Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat zu einer neuen Intifada aufgerufen. Hamas-Führer Ismail Hanijeh bestätigte diesen Schritt am Donnerstag in Gaza als Reaktion auf die Entscheidung der USA unter Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

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Der Vorstoß der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, komme einer "Kriegserklärung gegen die Palästinenser" gleich, sagte Hamas-Chef Hanija. Am Freitag müsse die "Intifada zur Befreiung Jerusalems" beginnen.

Zudem forderte Hanijeh die palästinensische Autonomiebehörde auf, alle Friedensbemühungen mit Israel einzustellen.

Der Aufruf zu einer Intifada (Palästinenseraufstand) impliziert den Aufruf zu Gewalt gegen den Staat Israel.

Iran hatte Intifada angedroht

Dieser Schritt kommt nicht überraschend, hatte ihn doch bereits der Iran als Antwort auf die Jerusalem-Entscheidung angedroht: "Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen", hieß es gestern vom Außenministerium in Teheran.

Die Weltgemeinschaft hat zuvor mit größter Besorgnis auf den historischen Alleingang Donald Trumps zur Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels reagiert.

Diplomaten, Politiker und Wissenschaftler sehen in der Entscheidung Trumps eine große Gefahr für den Friedensprozess in Nahost.

Der US-Verbündete Saudi-Arabien rief die USA auf, die Entscheidung zurückzunehmen.

Nato-Partner reagieren mit Kritik an Trump

Die Nato-Partner Frankreich und Großbritannien als Vetomächte sowie weitere Mitglieder des UN-Sicherheitsrates beantragten eine Sondersitzung des Gremiums in New York. Sie soll bereits am Freitag stattfinden.

"Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es Zeit ist, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen", hatte Trump am Mittwoch in Washington gesagt.

Die Entscheidung des Weißen Hauses erfuhr auch die Rückendeckung des US-Außenministeriums. Applaus kam von jüdischen Verbänden in den USA sowie aus Israel. Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einem "historischen Tag für Jerusalem".

Jerusalem sei unter anderem Sitz von Regierung und Parlament Israels. "Heute erkennen wir das Offensichtliche an - dass Jerusalem Israels Hauptstadt ist", betonte der US-Präsident.

Trump: "Keine endgültige Grenzziehung"

Damit sei jedoch keine endgültige Grenzziehung anerkannt. "Das ist Sache der Parteien." Trump wies das Außenministerium an, mit dem Prozess zur Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen. "Dieser Prozess beginnt sofort", sagte Trump. (mwo/dpa)

Live: Donald Trump zu seiner Jerusalem-Entscheidung

Donald Trump äußert sich zu seiner umstrittenen Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. © Reuters