• FDP-Politiker Wolfgang Kubicki fordert eine Öffnung der russisch-deutschen Gas-Pipeline Nord Stream 2.
  • Aus Kubickis eigener Partei kommt Widerspruch. Die Vorsitzende der Jungen Liberalen nennt den Vorstoß "völlig unbegreiflich". FDP-Chef Christian Lindner distanziert sich ebenfalls.
  • Auch die ukrainische Regierung reagiert: "Die Sucht nach russischem Gas tötet", schreibt der Außenminister.

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Zur Verbesserung der Gasversorgung hat sich FDP-Vize Wolfgang Kubicki für die Öffnung der Ostseepipeline Nord Stream 2 ausgesprochen. "Wir sollten Nord Stream 2 jetzt schleunigst öffnen, um unsere Gasspeicher für den Winter zu füllen", sagte Kubicki dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/kostenpflichtiger Inhalt). Es gebe "keinen vernünftigen Grund, Nord Stream 2 nicht zu öffnen".

Wenn Russlands Präsident Wladimir Putin dann doch nicht mehr Gas liefere, habe Deutschland nichts verloren. "Kommt auf diesem Weg mehr Gas bei uns an, vielleicht sogar die komplette vertraglich zugesicherte Menge, wird das helfen, dass Menschen im Winter nicht frieren müssen und unsere Industrie nicht schweren Schaden nimmt", betonte Kubicki.

Dafür zu sorgen, sei oberste Pflicht der Bundesregierung. Genau aus diesem Grund seien andere Pipelines aus Russland ja nicht gekappt worden. "Wenn die Gasspeicher gefüllt sind, können wir Nord Stream 2 ja wieder schließen - und die anderen Pipelines auch, wenn wir unabhängig geworden sind. Aber das sind wir nun mal noch nicht", sagte Kubicki.

Strack-Zimmermann: "Keine Unterstützung von russischen Kriegsverbrechern"

Auf den Hinweis im Interview, dass Putin dies als großen Erfolg ausschlachten würde, sagte der Bundestagsvizepräsident, alles, was dafür sorge, dass mehr Gas hier ankommt, nütze Deutschland mehr als Putin. "Der größte propagandistische Erfolg für Putin wäre es im Übrigen, wenn uns das Gas ausgeht, während er noch gut an uns verdient hat. Das gilt es zu verhindern."

Die Inbetriebnahme der fertigen Pipeline Nord Stream 2 wurde von der Bundesregierung auf Eis gelegt. Über Nord Stream 1 liefert Russland derzeit nur rund 20 Prozent der möglichen Menge. Der russische Gaskonzern Gazprom macht technische Gründe dafür verantwortlich, die Bundesregierung hält dies für vorgeschoben.

Widerspruch zu Kubickis Forderung kam auch aus dessen eigener Partei. Die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erinnerte - ohne Kubicki namentlich zu nennen - auf Twitter an das Wahlprogramm der Partei: "Spätestens seit dem 24.02.2022 ist klar: Nord Stream 2 ist tot. Es darf keine Unterstützung von russischen Kriegsverbrechern geben", schrieb sie.

Franziska Brandmann: "Völlig unbegreiflich"

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner schloss sich auf Twitter dem Fraktionsvorsitzenden der Liberalen im Bundestag, Christian Dürr, an: Dürr hatte auf Twitter geschrieben, eine Öffnung von Nord Stream 2 "wäre ein falsches Signal an unsere europäischen Partner".

Die FDP-Jugendorganisation Junge Liberale (Julis) reagiert mit besonders scharfer Ablehnung auf Kubickis Forderung. "Es ist mir völlig unbegreiflich, wie man auf so eine skurrile Forderung kommen kann", sagte die Bundesvorsitzende der Julis, Franziska Brandmann, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Der russische Präsident Wladimir Putin führe einen Energiekrieg gegen Deutschland, sagte Brandmann, die auch Mitglied im FDP-Bundesvorstand ist. "Wer in dieser Situation meint, gegenüber Russland getroffene Sanktionen aufheben zu wollen, der argumentiert zutiefst unlogisch. Es ist genau diese Art der Blauäugigkeit gegenüber Russland, die uns erst in diese prekäre Lage der massiven Energieabhängigkeit von Russland gebracht hat."

Ukraines Außenminister Kuleba: "Ähnelt einer Drogensucht"

Widerspruch erhielt Kubicki am Freitag auch von der ukrainischen Regierung: "Die Forderungen einiger deutscher Politiker, Nord Stream 2 für eine kurze Zeit zu starten und später zu schließen, sind völlig irrational", schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. "Das ähnelt einer Drogensucht, wenn jemand sagt: Nur noch ein letztes Mal!", kritisierte Kuleba. "Die Sucht nach russischem Gas tötet!" (dpa/fab)

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • Redaktionsnetzwerk Deutschland: Wolfgang Kubicki: "Wir sollten Nord Stream 2 jetzt schleunigst öffnen"
  • Twitter-Accounts von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Christian Dürr und Christian Lindner
Gasspeicher

Russland dreht am Gashahn - Kommt bald die Notfallstufe?

Die Erleichterung über die Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen nach der Wartung von Nord Stream 1 währte nur kurz. Ab Mittwoch will Gazprom den Hahn wieder halb zudrehen. Experten glauben, dass sich eine "Gasmangellage" noch vermeiden lässt. Es gibt aber auch Skepsis. (Bildquelle: Waltraud Grubitzsch/dpa)
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