Fünf Männer vergehen sich an einer 18-Jährigen, die Richter beurteilen die Tat als nicht schwerwiegend: Dieser Umstand hat in Spanien heftige Kritik ausgelöst.

Mehr Nachrichten aus aller Welt gibt es hier

Das milde Urteil in einem Aufsehen erregenden Prozess um eine Gruppenvergewaltigung hat in Spanien eine Welle der Empörung ausgelöst. Nach landesweiten Protesten kritisierten am Freitag erstmals auch Mitglieder der Zentralregierung die Entscheidung des Gerichts.

Es sei an der Zeit zu überlegen, ob man die Definition von Vergewaltigung im Strafgesetzbuch nicht ändern müsse, sagte die Verteidigungsministerin und Generalsekretärin der Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy, Maria Dolores de Cospedal, im Interview des Radiosenders Cope.

Die fünf angeklagten Männer waren am Donnerstag im Landgericht von Navarra in Pamplona nur wegen wiederholten sexuellen Missbrauchs unter der Ausnutzung der schutzlosen Lage des Opfers (einer 18-Jährigen) zu jeweils neun Jahren Haft verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte die 27- und 28-jährigen Angeklagten des gewaltsamen sexuellen Übergriffs beschuldigt und Haftstrafen von jeweils knapp 23 Jahren gefordert.

Die Richter sahen den Tatbestand der Vergewaltigung nicht gegeben, weil es, wie es im Urteil heißt, "weder Schläge noch Drohungen" gegeben habe. Einer der drei Richter sprach sich sogar für Freispruch aus, wurde aber überstimmt.

Männer brüsten sich mit Tat

Im Juli 2016 hatten die fünf Männer die junge Frau, die sie kurz zuvor bei den Feiern am Rande der Stiertreiben von Pamplona kennengelernt hatten, nach Mitternacht in einen dunklen Hausflur gedrängt. Sie filmten anschließend, wie sie sich an der jungen Frau vergingen und teilten über Whatsapp die Aufnahmen auch mit anderen.

Die Gruppe, die sich "La Manada" (das Rudel) nannte, brüsteten sich mit der Tat. Die Männer beteuerten, die auf den Aufnahmen passive junge Frau habe entgegen ihrer Aussage freiwillig mitgemacht.

Nach Bekanntgabe des Urteils gingen am Donnerstagabend in vielen Städten des Landes Tausende auf die Straße, um ihren Ärger Luft zu machen. Frauen skandierten: "Wenn man uns nicht tötet, glaubt man uns nicht!"

Narcelonas linksgerichtete Bürgermeisterin Ada Colau war unter rund 6.000 Demonstranten der katalanischen Hauptstadt. "Das Urteil spiegelt den Machismo in unserer Gesellschaft wider", klagte sie. Die Anwälte beider Seiten kündigten Berufung an.  © dpa