Abteilung Attacke: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat versucht, sich mit Angriffen auf die deutschen Autobosse von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abzugrenzen. Außerdem glaubt er fest daran, Bundeskanzler zu werden.

Keine Attacken oder Konflikte: Kanzlerin bleibt beim Auftakt harmlos.


SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gibt sich sechs Wochen vor der Bundestagswahl trotz niedriger Umfragewerte siegessicher. "Ich rechne damit, dass ich eine gute Chance habe, die nächste Bundesregierung anzuführen", sagte der SPD-Vorsitzende am Sonntag im Sommerinterview der ZDF-Sendung "Berlin direkt", die am Abend ausgestrahlt werden soll.

"Ich werde Kanzler", ergänzte er. Ein Sieg würde ihn nicht überraschen. Es lägen bis zum Wahltag am 24. September noch sechs Wochen Wahlkampf vor ihm.

Schulz zeigte sich zugleich offen für eine neuerliche große Koalition, wenn die SPD mit ihm den Kanzler stelle: "Ich hab' nix gegen 'ne große Koalition unter meiner Führung. Wenn dann die CDU als Juniorpartner eintreten will, soll'n sie sich das überlegen."

Schulz kritisiert Autobosse

Außerdem griff Schulz die Autoindustrie scharf an. Das Problem sei, dass "millionenschwere Manager bei VW, bei Daimler, die Zukunft verpennt haben", sagte der SPD-Vorsitzende.

"Wegen des kurzfristigen Effekts in ihren Bilanzen haben sie nichts investiert in den Bereichen, wo wir hätten investieren müssen."

Nun gebe es in der Abgas-Affäre das Problem, dass die Dieselfahrer - hauptsächlich Pendler, kleine Handwerker, Lieferanten - "die Zeche zahlen sollen. Nee, da bin ich entschieden gegen", sagte Schulz.

Bei dem aus seiner Sicht gescheiterten Diesel-Gipfel der Regierung mit den Autokonzernen Anfang August ("Da ist ja nix bei rumgekommen") sei auf Druck der SPD wenigstens herausgekommen, dass "die verantwortungslosen Manager der Automobilindustrie" nun ihre Verantwortung übernehmen müssten.

Attacke gegen Alexander Dobrindt

Schulz stellte sich hinter den niedersächsischen SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil, der im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre eine Rede mit dem Volkswagen-Konzern abgestimmt hatte. Das Land Niedersachsen gehöre schließlich nicht Weil privat, es sei vielmehr Anteilseigner bei VW.

Weil sei auch deshalb so unpopulär bei VW, weil er als Aufsichtsratsmitglied schon vor zwei Jahren gesagt habe, was das VW-Management hier mache, sei gefährlich für die gesamte deutsche Wirtschaft. "Insofern finde ich, hat der Stephan Weil seine Aufgabe da sehr ernst genommen."

Süffisant attackierte Schulz Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), unter dessen Verantwortung der Diesel-Gipfel gescheitert sei. Dobrindt sei ja "ein ganz großer Mann". Er habe mit der Einführung der Maut in der vergangenen Wahlperiode die "größte Leistung erbracht, die es in Deutschland in den letzten Jahren gegeben hat, die Einführung der Maut. Herzlichen Glückwunsch."

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