• Auf der Flucht vor dem Krieg kommen immer mehr Menschen aus der Ukraine nach Deutschland.
  • Viele Kinder und Jugendliche sind dabei. Die Kultusminister müssen sie an den Schulen unterbringen, an diesem Donnerstag beraten sie darüber.
  • Auch das Deutsche Studentenwerk fordert mehr Unterstützung.

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Eine Riesenaufgabe kommt auf Deutschland - wie auch auf andere EU-Länder - unter anderem bei der Versorgung von Flüchtlingen aus der Ukraine zu. Seit Kriegsbeginn am 24. Februar sind nach UN-Angaben mehr als zwei Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, mehr als 80.000 Kriegsflüchtlinge wurden in Deutschland registriert.

"Es werden sicherlich viele Hunderttausend Kinder zu uns kommen", sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Schleswig-Holsteins Kultusministerin Karin Prien, am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Man sei aber gut darauf vorbereitet, so die CDU-Politikerin. "Wir werden sie in unsere etablierten Strukturen, die wir ja haben seit 2015, integrieren."

Die Flüchtlingskinder sollten rasch an deutschen Schulen unterrichtet werden und Kontakt zu anderen Kindern bekommen. "Wir werden natürlich auch gesonderte Klassen einrichten, dort wo mehrere Kinder und Jugendliche zu uns kommen." Die Ministerin kündigte ferner die Einrichtung einer sogenannten Taskforce an, die koordinieren soll. Zudem soll es Angebot zur psychosozialen Betreuung geben.

Geflüchtete Lehrer aus der Ukraine sollen unterstützen

Geprüft werde zudem, wie ukrainische Erzieher und Lehrer zum Einsatz kommen könnten, zunächst als Unterstützung. Auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger plädiert dafür, geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer aus der Ukraine an Schulen und Kitas in Deutschland arbeiten zu lassen.

Russlands Präsident Wladimir Putin zwinge Frauen und Kinder auf die Flucht, die nun verstärkt in Deutschland ankämen, sagte die FDP-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag). Für geflüchtete Kinder und Jugendliche würden ausreichend Kita- und Schulplätze benötigt. Es brauche eine schnelle Lösung.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, sagte Geflüchteten im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland unbürokratische Unterstützung bei der Arbeitssuche zu. Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe verzeichnet zudem eine sehr hohe Spendenbereitschaft der Deutschen - mehr als 76 Millionen Euro seien bisher verbucht worden.

An diesem Donnerstag kommen die Kultusminister der Länder in Lübeck zu einer zweitägigen Sitzung zusammen, um über die Lage zu beraten. Vor dem Beginn der Konferenz treffen sich die Kultusminister zum Gespräch mit der ukrainischen Generalkonsulin Iryna Tybinka.

Verbände und Länder fordern Hilfen für Schulen wegen ukrainischer Flüchtlinge

Angesichts der Herausforderung verlangen mehrere Bildungsgewerkschaften mehr Geld für Schulen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, forderte, dass mehr Lehrpersonal eingestellt wird. "Ich kann mir vorstellen, dass man hierfür auch verstärkt Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrkräfte gewinnen kann, weil es da eine enorme Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft gibt. Aber dafür muss der Staat auch zusätzliche Ressourcen bereitstellen", sagte er den Funke-Zeitungen. Schon jetzt gebe es einen massiven Lehrermangel.

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte, dass das Schulpersonal in der Regel nicht für Trauma-Arbeit ausgebildet sei. "Um den speziellen Bedürfnissen dieser Kinder in der jetzigen Situation bestmöglich begegnen zu können, braucht es multiprofessionelle Teams", sagte Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag).

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, erklärte: "Die Lehrkräfte und die pädagogischen Fachkräfte müssen für das Thema 'Krieg, Flucht und Traumata' sensibilisiert werden, dafür benötigen sie Fort- und Weiterbildungsangebote."

Studentenwerk: Möglicherweise Bafög für ukrainische Studierende

Aber nicht nur für Kitas und Schulen sei laut dem Deutschen Studentenwerk insgesamt ein großzügiges Unterstützungsprogramm nötig, auch für Hochschulen und berufliche Bildung. So müssten aus der Ukraine geflüchtete Studentinnen und Studenten gegebenenfalls unbürokratisch Bafög bekommen, sagte Matthias Anbuhl, Generalsekretär des Studentenwerks der Deutschen Presse-Agentur. Zudem müsse die psychologische Beratung ausgebaut werden.

Vielerorts würden bei Hochschulen, Studenten- und Studierendenwerken bereits Notfallfonds genutzt, Mieten gestundet, in der Mensa kostenloses Essen angeboten oder Sondersprechstunden für ukrainische Studierende eingerichtet. "Das ist gut und hilft. Wir brauchen jetzt aber einen raschen Ausbau der Hilfen“, so Anbuhl. (dpa/afp/ari)

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