Bundeskanzlerin Angela Merkels Vergangenheit in der DDR ist das Thema eines neuen Buches der beiden Journalisten Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann. Das Fazit: Deutschland wusste bislang bei weitem nicht alles über Merkels Rolle im DDR-System.

Wie die "Bild"-Zeitung aus dem Buch "Das erste Leben der Angela M." berichtet, soll Merkel dem DDR-Apparat näher gestanden haben, als der breiten Öffentlichkeit bisher bekannt war. Gleichzeitig mit ihrer Arbeit an der Akademie der Wissenschaften soll sie in der FDJ, der staatlich geförderten Jugendorganisation des Systems, Sekretärin für Agitation und Propaganda gewesen sein. Auch eine leitende Funktion in der Betriebsgewerkschaft soll Merkel innegehabt haben.

Ungewollte Wiedervereinigung?

Auch der von Merkel propagierte Quereinstieg in die Politik im Dezember 1989 soll laut dem Buch nicht der Wahrheit entsprechen. Bereits einige Monate zuvor soll sie sich im "Demokratischen Aufbruch", einer oppositionellen Gruppierung, engagiert haben. Hier soll für Merkel allerdings nicht die Wiedervereinigung im Fokus gestanden haben, sondern eine Demokratisierung mit sozialistischen Zügen in einer unabhängigen DDR.

Die "Bild"-Zeitung schließt aus diesen Enthüllungen, dass Merkel ihren Lebenslauf nachträglich schönte, um den Erwartungen und Vorstellungen der Unionswähler besser zu entsprechen.

Die Autoren des Buches (Piper Verlag, 320 Seiten, 19,90 Euro, ab Dienstag im Handel) gründen ihre Schlussfolgerungen auf bislang unveröffentlichten Dokumenten, jahrelanger Recherche und Gesprächen mit Zeitzeugen. Angela Merkel wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern. (men)