George Bush senior: Ein "Glücksfall für uns Deutsche"

Die Deutschen haben George Bush senior stets mehr gemocht als seinen Sohn. Das hat Gründe: Ohne den "alten Bush" hätte es wohl keine deutsche Einheit gegeben. Doch zur "neuen Weltordnung" kam es nie.

Am 30. November Freitagabend starb George H. W. Bush im Alter von 94 Jahren. Er war von 1989 bis 1993 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Frau Barbara Bush (li.) starb im April diesen Jahres. Die beiden waren 73 Jahre verheiratet.
Bush war vor seiner Präsidentschaft acht Jahre lang Vizepräsident unter Ronald Reagan (M.) - dem Mann, der 1987 den sowjetischen Parteichef vor dem Brandenburger Tor aufrief: "Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" (Bild: 1988)
Bush, Sohn der "Geldaristokratie" Neuenglands, zog im Januar 1989 als 41. Präsident der USA ins Weiße Haus ein. Bei seiner Inauguration ahnte noch niemand, dass die politische Weltordnung bald aus den Fugen geraten sollte.
Schon am Tag nach dem Mauerfall im November 1989 führten Präsident Bush und Bundeskanzler Helmut Kohl ein Telefongespräch. "Alles Gute und viel Glück", wünschte der Amerikaner. Bush war der erste westliche Staatsmann, der das Wort "Wiedervereinigung" überhaupt in den Mund nahm.
Entschlossen setzte sich Bush für ein geeintes Deutschland ein, redete Gorbatschow (3.v.r.) bei einem legendären Treffen am 3. Dezember 1989 in Malta ins Gewissen und versuchte, die Deutschland-Skeptiker Margaret Thatcher (2.v.li.) und Francois Mitterrand zu überzeugen. (Bild: 1999)
Ein kluger Schachzug des in Sachen Außenpolitik und Diplomatie gewandten Bushs war es auch, darauf zu verzichten, persönlich in Siegerpose in Berlin aufzutreten. Bewusst vermied Washington damals alles, was Moskau hätte provozieren können - auch das war wichtig für den Gang der Dinge.
Außenpolitik war die heimliche Domäne Bushs. Als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen und in Peking, später als Chef des Geheimdienstes CIA, vor allem aber als langjähriger Vizepräsident hatte er die Welt kennengelernt. Das Bild zeigt Bush bei seiner Vereidigung als CIA-Chef 1976.
Eine weitere Bewährungsprobe für den ehemaligen Navy-Offizier war 1990 der irakische Überfall auf das kleine Nachbar-Emirat Kuwait. In zähen Verhandlungen gelang Bush, eine internationale Streitmacht unter Führung der USA mit weit über einer halben Million Mann zusammenzustellen. Innerhalb weniger Wochen im Januar und Februar 1991 gelang der Sieg.
"Kuwait ist befreit, Iraks Armee ist besiegt, wir haben das Vietnam-Syndrom ein für alle Mal verscheucht", jubelte Bush senior Ende Februar 1991. Erleichtert, fast wie von einem Fluch befreit fühlten sich die Amerikaner damals. Hier ist das erste Treffen zwischen dem Emir von Kuwait und Präsident George H. W. Bush zu sehen.
Längerfristiges politisches Glück brachte ihm der Sieg im Irak nicht. Im Herbst 1992 unterlag Bush im Präsidentenwahlkampf einem strahlenden, jungen Mann, der noch Monate zuvor eher unbekannt war: Bill Clinton (hier im Hintergrund bei einer Wahlkampfdebatte). Der außenpolitische Stratege Bush hatte es nicht geschafft, die lahmende Wirtschaft wieder flott zu kriegen.
Sein Sohn George W. Bush (r.) wurde im Jahre 2001 zum 43. US-Präsidenten vereidigt. Im Gegensatz zum Vater wurde er wiedergewählt und konnte zwei Amtszeiten lang die Geschicke der USA leiten - mitsamt einem weiteren Krieg im Irak.
2013 bei einer Einweihungsfeier in Dallas, Texas stützen George W. und Barbara Bush den ehemaligen Präsidenten. In den letzten Jahren war es ruhiger um ihn geworden, immer wieder musste er im Krankenhaus behandelt werden. Am Freitagabend Ortszeit starb George Herbert Walker Bush im Alter von 94 Jahren - ein Freund der Deutschen war er immer geblieben.