Laut CIA-Berichten soll die Ukraine für die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines verantwortlich sein. Jetzt fordert die deutsche Regierung eine schnelle Aufklärung.

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Nach Medienberichten über eine mögliche ukrainische Spur bei den Explosionen an den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 fordern Bundestagsabgeordnete rasche Aufklärung. "Die Öffentlichkeit muss schnellstmöglich von den Behörden über den Stand der Dinge informiert werden", sagte Ralf Stegner von der SPD dem "Spiegel". Alle Informationen müssten ans Licht, um Verschwörungstheorien entgegenzuwirken.

Ukrainische Eliteeinheit verantwortlich für Nord-Stream-Sabotage?

Demnach wurde die CIA von einem europäischen Geheimdienst darüber informiert, dass ein Team von sechs Angehörigen einer ukrainischen Eliteeinheit die Erdgas-Pipelines bei einem verdeckten Taucheinsatz sprengen wollten. Der "Washington Post" zufolge unterstand das Team direkt der ukrainischen Armeeführung.

Die renommierte Zeitung beruft sich auf Geheimdokumente, die mutmaßlich durch den US-Nationalgardisten Jack Teixeira auf der Chat-Plattform Discord geteilt wurden. Teixeira war Mitte April festgenommen worden, nachdem das Durchsickern geheimer Regierungsdokumente international für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Die unter der Ostsee verlaufenden Leitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 für den Transport von russischem Erdgas nach Deutschland waren Ende September 2022 durch Explosionen zerstört worden. In den vergangenen Monaten haben sich die Hinweise verdichtet, dass die Ukraine hinter den Detonationen stehen könnte, unter anderem durch die Ermittlungen deutscher Behörden.

Die "Washington Post" berichtet jetzt, die US-Regierung habe im Juni 2022 durch einen "engen Verbündeten" von dem mutmaßlichen ukrainischen Plan erfahren. Demnach stammten die Angaben von einem Informanten in der Ukraine. Die USA teilten die Informationen dann mit Deutschland und anderen Europäern, schreibt die "Washington Post" unter Berufung auf informierte Kreise. Der Plan soll demnach sehr detailliert gewesen sein – und große Ähnlichkeiten mit dem tatsächlichen Anschlag vom September haben.

So sollten dem Plan zufolge sechs Beteiligte mit einem unter falscher Identität gemieteten Boot zu den Pipelines fahren und dann zu den Leitungen tauchen, um Sprengsätze anzubringen. Deutsche Ermittler sind Medienberichten zufolge zu dem Schluss gekommen, dass sechs Angreifer im September genau so vorgingen.

Neue Berichte zu Nord-Stream-Explosionen: Bundesregierung hält sich bedeckt

Bundesanwaltschaft und Bundesregierung haben Berichte, nach denen eine Spur bei den Ermittlungen zu Explosionen an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 in die Ukraine führen soll, unkommentiert gelassen.

Selenskyj soll nicht über Pläne informiert worden sein

Die Beteiligten sollen der "Washington Post" zufolge direkt an den ukrainischen Armeechef Walerij Saluschnyj berichtet haben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sei bewusst nicht über die Pläne informiert worden, um dann glaubhaft eine ukrainische Verantwortung zurückweisen zu können.

Nach den Explosionen nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm waren vier Lecks an den beiden Pipelines entdeckt worden. Der Generalbundesanwalt in Deutschland hatte am 10. Oktober ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet.

Der Linken-Abgeordnete André Hahn verknüpfte die Frage nach einer möglichen ukrainischen Beteiligung laut "Spiegel" mit der deutschen Waffenhilfe für die Ukraine im Krieg mit Russland. Diese müsste seiner Meinung nach "auf den Prüfstand", sollte sich der Verdacht erhärten. Roderich Kiesewetter von der CDU – wie Hahn Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste – warnte dem "Spiegel" zufolge vor vorschnellen Schlüssen. Man könne weder eine ukrainische Täterschaft noch eine von Russland gelegte falsche Fährte ausschließen.

Auch Recherchen der Medien NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" ergaben Spuren in dem Fall in Richtung Ukraine. Es gehe um mutmaßliche Briefkastenfirmen und um eine Person mit möglichen Verbindungen zum ukrainischen Militär. Weder Bundesanwaltschaft noch Bundesregierung hatten die Berichte kommentiert. (dpa/afp/the)

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