Solidaritätsbekundung in Tel Aviv: Rathaus erstrahlt in den Farben des Libanon

Nach der schweren Explosion in Beirut haben zahlreiche Länder ihre Solidarität mit dem Libanon bekundet. In der israelischen Stadt Tel Aviv wurde dabei ein besonderes Zeichen gesetzt: Das Rathaus erstrahlte in den Farben der libanesischen Flagge - und das, obwohl das Verhältnis zwischen Israel und dem Libanon angespannt ist.

Die Aktion ist deshalb so bemerkenswert, weil der Libanon und Israel seit Jahren verfeindet sind. Offiziell befinden sich die Nachbarländer sogar noch im Krieg miteinander. Zudem unterhalten sie keine diplomatischen Beziehungen.
2006 bekämpften sich Israel und die vom Iran unterstützte schiitische Hisbollah-Miliz in einem monatelangen Krieg. 1.200 Libanesen wurden getötet, die meisten davon waren Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 160 Menschen, die meisten davon Soldaten. In den vergangenen Wochen nahmen die Spannungen an der Grenze wieder zu.
Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai kommentierte die Aktion auf Twitter: "Menschlichkeit ist wichtiger als jeder Konflikt", schrieb er. "Unsere Herzen sind beim libanesischen Volk."
In der Nacht zuvor waren bereits der Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai, die Pyramiden von Gizeh in Ägypten und der Freiheitsturm in Teheran (im Bild) aus Solidarität mit den Menschen in Beirut und in Gedenken an die Opfer der Explosion in Libanons Nationalfarben beleuchtet worden.
Auch die Statue "Cristo Redentor" auf dem Corcovado in Rio de Janeiro erstrahlte in den Farben der libanesischen Flagge.
Die Solidaritätsbekundung in Tel Aviv stieß indes nicht bei allen Israelis auf Zustimmung. Israels Minister für Jerusalem-Angelegenheiten, Rafi Peretz sagte, die Flagge eines feindlichen Landes im Herzen Tel Avivs zu zeigen, sei eine "moralische Verwirrung".
Eine Explosion im Hafen hatte Beirut am Dienstag erschüttert. Nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes starben mindestens 135 Menschen, Tausende wurden verletzt. (thp/dpa)