Beim "Marsch der Rückkehr" am Freitag haben israelische Sicherheitskräfte mindestens 15 Palästinenser erschossen. Experten fürchten nun, dass das den Nahostkonflikt wieder eskalieren lassen könnte.

Nach den blutigen Zusammenstößen im Gazastreifen sieht ein Nahost-Experte die Möglichkeit einer weiteren Eskalation in den Palästinensergebieten.

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"Das ist die Gefahr, dass dies nur der Anfang einer Welle von Unruhen ist", sagte der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, Marc Frings, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. "Uns steht bis Mitte Mai eine Phase der absoluten Unsicherheit bevor."

Schock über viele Tote

Die Frage sei, ob es etwa die radikal-islamische Hamas schaffe, weitere Unruhen anzuzetteln. Der Schock über die hohe Zahl der Toten könne auch die Menschen im Westjordanland auf die Straßen treiben.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza erschossen israelische Soldaten am Freitag beim "Marsch der Rückkehr" mindestens 15 Palästinenser. Mehr als 1400 wurden verletzt, die meisten durch Tränengas.

Frings sieht allerdings nicht die Gefahr einer neuen "Intifada", eines bewaffneten Palästinenseraufstandes. "Es herrscht doch viel mehr eine Lethargie in der Gesellschaft vor", sagte Frings. "Die Ablehnung der eigenen Führung macht es zudem schwer, ein gemeinsames Ziel vor Augen zu haben." Die Palästinensische Autonomiebehörde gilt etwa vielen Menschen als korrupt.

Proteste bis Mitte Mai

Nach palästinensischen Medienberichten waren mehr als 20.000 Menschen zum "Marsch der Rückkehr" gekommen. Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein "Recht auf Rückkehr" für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

Die Proteste sollen bis zum 15. Mai dauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnen.  © dpa