Abu al-Husain al-Husaini al-Kuraischi galt als Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat. Nun verkündet der türkische Präsident Erdogan dessen "Neutralisierung". Aber es bleiben Fragen offen.

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Schlag gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS): Der türkische Geheimdienst hat Regierungsangaben zufolge bei einem Einsatz in Syrien den Anführer der Extremistengruppe "neutralisiert", wie Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntagabend laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu sagte. Mit dem Begriff der "Neutralisierung" ist wahrscheinlich die Tötung gemeint.

Nach türkischen Angaben handelt es sich um Abu al-Husain al-Husaini al-Kuraischi, den die Türkei laut Erdogan lange verfolgt hat. Der IS hatte ihn im November 2022 zum neuen "Emir" der Terrormiliz ausgerufen. Er folgte auf Abu al-Hassan al-Haschimi, der nach IS-Angaben Ende November "im Kampf getötet" wurde. Experten gehen davon aus, dass es sich bei den Namen um Kampfnamen handelt.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, dass ein IS-Anführer bei einem türkischen Angriff getötet wurde. Nach Informationen der Beobachtungsstelle sprengte er sich während des Einsatzes selbst in die Luft. Die Terrormiliz selbst äußerte sich zunächst nicht.

Es gibt weiter Unklarheiten

Nach Angaben der Beobachtungsstelle, die ihren Sitz in London hat, richtete sich der Einsatz am Samstag gegen einen Kommandanten in einem militärischen Hauptquartier in der Region um Afrin. Unklar sei aber, ob es sich tatsächlich um den IS-Chef handle. Die Menschenrechtsaktivisten bestätigten, dass sich einige der ranghohen IS-Mitglieder in dem Gebiet nordwestlich von Aleppo aufhielten und dort das herrschende Sicherheitschaos für sich ausnutzten.

Der IS kontrollierte über Jahre große Gebiete im Irak und im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien. Mittlerweile haben die Extremisten ihr Herrschaftsgebiet wieder verloren. IS-Zellen sind aber in beiden Ländern weiter aktiv.

Die Türkei hält Gebiete im Norden Syriens besetzt und geht mit Militäraktionen dort hauptsächlich gegen die syrische Kurdenmiliz YPG vor. Im Inland werden regelmäßig mutmaßliche Anhänger des IS festgenommen. Die türkische Regierung macht die Miliz zudem für einen Anschlag auf der Einkaufsstraße Istiklal 2016 mitverantwortlich, bei dem vier Menschen getötet und 39 Menschen verletzt wurden.

In der Türkei finden in zwei Wochen auch Präsidents- und Parlamentswahlen statt. Bei dem Urnengang am 14. Mai muss Erdogan als Vertreter der islamisch-konservativen AK-Partei nach 20 Jahren an der Macht um seine Wiederwahl fürchten.  © dpa

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