Die Zwei-Prozent-Vorgabe der Nato ist ein Haufen Geld, den man für Vieles nutzen könnte

Zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukt soll jedes Nato-Land für Rüstung und Militär im Jahr ausgeben, um die gemeinsame Verteidigungskraft aufrechtzuerhalten. Doch nur wenige Länder erfüllen diese Soll-Vorgaben. Die USA beschwert sich immer wieder über Länder wie Deutschland, die an dieser Vorgabe scheitern. Dabei könnte man so viel Gutes mit dem Geld anstellen.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten haben 2014 Ziele für die Höhe ihre Verteidigungsausgaben festgelegt. Demnach ...
... sollen alle Nato-Länder bis 2024 zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung stecken beziehungsweise sich darauf zubewegen.
In der deutschen Bundesregierung wird die Vereinbarung jedoch etwas anders interpretiert. Dort heißt es, es gehe lediglich darum, sich auf die zwei Prozent zuzubewegen.
Diese Sichtweise ist auch von dem Text der Wales-Erklärung gedeckt, wo es wörtlich heißt: "Die Bündnispartner, deren Anteil vom BIP für Verteidigungsausgaben gegenwärtig unter diesem Richtwert liegt, werden (...) darauf abzielen, sich innerhalb von zehn Jahren auf den Richtwert von 2 Prozent zuzubewegen, um ihre Nato-Fähigkeitenziele zu erreichen und Fähigkeitslücken der Nato zu schließen."
Nach den jüngsten Prognosen der Nato werden 2018 neben den USA lediglich Griechenland, Großbritannien, Polen, Rumänien sowie die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland das Zwei-Prozent-Ziel erreichen.
Deutschland liegt trotz deutlich steigender Verteidigungsausgaben derzeit bei etwa 1,24 Prozent. Nach deutscher Lesart haben sie sich damit auf die zwei Prozent zubewegt, weil die Quote 2014 nur bei 1,18 Prozent lag.
2024 soll die Quote nach einem Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei 1,5 Prozent liegen. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist allerdings völlig unklar, da Deutschland nach der aktuellen Finanzplanung im Jahr 2022 nur bei 1,24 Prozent liegen wird.
Das liegt daran, dass eine Ausgabenerhöhung nur dann die Quote erhöht, wenn sie das Wirtschaftswachstum übertrifft. Allein die Erfüllung des 1,5-Prozent-Ziels bedeutet demnach rund 18 Milliarden Euro mehr für den aktuell 38 Milliarden schweren deutschen Verteidigungshaushalt. Was man mit so viel Geld alles tun könnte ... ?
Für so viel Geld ließe sich die Reihe der A400M-Transportmaschinen kräftig aufstocken. 53 Flieger hat die Bundeswehr bislang bestellt. Bei einem Stückpreis von rund 180 Millionen Euro ließen sich nochmals knapp 100 kaufen. Bei den pannengeplagten Maschinen dürfte das die Chance erhöhen, dass auch mal welche fliegen.
1.500 Kilometer Autobahn könnte man von dem Geld bauen - sofern man von 12 Millionen Euro pro Kilometer ausgeht. So teuer ist der Kilometer im Schnitt für eine vierspurige Autobahn, sagt die Bundesanstalt für Straßenwesen. Die 18-Milliarden-Straße wäre fast zweimal so lang wie Deutschland von Nord bis Süd.
Mit der Summe könnte man jedem der mehr als 82 Millionen Deutschen knapp 220 Euro überweisen - vom Säugling bis zum Greis.
Oder für schnellere Züge sorgen: Die Bahn könnte sich 400 neue Züge des Typs ICE4 zulegen - zum Stückpreis von 45 Millionen Euro.
Auch im Ausland könnte geholfen werden. So könnten knapp drei Millionen Brunnen in Äthiopien gebaut werden. Jeder Dorfbrunnen liefert lebenswichtiges sauberes Wasser für 500 Menschen. Kostet nach Angaben von Unicef nur 6.200 Euro pro Stück.
Für das Geld könnte man fünf Mal die komplette erste Bundesliga kaufen. Der Gesamtwert aller Vereine beträgt nach Angaben von Transfermarkt.de 3,49 Milliarden Euro. Oder man erwirbt nur den teuersten Club, den FC Bayern München - dafür aber mehr als 20 Mal.
Sie wollen Freunde beeindrucken mit Claude Monets Original "Seerosen" über der Fernsehcouch? Für schlappe 49 Millionen Euro ist das impressionistische Meisterwerk 2015 versteigert worden. Für 18 Milliarden Euro könnte man sich 367 Stück solcher Gemälde zulegen - und alle Wände und Decken im ganzen Haus mit Seerosen tapezieren.
Oder einfach Weltraum-Dauertourist werden: Ein Unternehmen bietet Weltraumflüge für den sehr gut situierten Ottonormalverbraucher an - zum Preis von 250.000 Dollar. Mit 18 Milliarden käme man knapp 85.000 Mal ins All - oder könnte fast allen Einwohnern der Bodensee-Stadt Konstanz eine solche Weltraumreise spendieren.
36 Millionen Menschen könnten bei einem Flugpreis von 500 Euro von Berlin nach New York und wieder zurück fliegen - oder rund zweimal alle Einwohner von Nordrhein-Westfalen.
Aber wenn es nach Donald Trump und der Nato geht, wird das Geld (und eigentlich noch mehr) ausschließlich in die Aus- und Aufrüstung der Bundeswehr gesteckt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kann sich also auch in Zukunft über ein prall gefülltes Budget freuen.