Nach der Festnahme des ehemaligen katalonischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont am Sonntagmittag in Deutschland sind in Barcelona Zehntausende auf die Straße gegangen, um für dessen Freilassung zu demonstrieren. Dabei kam es zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten.

Aus Protest gegen die Festnahme des ehemaligen katalonischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont in Deutschland sind am Sonntagabend rund 55.000 Demonstranten in Barcelona auf die Straße gegangen.

"Wir fordern Deutschland auf, Präsident Puigdemont nicht für Verbrechen (an Spanien) auszuliefern, die aus einem politischen Grund erfunden wurden", erklärte die einflussreiche Separatistenorganisation ANC, die zu der Kundgebung aufgerufen hatte.

Bei den Protesten kam es zu teils heftigen Ausschreitungen. Wie "Spiegel Online" unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, schoss die Polizei mehrfach zur Warnung in die Luft. Auch sollen Polizisten Schlagstöcke eingesetzt haben.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden mehr als 50 Menschen verletzt. Es gab drei Festnahmen.

Auf Fotos und Videos war zu sehen, dass Demonstranten die Polizei mit Gegenständen bewarfen. Auch mindestens acht Beamte erlitten Verletzungen.

Transparente teils auf Deutsch beschriftet

Viele Demonstranten zeigten kleine Transparente mit der deutschen Aufschrift: "Befreit unseren Präsidenten. Seid nicht Mithelfer!" Andere trugen Unabhängigkeitsflaggen und Puigdemont-Masken als Zeichen der Unterstützung.

Der Protestmarsch führte von der Vertretung der Europäischen Kommission zum deutschen Konsulat in Barcelona.

Auch im Internet sorgte die Nachricht von der Festnahme Puigdemonts für Aufruhr. "Spanien sorgt nicht für einen fairen Prozess, sondern nur für Rache und Unterdrückung", twitterte Elsa Artadi, Sprecherin von JxCat (Gemeinsam für Katalonien), der Liste, der auch Puigdemont angehört. Sie schloss sich auch dem Protestmarsch in Barcelona an.

Eine ehemalige Abgeordnete der radikalsten separatistischen Partei CUP, Mireia Boya, schrieb: "Jetzt werden wir sehen, ob die Europäische Union die Verletzung der Grundrechte durch den spanischen Staat unterstützt."

"Flucht des Putschisten ist beendet"

"Die Flucht des Putschisten Puidgemont ist beendet", twitterte hingegen Albert Rivera, Vorsitzender der Anti-Unabhängigkeitspartei Ciudadanos. Der Versuch, eine europäische Demokratie zu zerstören, demokratische Gesetze zu brechen, das Zusammenleben zu stören oder öffentliche Gelder zu veruntreuen, könne nicht ungestraft bleiben.

Die liberale Ciudadanos war aus den Regionalparlamentswahlen im Dezember als stärkste Partei hervorgegangen, die drei separatistischen Parteien vereinigen aber zusammen mehr Stimmen auf sich.

Puigdemont war Sonntagmittag bei der Einreise aus Dänemark auf einer Autobahnraststätte an der A7 bei Schleswig gestoppt und auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls festgenommen worden.

Der katalanische Separatist befand sich auf dem Weg nach Belgien, wo er im Exil lebte.  © dpa

Seine Rückreise aus Skandinavien endet kurz hinter der deutschen Grenze. Autobahnpolizisten nehmen Kataloniens Ex-Regionalpräsidenten Carles Puigdemont nach einem Tipp bei Schleswig fest. Zumindest in der Haftanstalt Neumünster findet er sofort Unterstützung.