Während der Coronakrise hat sich CSU-Chef Markus Söder als Macher positioniert. Bei der Frage, wen die Union als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021 nominiert, fällt der Name des bayerischen Ministerpräsidenten immer häufiger. Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat aber andere Ansprüche.

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Egal, wer am Ende das Rennen machen wird - der künftige CDU-Vorsitzende hat aus Sicht der scheidenden Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer Anspruch auf den Posten des Kanzlerkandidaten der Union.

"Wir werden zunächst den Vorsitz der CDU neu bestimmen. Der hat aus unserer Sicht den ersten Anspruch auf die Kanzlerkandidatur", sagte sie "Focus Online" auf eine Frage nach den Chancen von CSU-Chef Markus Söder.

Gemeinsame Entscheidung über gemeinsamen Kandidaten

Der bayerische Ministerpräsident hat in der Coronakrise ausgesprochen gute Umfragewerte und ist auch deshalb immer wieder als gemeinsamer Kanzlerkandidat von CDU/CSU im Gespräch.

Kramp-Karrenbauer fügte hinzu: "Am Ende muss es immer eine gemeinsame Entscheidung von CDU und CSU sein, wer der gemeinsame Spitzenkandidat ist."

Nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach vier Amtszeiten nicht mehr antreten will, ist die Frage der Unions-Kanzlerkandidatur offen. Die CDU will auf einem Parteitag Anfang Dezember zunächst die Nachfolge der scheidenden Parteichefin Kramp-Karrenbauer klären.

Als aussichtsreiche Bewerber gelten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen.

Anschließend soll mit der CSU über einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten beraten werden. Nachdem Söder eine Kanzlerkandidatur lange Zeit kategorisch ausgeschlossen hatte, äußerte er sich in dieser Frage zuletzt vorsichtiger.

AKK: Rückendeckung der Partei ist gesichert

Auf die Frage, ob Söder in der Coronakrise ihrer Partei nicht gerade die Schau stehle, sagte Kramp-Karrenbauer: "Dass der Freistaat immer besonders selbstbewusst unterwegs ist, ist nicht neu." Zudem sei Söder Ministerpräsident eines Bundeslandes, das besonders hart von Corona betroffen war.

Mit Blick auf Konkurrenz aus der SPD sagte sie: "In jedem Fall haben wir gegenüber der SPD den Vorteil, dass unser Kandidat oder unsere Kandidatin die volle Rückendeckung der gesamten Union hat." Da sei sie sich bei der SPD nicht so sicher. "Ich habe manchmal das Gefühl, die SPD fragt sich: "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?""

Merz und Röttgen bleiben gelassen

Merz hatte vergangene Woche der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Ich sehe Markus Söder nicht als einen Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur. " Er nehme Söders Äußerung ernst, "dass er in Bayern bleiben will".

Söders Aussage, dass im kommenden Januar über den Unionskanzlerkandidaten für die Wahl 2021 entschieden werde, habe er nicht als Vorpreschen empfunden. "Wir haben in der Union eine klare Reihenfolge festgelegt. Erst wählt die CDU ihren Vorsitzenden, danach entscheiden CDU und CSU, wer der gemeinsame Kanzlerkandidat wird."

Merz zeigte sich am Freitag bei "Bild live" optimistisch, die Wahl zum CDU-Vorsitz zu gewinnen: "Ich bin sehr zuversichtlich, aber es sind noch sechs Monate bis dahin – und da kann noch sehr viel passieren."

Röttgen sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag): "Ich habe eine klare Präferenz für einen Kanzlerkandidaten der CDU, aber CDU und CSU gehören zusammen". Über die K-Frage hätten sich CDU und CSU immer geeinigt und würden es wieder tun.

Zu einer möglichen Kandidatur Söders sagte Röttgen: "Zu den Eigenschaften und Fähigkeiten von Markus Söder zählt Flexibilität, und darum glaube ich, wird er sich bis Jahresende die Zeit nehmen, das für sich zu entscheiden." (hub/dpa)

CDU-Vorsitz: Wird Merz' Karriere mit dem Chefposten gekrönt?

Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz bewirbt sich wieder für den CDU-Vorsitz. 2018 war der Politiker noch an AKK gescheitert, jetzt versucht er es erneut. Merz kann in der CDU auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken.