Deutsche Diplomaten sind nach einem Medienbericht überzeugt, dass die türkische Regierung inhaftierte Deutsche wie Geiseln benutzt. So soll Recep Tayyip Erdogan die Freilassung von Deniz Yücel versprochen haben - im Austausch gegen geflohene Generäle.

Ankara will mit den inhaftierten Deutschen offenbar erzwingen, dass die Bundesregierung Türken ausliefere, die nach dem Putschversuch vor gut einem Jahr in Deutschland Asyl beantragt hätten.

Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Diplomatenkreise im Auswärtigen Amt. Sigmar Gabriel hat davon hingegen keine Kenntnis, sagte er am Donnerstagvormittag vor der Presse.

Deniz Yücel im Austausch gegen zwei Generäle

Präsident Recep Tayyip Erdogan habe der Bundesrepublik bereits vor einigen Wochen angeboten, den deutsch-türkischen "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gegen zwei nach Deutschland geflohene Ex-Generäle der türkischen Armee auszutauschen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte der Zeitung: "Auf so einen Handel können wir uns natürlich nicht einlassen."

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei sind dort nach Erkenntnissen der Bundesregierung bislang 22 deutsche Staatsbürger festgenommen worden. Aktuell sind demnach noch 9 von ihnen in Haft.

Bundesregierung will jetzt reagieren

Einer von ihnen ist der vergangene Woche festgenommene deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner.

Auch wegen dessen Inhaftierung hat die Bundesregierung nun reagiert. Außenminister Gabriel hat erklärt, dass die Reisehinweise für die Türkei verschärft werden und die Türkei-Politik Deutschlands neu bewertet werde.

Aufgrund der zugespitzten Lage hatte Außenminister Gabriel eigens seinen Urlaub abgebrochen.

(cai/dpa)