Die Türkei hat am Mittwoch erstmals seit Monaten wieder neuerkrankte Krebspatienten aus dem Nordwesten Syriens zur Behandlung ins Land gelassen. 30 Patienten seien am Morgen in die Türkei gereist, sagte der Gesundheitsdirektor des zuständigen Grenzübergangs Bab al-Hawa der Deutschen Presse-Agentur. Nach den Erdbeben im Februar nahm die Türkei lange Zeit keine Krebspatienten aus dem Bürgerkriegsland auf. Erst vor einigen Wochen kamen wieder Patienten über die Grenze, die schon zuvor in der Türkei behandelt worden waren. Nun durften auch wieder Neuerkrankte einreisen.

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Bis zu 90 neu diagnostizierte Krebspatienten dürfen nach Angaben des Gesundheitsbüros von nun an wöchentlich in die Türkei einreisen. Insgesamt 600 Krebspatienten warten demnach derzeit auf eine medizinische Behandlung im Nachbarland. Am Wochenende hatten einige von ihnen am Grenzübergang für die Erlaubnis einer Einreise in die Türkei demonstriert. Laut einem Bericht von der US-Hilfsorganisation SAMS und der Organisation Relief International (RI) werden im Nordwesten Syriens jedes Jahr bis zu 3000 neue Krebsfälle diagnostiziert.

Die betroffene Region ist vom Rest des Landes abgeschnitten, staatliche Hilfe gibt es nicht. Die medizinische Versorgung ist nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg sehr schlecht. Vergangenes Jahr waren nur etwa zwei Drittel der medizinischen Einrichtungen voll funktionsfähig, durch die Erdbeben in Syrien und der Türkei im Februar wurden weitere zerstört.

Bab al-Hawa ist der wichtigste Grenzübergang für humanitäre Hilfen für den Nordwesten Syriens. Die Türkei ist nicht verpflichtet, Menschen zur Behandlung einreisen zu lassen. Die Kosten für die Behandlungen tragen Menschenrechtsaktivisten zufolge häufig die Vereinten Nationen und die Europäische Union.  © dpa

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