Seit Wochen haben deutsche Sicherheitsbehörden eine Gruppe von Algeriern im Visier. Am Donnerstagmorgen nun ist der Zugriff erfolgt: Drei Algerier wurden wegen Terrorverdachts festgenommen, mehrere Wohnungen in drei Bundesländern durchsucht. Wer sind die Verdächtigen und was hatten sie geplant? Ein Überblick.

  • Anti-Terror-Razzien in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen
  • Drei Terrorverdächtige mit Kontakten zur Terrormiliz IS festgenommen
  • Terror-Anschlag wohl in Berlin geplant

Wo fanden Razzien statt?

Die Polizei hat in drei Bundesländern Razzien gegen mutmaßliche Islamisten durchgeführt: Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Allein in Berlin durchsuchten 450 Polizisten vier Wohnungen und zwei Betriebe.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Sichergestellt wurden Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen.

Wer wurde festgenommen?

Festnahmen bei Razzien - weitere Verdächtige gesucht.

Ein 35-jähriger Algerier gilt als Hauptverdächtiger einer Terrorzelle. Er wurde am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen. Er hielt sich nach dpa-Informationen in einem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge auf.

Der Algerier ist nach dpa-Informationen im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Der Mann kam demnach über die sogenannte Balkanroute und wurde in Bayern als Flüchtling registriert. Nach ersten Hinweisen auf Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden.

Gegen den 35-jährigen Islamisten hatten die algerischen Behörden zuvor einen Haftbefehl erlassen. Wie Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich am Donnerstag mitteilte, habe die Polizei dem Festnahme-Ersuchen der algerischen Seite gegen den Verdächtigen wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) entsprochen. Er soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein.

Mittlerweile wurde bekannt, dass auch die Ehefrau des 35-Jährigen festgenommen worden ist. Auch die 27-jährige sei mit einem von den algerischen Behörden ausgestellten internationalen Haftbefehl gesucht worden. Auch ihr wird eine Mitgliedschaft beim IS vorgeworfen.

Ein zweiter Algerier im Alter von 49 Jahren wurde im Zuge der Razzia in Berlin festgenommen. Laut Polizei hatte gegen ihn ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung aus einem anderen Verfahren vorgelegen. Zwei andere Verdächtige seien angetroffen, aber nicht festgenommen worden, sagte Sprecher Redlich.

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Wer wird gesucht?

Weiter gesucht wird laut Polizei nach einem 31-Jährigen in Berlin und einem 26-Jährigen in Hannover. Der in Hannover gesuchte IS-Terrorverdächtige hatte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen Verbindungen zur belgischen Islamistenszene.

Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud, gelebt. Molenbeek gilt als Islamistenhochburg.

Wie gerieten die Verdächtigen ins Visier der Ermittler?

Gegen die Männer wird bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Die Erkenntnisse hätten sich um den Jahreswechsel herum verdichtet.

Nach den Informationen erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in NRW vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden.

Der Anlass der Durchsuchung sei der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Deutschland.

Wie kommunizierten die Verdächtigen?

Die mutmaßlichen Mitglieder der aufgeflogenen islamistischen Terrorzelle haben verschlüsselt kommuniziert. Die Verdächtigen hätten unter großer Geheimhaltung verdeckt operiert, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es.

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Was planten die mutmaßlichen Islamisten?

Die Gruppe wollte offenbar in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten. Wie weit die Pläne bereits fortgeschritten waren, war zunächst offen.

Offenbar hatten die Islamisten den Berliner Alexanderplatz im Visier. Das berichtet "Bild.de" unter Berufung auf Ermittlerkreise. "Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner, auf eine Nachfrage der "Zeit". Konkreter sei der Beamte nicht geworden.

Wie ist die aktuelle Bedrohunglage?

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. "Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein." Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

Die Sicherheitsbehörden stuften im Januar 446 Personen aus der Islamisten-Szene in Deutschland als sogenannte Gefährder ein. Ihnen trauen Polizei und Geheimdienste zu, dass sie einen Terrorakt begehen könnten.

Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Kampfgebieten in Syrien und im Irak darunter. Mehr als 780 deutsche Islamisten sind bislang dorthin ausgereist - ein Drittel von ihnen ist inzwischen wieder in Deutschland. Etwa 1.000 Menschen ordnen die Sicherheitsbehörden dem "islamistisch-terroristischen" Spektrum zu. Dazu gehören auch Unterstützer und Kontaktleute von "Gefährdern". (far/dpa)

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