuer Sanktionen gegen Russland noch für Montag angekündigt. Obama sagte bei einem Besuch in den Philippinen, die neuen Sanktionen sollten Einzelpersonen, Unternehmen und Hightech-Artikel aus dem Rüstungsbereich betreffen.

Prorussische Bewaffnete besetzen Rathaus im Gebiet Donezk

9:51 Uhr: Prorussische Milizen weiten ihre Besetzungen von Regierungs- und Verwaltungsgebäuden in der Ostukraine aus. Rund 20 Bewaffnete besetzen am Montag das Rathaus der Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk, wie ein AFP-Journalist berichtet. Die Angreifer tragen Uniformen ohne Hoheitszeichen. Zuvor hissten sie die Fahne der jüngst ausgerufenen "Republik Donezk" und errichteten Barrikaden.

9:20 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat am Montag einen geplanten Truppenbesuch im Kosovo kurzfristig abgesagt. Grund sei die Lage im Osten der Ukraine, wo seit Freitag drei Bundeswehrsoldaten und ein Dolmetscher aus Deutschland von prorussischen Milizen festgehalten werden, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.

8:40 Uhr: Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine planen nach eigenen Aussagen keine schnelle Freilassung der festgesetzten OSZE-Militärbeobachter, darunter auch vier Deutsche. Zunächst seien "weitere Gespräche" nötig, sagte der selbsternannte Bürgermeister von Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, am Montag dem russischen Staatsfernsehen.

Die bewaffneten Aktivisten werfen den seit Freitag gefangenen Männern "Spionage für die Nato" vor und erwägen einen Austausch mit inhaftierten Gesinnungsgenossen. Die prowestliche Regierung in Kiew hatte dies abgelehnt. Die Bundesregierung verlangt mit Nachdruck ein Ende der Gefangenschaft der Beobachter.

7:37 Uhr: In der Ostukraine gehen die Verhandlungen über die von prorussischen Separatisten festgehaltenen Beobachter der OSZE weiter. Am Sonntagabend hatten die Separatisten überraschend eine ihrer Geiseln, einen schwedischen Beobachter, aus medizinischen Gründen freigelassen. "Der Schwede leidet unter einer leichten Form von Diabetes, deshalb haben wir entschieden, ihn zu entlassen", sagte Aktivistensprecherin Stella Choroschewa am Sonntag in Slawjansk. Die Protestführer hätten aber keine Pläne, weitere Beobachter freizulassen.

Botschafter der EU-Staaten beraten über Sanktionen

7:33 Uhr: In Brüssel beraten die Botschafter der 28 EU-Staaten heute wegen der zugespitzten Lage in der Ukraine über zusätzliche Sanktionen gegen Moskau. Dabei geht es um Einreiseverbote und Kontosperrungen gegen weitere Verantwortliche. Auch die US-Regierung will zügig zusätzliche Sanktionen in Kraft setzen, möglichst im Gleichschritt mit den G7 und der EU. US-Präsident Barack Obama kritisierte, die russische Regierung habe noch keine Schritte unternommen, um die angespannte Situation im Osten und Süden der Ukraine zu befrieden. Vielmehr habe der Kreml separatistische Kräfte noch ermutigt.

7:25 Uhr: Pedro Poroschenko, milliardenschwerer Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine am 25. Mai, hält das Leben der in Slawjansk festgehaltenen OSZE-Beobachter für gefährdet. Der 48-Jährige spricht in der "Bild"-Zeitung von einer "hochgefährlichen Situation für die deutschen Geiseln". Wjatscheslaw Ponomarjow, der selbsternannte Bürgermeister von Slawyansk, sei ein "Terrorist": "Er hat Ukrainer foltern lassen, Politiker getötet. Er ist völlig durchgedreht und bereit, seine Waffen auch auf Ausländer zu richten."

Mit Material von dpa und AFP.