Die Lage in der Ukraine bleibt bedrohlich. Ein Team von OSZE-Militärbeobachtern wird von prorussischen Separatisten festgehalten. Darunter sind auch vier Deutsche - drei Bundeswehrangehörige und ein Dolmetscher. Die G7-Länder wollen neue Sanktionen gegen Russland verhängen. Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem Newsticker.

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17:03 Uhr: Der selbsternannte Bürgermeister und Rebellenführer von Slawjansk bietet der OSZE einen Gefangenenaustausch. Prorussischen Separatisten haben derzeit mehrere Militärbeobachter in ihrer Gewalt, darunter auch vier Deutsche. "Die Junta in Kiew hat eine ganze Reiher unserer Leute", sagte Wjatscheslaw Ponomarew. "Wenn wir die Gelegenheit haben, tauschen wir aus."

16:35 Neue Belastung für die Beziehungen zwischen Kiew und Moskau: Die ukrainische Regierung hat die Wasserversorgung der von Russland annektierten Halbinsel Krim offenbar unterbrochen. Der rund 400 Kilometer lange Nord-Krim-Kanal sei nahezu trockengelegt, meldete die ukrainische Agentur Unian am Samstag unter Verweis auf entsprechende Fotos. Die Wasseragentur in Kiew widersprach den Berichten. Sie warf allerdings der moskautreuen Führung der Krim vor, Wasser ohne gültige Verträge abzuschöpfen. Die Behörden der Halbinsel sollen Kiew mehr als 100 000 Euro schulden, was die Krim bestreitet.

15:09 Die ukrainischen Sicherheitsbehörden warnen davor, was den festgesetzten OSZE-Beobachtern drohen könnte. "Die Terroristen planen, die Geiseln als menschliche Schutzschilde einzusetzen", heißt es in einer Mitteilung. Einer der von prorussischen Separatisten in Slowjansk festgehaltenen Beobachter benötige außerdem dringend medizinische Hilfe. Die Bedingungen für die Gefangenen seien unmenschlich. Woher die Behörden ihre Informationen haben, ist unbekannt.

14:43 Der ukrainische Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk hat Russland vorgeworfen, mit der Verletzung des ukrainischen Luftraums einen Krieg provozieren zu wollen. "Russische Militärflugzeuge haben heute Nacht den ukrainischen Luftraum sieben Mal durchkreuzt und verletzt", sagte Jazenjuk bei seinem Besuch in Rom. "Der einzige Grund ist, die Ukraine zu provozieren, einen Krieg zu beginnen." Der Kreml widerspricht den Vorwürfen, in den ukrainischen Luftraum eingedrungen zu sein.

14:21 Ein Verhandlungsteam der OSZE hat sich auf den Weg in die Ostukraine gemacht, um vor Ort die Freilassung der in Slawjansk festgesetzten Militärbeobachter zu erreichen. Dies verlautete aus Regierungskreisen in Berlin. Zu der von prorussischen Separatisten festgehaltenen Gruppe gehören vier Deutsche, unter ihnen drei Bundeswehroffiziere und ein Dolmetscher.

14:02 Der größte deutsche Industriekonzern Siemens stellt sich hinter die Ukraine-Politik der G7-Staaten - und will Sanktionen gegen Russland ohne Wenn und Aber umsetzen. "Das Primat der Politik gilt. Wir halten uns daran, und wir werden auch sehr konsequent diese Dinge umsetzen», sagte Vorstandschef Joe Kaeser bei einem Besuch der CSU-Vorstandsklausur im oberbayerischen Kloster Andechs. Er betonte aber, dass er weiter daran glaube, dass eine Verständigung mittels Dialogs die Methode der Wahl sei. Siemens ist traditionell stark engagiert in Russland und kommt dort auf einen Jahresumsatz von zuletzt rund 2 Milliarden Euro. Rund 3000 Beschäftigte sind in Russland für den Elektrokonzern tätig.

Krisenstab der Bundesregierung bemüht sich um Freilassung der OSZE-Beobachter

13:45 Die Bundesregierung fordert die unverzügliche Freilassung der OSZE-Beobachter, die in der Ostukraine von prorussischen Separatisten festgehalten werden. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte, der Krisenstab unter Leitung des Auswärtigen Amtes sei mit allen Kräften bemüht, eine baldige Lösung herbeizuführen. "Ich fordere alle, die Verantwortung tragen und Einfluss haben - in der Ukraine und in Russland - auf, dringend alles zu tun und ihren vollen Einfluss geltend zu machen, damit die Beobachter unverzüglich und unversehrt frei kommen", sagte die Ministerin. Leyen betonte, die Beobachter und auch die Soldaten der Bundeswehr seien nicht in der Ukraine, um in irgendeiner Form einzugreifen. "Sondern sie sind dort auf der Basis des sogenannten Wiener Dokuments im Rahmen der OSZE. Ihre wichtige Aufgabe ist, für Transparenz und Vertrauensbildung zu sorgen."

13:17 Papst Franziskus hat den ukrainischen Regierungschef Arseni Jazenjuk zu einer kurzen Audienz im Vatikan empfangen. Die Sorge um das Krisenland Ukraine dürfte im Zentrum des Gesprächs gestanden haben. Jazenjuk schenkte dem Papst ein Foto des Maidan-Platzes in Kiew. "Hier haben die Ukrainer für die Freiheit und für ihre Rechte gekämpft", sagte er, wie Beobachter berichteten. Franziskus hatte sich - zuletzt an Ostern - für eine friedliche Beilegung des Konflikts um die Ukraine stark gemacht. Jazenjuk hatte zuvor Italiens Regierungschef Matteo Renzi getroffen. Er wollte bereits am Nachmittag vorzeitig wieder abreisen.

11:57 Russland will dabei helfen, die festgehaltenen OSZE-Mitarbeiter zu befreien. "Wir glauben, dass die Menschen so schnell wie möglich befreit werden müssen", sagte Andrei Klein, russischer Gesandter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) der Nachrichtenagentur Itar-Tass. "Russland will als Mitglied der OSZE alle möglichen Schritte dafür unternehmen." Die Festsetzung der Militärbeobachter behindere die Deeskalation des Konflikts in der Ukraine, glaubt Klein.

11:29 Uhr: Die Erklärung der G7-Staaten zu möglichen Sanktionen gegen Russland gibt es hier im Wortlaut.

11:24 Uhr: Die Ukraine soll nach Angaben der Regierung in Kiew dezentralisiert werden, um auch Minderheiten mehr Mitspracherechte zu geben. "Dezentralisierung ist ein grundsätzlicher strategischer Punkt unserer Politik. Wir wollen den lokalen Regierungen mehr Macht geben", sagte Vizeaußenminister Danilo Lubkiwski bei den Vereinten Nationen in New York. "Wir wollen es machen, wie es andere Länder vorgemacht haben. In den Regionen selbst soll entschieden werden, welche Straßen gebaut werden und wo Gelder investiert werden", sagte Lubkiwski. "Die Menschen sollen die Macht haben, damit sie selbst entscheiden können, wie sie leben wollen."

Prorussische Kämpfer: Militärbeobachter sind "NATO-Spione"

10:55 Die prorussischen Milizen in Slawjansk haben den festgehaltenen Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vorgeworfen, "Spione der NATO" zu sein. Sie würden nur im Austausch gegen eigene Gefangenen freigelassen, sagte der Milizenführer Denis Puschilin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) drängte seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow, sich für die Freilassung der Beobachter einzusetzen. "Sie werden nicht freigelassen. Sie werden nur gegen unsere eigenen Gefangenen getauscht", sagte Puschilin, der der selbsterklärten Republik Donezk vorsteht, Reportern vor dem Sitz der Sicherheitskräfte in Slawjansk, wo die Beobachter festgehalten werden.

09:26 Die Bundeswehr hat weiterhin keinen Kontakt zu den in der Ostukraine von prorussischen Separatisten festgehaltenen deutschen und internationalen Militärbeobachtern. Es werde immer wieder versucht, ihre Handys zu erreichen, bislang aber erfolglos, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Es sei auch unbekannt, wie viele Menschen genau festgehalten würden. Die Gruppe habe ursprünglich 13 Menschen umfasst: vier Deutsche, vier Militärbeobachter anderer Nationen - nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aus Tschechien, Dänemark, Polen und Schweden - sowie fünf ukrainische Militärs.

09:02 Prorussische Separatisten in der Ostukraine haben ihre Spionagevorwürfe gegen die festgesetzten Militärbeobachter auch aus Deutschland bekräftigt. "Diese Menschen sind Berufssoldaten - im Unterschied zu einem OSZE-Team, mit dem ich mich vor Kurzem normal unterhalten habe", sagte der Separatistenführer von Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, in einem am Samstag vom russischen Fernsehen ausgestrahlten Interview. Der Verdacht liege nahe, dass die Gruppe "Sabotageakte" im Auftrag der ukrainischen Regierung vorbereite. Die Aktivisten würden "bald" über eine mögliche Freilassung entscheiden. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung bezeichnete Ponomarjow sie als "Kriegsgefangene".

G7-Länder wollen neue Sanktionen gegen Russland

08:38 Die G7-Staaten wollen neue Sanktionen gegen Russland verhängen. Das hat die Gruppe in einer gemeinsamen Mitteilung erklärt. Aus dem Weißen Haus in Washington wurde bekannt, dass die weiteren Strafmaßnahmen bereits am Montag verhängt werden könnten.
Zur Begründung hieß es, Russland habe keine konkreten Handlungen unternommen, um die Genfer Einigung auf einen Friedensplan in der Ukraine zu unterstützen. Stattdessen habe Moskau die Spannungen "mit einer zunehmend besorgniserregenden Rhetorik und anhaltenden bedrohlichen militärischen Manövern" weiter eskalieren lassen.

08:14 Die USA haben Russland die Verletzung des ukrainischen Luftraums vorgeworfen. Russische Militärflugzeuge seien in den vergangenen 24 Stunden wiederholt in den ukrainischen Luftraum eingedrungen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Steven Warren, am Freitag. Er rief Moskau auf, "sofortige Schritte zu einer Deeskalation der Situation" zu unternehmen. Einzelheiten nannte der Sprecher nicht, so sagte er weder wo, noch wann genau die Maschinen in den Luftraum eingedrungen sein sollen.

Ukraine-Krise: Die Ereignisse vom Freitag können Sie hier in unserem Newsticker nachlesen.

Mit Material der dpa und AFP