Der Riss in den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea wird tiefer: Ein Vertreter des Regimes von Kim Jong Un erklärte, man stehe "an der Schwelle zu einem Atomkrieg". Das Land will sein Atomwaffenprogramm weiter vorantreiben.

Nordkorea hat die USA vor einem bevorstehenden Atomkrieg gewarnt. Das Land wolle sein Atomwaffenprogramm auf jeden Fall vorantreiben - weil man einen Präventivschlag "feindlicher Kräfte" befürchte, sagte Pak Myong-ho, ein hochrangiger Beamter der nordkoreanischen Botschaft in Peking, auf einer Pressekonferenz.

Die Situation sei dergestalt eskaliert, dass man sich "bereits an der Schwelle zu einem Atomkrieg" befinde, zitiert die "Washington Post" den nordkoreanischen Gesandten. Pak warnte, die militärischen Übungen könnten jederzeit in einen "echten Kampf" umschlagen.

Nordkorea behalte sich deshalb vor, zur "Selbstverteidigung" weiter Atomwaffentests durchzuführen. Nach Informationen von CNN glauben Geheimdienste und das US-Verteidigungsministerium, dass Nordkorea demnächst Tests mit Nuklearraketen plant.

Versuche "gescheitert", Nordkorea zur Abrüstung zu bewegen

Zuvor hatte US-Außenminister Rex Tillerson beschwichtigende Worte an Nordkorea gerichtet. Das Land müsse sich vor den USA "nicht fürchten", sagte er zum Auftakt seiner ersten Asien-Reise bei seinem Besuch in Japan.

Im gleichen Atemzug erklärte Tillerson, 20 Jahre US-Diplomatie und andere Bemühungen, Pjöngjang zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen, seien "gescheitert". "Angesichts der Bedrohung ist es klar, dass eine andere Herangehensweise erforderlich ist."

Wie die Regierung von US-Präsident Donald Trump mit der Bedrohung durch Nordkorea umgehen will, erklärte Tillerson nicht. Er betonte jedoch, die Kooperation mit den beiden Bündnispartnern Japan und Südkorea sei "entscheidend".

Die USA hatten nach den jüngsten verbotenen Tests von vier ballistischen Raketen durch Nordkorea erste Bauteile eines neuen Raketenabwehrsystems nach Südkorea gebracht.

Nach dem Mord am Bruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Malaysia herrscht große Anspannung zwischen den Staaten. Ob der Zwist zu einer schweren Krise führen könnte, ist unter Experten umstritten.

Vermittlungsversuche von China

Peking hatte kurz vor Tillersons Besuch vor einem drohenden "Frontalzusammenstoß" mit Nordkorea gewarnt und forderte die USA und Südkorea zum Kompromiss auf.

Zur Rückkehr zu Verhandlungen schlug es vor, dass Nordkorea seine Atom- und Raketenaktivitäten aussetzt und im Gegenzug die USA und Südkorea ihre groß angelegten Militärmanöver einstellen.

Weiterreise nach Südkorea

Nach seinem Besuch in Japan ist Tillerson mittlerweile in Südkorea eingetroffen. Schwerpunkt der Gespräche mit der südkoreanischen Regierung einschließlich seines Kollegen Yun Byung Se ist die wachsende Bedrohung durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm.

Nach seiner Landung auf dem US-Militärstützpunkt in Osan am Freitag wollte Tillerson zunächst einen Ausflug zur stark befestigten innerkoreanischen Grenze machen, sagte eine Sprecherin der US-Botschaft in Seoul.

Südkorea will die Gespräche mit Tillerson nach eigenen Angaben auch dafür nutzen, mit Japan und der neuen US-Regierung von Präsident Donald Trump eine gemeinsame Linie in der Nordkorea-Politik zu erarbeiten.

Tillerson reist am Samstag nach Peking weiter. Die dortige Führung ist strikt gegen die Stationierung der amerikanischen Abwehrraketen. (ank)

Mit Material der dpa