Im NSU-Prozess hat nach Beate Zschäpe nun auch der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben sein Schweigen gebrochen. Vor dem Münchner Oberlandesgericht verlas er eine Aussage - und bestreitet ein Terrorhelfer zu sein.

Die Bundesanwaltschaft wirft Wohlleben Beihilfe zum Mord vor. Er soll Waffen für den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) beschafft haben. Das hat Wohlleben in seiner Aussage nun bestritten.

Wohlleben will vom NSU und dessen zehn Morden bis zum Auffliegen der Terrorgruppe im November 2011 nichts gewusst haben. "Wie alle anderen" habe er erst zu diesem Zeitpunkt davon erfahren, sagte Wohlleben. Es sei für ihn unvorstellbar, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu diesen Taten in der Lage gewesen seien. Er könne es kaum glauben.

Wohlleben sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. "Ich bedaure jede Gewalttat", sagte er. Er fügte hinzu: "Den Angehörigen der Opfer gilt mein Mitgefühl."

Ralf Wohlleben: Staat hat versagt

Wohlleben erhebt zudem Vorwürfe gegen die Behörden. Es sei ihm unerfindlich, warum der Staat die drei untergetauchten mutmaßlichen NSU-Terroristen nicht aufgespürt habe. Schon mit Blick auf die ersten Jahre nach dem Untertauchen der drei 1998 sagte er, hätte man sie finden wollen, wäre das seiner Meinung nach mit Hilfe von Tino Brandt möglich gewesen. Brandt war damals gut bezahlter V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes.

Zu Beginn seiner Aussage sagte Wohlleben, er habe den Weg einer schriftlich vorformulierten Erklärung gewählt, weil er wegen der langen U-Haft (seit 2011) an erheblichen Konzentrations- und Wortfindungsstörungen leide.

Dann berichtete der 40-Jährige ausführlich von seinem persönlichen und politischen Werdegang.

Nach Mauerfall und Wiedervereinigung habe er versucht, mit den neuen Verhältnissen zurechtzukommen. "Da ich schon immer einen großen Nationalstolz verspürte, der integraler Bestandteil der DDR-Erziehung war, sah ich keinen Grund, den abzulegen", erklärte er.

In den Folgejahren habe er zunehmend rechte Veranstaltungen, Konzerte, Stammtische und Demonstrationen besucht.

Dann trat Wohlleben nach eigener Aussage in die NPD ein - wobei ihm Brandt einen Mitgliedsantrag unter die Nase gehalten habe. Brandt war nicht nur V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes, sondern auch ein Anführer in der rechtsextremen Szene in Thüringen.

Ralf Wohlleben über Beate Zschäpe

Zudem berichtete er ausführlich, wie sich die rechte Szene in den 90er Jahren in Jena formierte. Damals habe er Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt kennengelernt, sagte der 40-Jährige. Mit Zschäpe habe man gut und lange reden können. Sie sei schlagfertig, witzig und ihm sehr sympathisch gewesen.

Wohlleben sagte weiter, er habe von der Gewaltbereitschaft seiner damaligen Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nichts gewusst. Das Verhalten der beiden habe keinen Anlass gegeben, zu vermuten, dass sie mal schwere Straftaten begehen würden.

Er räumte aber ein, nach dem Untertauchen des NSU-Trios Kontakt zu den Dreien gehabt zu haben. Es sei zu mehreren Telefonaten gekommen. In einer Wohnung in Chemnitz habe er sie dann zum ersten Mal wiedergetroffen. Später sei es zu weiteren Treffen gekommen.

Ralf Wohlleben habe nichts gegen Ausländer gehabt

Über sich selbst sagte Wohlleben, dass er schon Mitte der 90er Jahre nichts gegen Ausländer gehabt habe - sondern gegen die Politik, die den Zuzug von Ausländern fördere.

In Frankfurt am Main habe er damals den Eindruck gehabt, dass es da Stadtviertel gebe, in denen keine Deutschen mehr leben. Das habe er nicht für Jena gewollt, argumentierte Wohlleben.

Die Hauptangeklagte Zschäpe hatte am Mittwoch vergangener Woche ihr jahrelanges Schweigen gebrochen und eine lange Aussage verlesen lassen.

Darin bestritt sie jede Beteiligung an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen des NSU und schob die Schuld allein ihren toten Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu. (cai/tfr/dpa)