"Prism"-Whistleblower und US-Staatsfeind Nr. 1 Edward Snowden wagt sich aus der Deckung: Nach knapp drei Wochen im Transitbereich des Moskauer Flughafens traf er sich mit Vertretern von Menschenrechtsgruppen, um über seine Verfolgung durch die US-Behörden und seine nähere Zukunft zu sprechen. Und ließ gleich eine Bombe platzen: Er will jetzt doch Asyl in Russland. Am Nachmittag unterschrieb er seinen Antrag auf politisches Asyl in Moskau.

Grund sei, dass er nicht ausreisen könne, zitiert die Agentur Interfax Tanja Lokschina von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Der 30-Jährige wolle in Russland bleiben und habe um Hilfe beim Erstellen des Asylantrags gebeten.

Der Kreml stellte dem US-Geheimdienstexperten jedoch erneut Bedingungen für ein Bleiberecht in Russland. Der 30-Jährige müsse vollständig auf Enthüllungen verzichten, die den USA Schaden zufügten, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, der Agentur Interfax zufolge. Der Abgeordnete Wjatscheslaw Nikonow sagte, Snowden wolle die Bedingungen annehmen. Anfang Juli hatte der Informant diese noch abgelehnt. "Wenn er hierbleiben möchte, gibt es eine Bedingung: Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen - so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag", hatte Putin Anfang Juli gesagt.

Dass Snowden nun offenbar doch in Russland bleiben will, verwundert zunächst. Abgesehen von seinen Transportproblemen nach Südamerika könnte er seine Meinung auch geändert haben, weil er sich dort wohl kaum mehr sicher fühlen könnte. Schließlich hätten die US-Geheimdienste es wesentlich leichter, ihn in Venezuela oder Nicaragua aufzugreifen als in Russland. (jfi)