»Ein Unionskandidat kann ohne Unterstützung von Angela Merkel kaum erfolgreich sein«: CSU-Chef Söder setzt im Wettstreit um die Kanzlerkandidatur erneut eine deutliche Spitze gegen seinen CDU-Rivalen Laschet.

Bei der Entscheidung über den künftigen Kanzlerkandidaten der Union will CSU-Chef Markus Söder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) miteinbeziehen. Söder sagte der »Bild am Sonntag«: »Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur sollte auch eng mit Angela Merkel abgestimmt werden. Denn es muss ein gemeinsamer Wahlkampf mit der Bundeskanzlerin werden. Ein Unionskandidat kann ohne Unterstützung von Angela Merkel kaum erfolgreich sein.«

Die Äußerung muss als deutliche Spitze gegen seinen Rivalen, CDU-Chef Armin Laschet, verstanden werden. Zwischen Merkel und Laschet waren immer wieder und zuletzt verstärkt klare Meinungsdifferenzen in der Coronapolitik erkennbar geworden. Söder hingegen sieht sich im Kampf gegen das Virus weitgehend auf einer Linie mit der Kanzlerin.

Für die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten spielten auch Umfragen eine Rolle, so Söder in der »BamS«. »Sie sind ein wichtiger Maßstab für die Akzeptanz von Personen und Programmen in der Bevölkerung.« Auch dies muss man als Kampfansage verstehen: Laschet schneidet in Umfragen regelmäßig schlechter ab als Söder.

Offen hat Söder sein Interesse an der Kanzlerkandidatur bisher nicht erklärt. Es mehren sich allerdings die Indizien, dass er die Konfrontation mit Laschet sucht. Die Deutlichkeit seiner Aussagen im »BamS«-Interview ist insofern bemerkenswert.

Zwar findet Söder für seinen Rivalen auch – scheinbar – wohlwollende Worte: »Als Ministerpräsident des größten Bundeslandes leistet er großartige Arbeit.« Der CSU-Chef fügt jedoch hinzu, dass es nicht um die Frage von zwei Personen und deren persönliche Ambitionen gehe, »sondern um die Zukunft der Union und des gesamten Landes«. Diese Verantwortung müssten die Parteivorsitzenden von CDU und CSU gemeinsam schultern. »Wir müssen überlegen, was das Beste für Deutschland und die Union ist.«

Inhaltlich sprach sich Söder erneut für schärfere Coronamaßnahmen aus. »Wir sollten überlegen, ob ein erneuter kurzer, aber dafür konsequenter Lockdown nicht der bessere Weg wäre als ein halbherziges und dafür endloses Coronakonzept, das die Zahl der Neuinfektionen auch nicht wirklich reduziert hat«, sagte er dem Zeitungsbericht zufolge. »Lieber kurz und konsequent als lange hin und her. Umfragen zeigen deutlich, dass dies auch dem Großteil der Bevölkerung lieber wäre.«

Hierzu brauche es »einen einheitlichen bundesweiten Pandemieplan anstelle eines Flickenteppichs mit unüberschaubaren Regeln in den einzelnen Bundesländern«, sagte der CSU-Chef laut »BamS«. Am Samstag hatte auch die Bundesregierung den Ländern mit deutschlandweit einheitlichen Coronaregeln gedroht.

Der Impfstoff von AstraZeneca solle komplett freigegeben werden, so Söder. »Es darf kein Impfstoff übrig bleiben. Wer es will, sollte sich nach Beratung seines Hausarztes impfen lassen können.« Auch er würde sich »selbstverständlich« mit AstraZeneca impfen lassen.  © DER SPIEGEL