Die Stunden der separatistischen Regierung Kataloniens sind endgültig gezählt. Regionalpräsident Carles Puigdemont entschied sich gegen eine Annäherung. Madrid reagierte mit Zwangsmaßnahmen und beschloss inzwischen die Absetzung der katalanischen Regierung. Wie es dazu kam – eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse.

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Verhaftungen, Ultimaten, Demonstrationen - der Katalonien-Konflikt hat sich in den letzten Wochen extrem zugespitzt. Sollte der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont die Unabhängigkeit erklären, könnte er dafür ins Gefängnis gehen.

Mithilfe der Verfassung will Madrid nun die aufsässigen Katalanen bändigen. Artikel 155 soll die Separatisten in die Knie zwingen.

Bis hierhin war der Streit um das katalonische Referendum ein Possenspiel - vor allem seines Regierungschefs, Carles Puigdemont: Ein Unabhängigkeitsdokument wurde unterzeichnet, um die Inhalte im Anschluss zu relativieren. Termine in Madrid vereinbart, um sie platzen zu lassen. Ultimaten wurden nicht eingehalten. Nun stimmte das katalanische Parlament für eine Unabhängigkeitsresolution - und Madrid reagierte mit der Absetzung der Regierung in Barcelona.

Eine Chronologie der Ereignisse, die dem Referendum folgten

27. Oktober: Madrid beschließt Absetzung der katalanischen Regierung

Die spanische Regierung hat die Absetzung der katalanischen Regionalregierung in Barcelona beschlossen.

Das gab der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy nach einem außerordentlichen Treffen des Ministerrats in Madrid bekannt. Die Absetzung und weitere beschlossene Maßnahmen werden erst mit der Veröffentlichung im spanischen Amtsblatt wirksam.

Zu den beschlossenen Maßnahmen gehört auch die Vorbereitung von Neuwahlen.

"Das Parlament habe ich aufgelöst", sagte Rajoy. Die Neuwahlen sollen bereits am 21. Dezember stattfinden.

"Ich habe beschlossen, so schnell wie möglich freie, saubere und rechtmäßige Wahlen auszurufen, um die Demokratie wiederherzustellen. Wir wollten nie, dass es soweit kommt", so Rajoy.

27. Oktober: Senat stimmt für Zwangsmaßnahmen gegen Katalonien

Der spanische Senat stimmt für eine Entmachtung der katalanischen Regionalregierung und andere Zwangsmaßnahmen.

Ministerpräsident Mariano Rajoy kann damit mit harter Hand gegen die nach Unabhängigkeit strebende katalanische Führung vorgehen.

Als eine der ersten Maßnahmen soll Medienberichten zufolge die Absetzung des katalanischen Regierungschef Carles Puigdemont und seines Vizes Oriol Junqueras eingeleitet werden.

27. Oktober: Katalanisches Parlament stimmt für Unabhängigkeitsresolution

Das Parlament der spanischen Region Katalonien stimmt mehrheitlich für einen Prozess zur Gründung eines unabhängigen Staates.

Die Abgeordneten verabschieden in Barcelona eine Resolution über die Konstituierung "einer katalanischen Republik als unabhängigen und souveränen Staat" - ohne eine Frist für die Ausrufung festzulegen.

26. Oktober: Puigdemont lehnt Neuwahlen ab

Kataloniens Präsident Carles Puigdemont lehnt die Ausrufung von Neuwahlen ab und hält an den Abspaltungsplänen fest. Puigdemont hatte davor ganz Spanien in Atem gehalten. Die Rede war ursprünglich für 13:30 Uhr geplant, erst verschoben und dann zunächst ganz abgesagt worden. In allen großen Medien Spaniens waren die Neuwahlen als gesetzt bezeichnet worden. Auch ein Termin war genannt worden: der 20. Dezember.

25. Oktober: Puigdemont lässt Treffen in Madrid platzen

Puigdemont lässt ein geplantes Treffen in der spanischen Hauptstadt Madrid platzen. Er sollte sich im Senat zu den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens und zu den von Madrid geplanten Maßnahmen gegen die katalanische Regionalregierung äußern.

24. Oktober: Beratungen des spanischen Senats

27 Senatoren in der Kommission beraten über die vom spanischen Ministerpräsident Mariano Rajoy angekündigten Zwangsmaßnahmen. Sie erarbeiten einen Text, über den der Senat abstimmen soll. Auch Puigdemont wurde eingeladen, um Stellung zu nehmen

23. Oktober: Puigdemont will nach Madrid reisen

Medien berichten, dass Puigdemont im Senat Stellung nehmen will. Das Problem: Er wolle am 25.Oktober (Mittwoch) in die spanische Hauptstadt reisen. Der Senat habe ihm als Termine aber nur den Donnerstag (vor der zuständigen Kommission) oder aber den Freitag (vor dem Plenum) angeboten.

21. Oktober: 450.000 Menschen protestieren gegen Madrid

Rund 450.000 Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung gehen in Barcelona auf die Straße, um gegen Madrid zu protestieren. Sie fordern die Freilassung von zwei führenden Aktivisten der separatistischen Bewegung, Jordi Sànchez und Jordi Cuixart. Die Demonstranten protestieren auch gegen die angekündigten Zwangsmaßnahmen.

21. Oktober: Madrid gibt Zwangsmaßnahmen bekannt

Rajoy gibt Zwangsmaßnahmen zur Beendigung der Loslösungsbestrebungen Kataloniens bekannt.

Er will unter anderem die gesamte Regionalregierung absetzen und innerhalb von sechs Monaten Neuwahlen zum Regionalparlament ausrufen.

20. Oktober: Katalanen heben symbolisch Geld

Die Unabhängigkeitsbewegung reagiert mit neuen Protestaktionen. Zahllose Menschen folgen einem Aufruf, Geld von den Banken abzuheben. Oft ist das der symbolische Betrag von 155 Euro, in Anspielung auf den Verfassungsartikel 155.

19. Oktober: Madrid kündigt Zwangsmaßnahmen gegen Katalonien an

Puigdemont befolgt die ultimative Forderung Madrids zur Beendigung aller Abspaltungsbestrebungen nicht. In einem von katalanischen Medien veröffentlichten Brief an den spanischen Ministerpräsidenten erneuert er stattdessen sein Dialogangebot, droht aber im Falle härterer Maßnahmen mit der Unabhängigkeit.

Man werde die im Verfassungsartikel 155 vorgesehenen Schritte einleiten, um in Katalonien die Rechtmäßigkeit wiederherzustellen. Über konkrete Maßnahmen soll beraten werden.

18. Oktober: Demonstration in Barcelona

In Barcelona demonstrieren nach Angaben der Stadtpolizei etwa 2.000 Menschen gegen eine Unabhängigkeit von Katalonien und für die Einheit des spanischen Staates.

17. Oktober: Tausende demonstrieren in Barcelona

Rund 200.000 Demonstranten fordern die Freilassung von zwei führenden Aktivisten der Unabhängigkeitsbewegung, Jordi Sànchez und Jordi Cuixart. Auch beim Champions-League-Spiel des FC Barcelona gegen Olympiakos Piräus fordern Zuschauer die Freilassung der Aktivisten.

17. Oktober: Katalanisches Gesetz zu Abspaltungs-Referendum gekippt

Das spanische Verfassungsgericht setzt das Gesetz zum Unabhängigkeitsreferendum der Region Katalonien endgültig außer Kraft. Bei der Verabschiedung des Gesetzes habe sich das Regionalparlament in Barcelona in illegaler Form Kompetenzen und Zuständigkeiten des spanischen Staates angeeignet, heißt es in dem Urteil. Zudem verletze das Gesetz Verfassungsprinzipien, die nationale Souveränität und die "unauflösliche Einheit des spanischen Nation“.

17. Oktober: Spanien erlässt Haftbefehl gegen katalanische Aktivisten

Die spanische Staatsanwaltschaft erlässt gegen zwei Anführer und Organisatoren der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung Haftbefehl. Es handelt sich um Jordi Sànchez und Jordi Cuixart.

16. Oktober: Puigdemonts antwortet ausweichend

Die spanische Regierung zeigt sich enttäuscht über die Erklärung Puigdemonts. Dieser hat in einem Brief an Rajoy ausweichend auf die mit einem Ultimatum verbundene Frage geantwortet, ob er nun in der vergangenen Woche die Unabhängigkeit von Katalonien erklärt hat oder nicht.

12. Oktober: Rajoy stell zwei Ultimaten

Rajoy stellt der Regionalregierung zwei Ultimaten. Bis 16. Oktober soll Puigdemont Frage beantworten, ob er bei seiner Rede vom 10. Oktober die Unabhängigkeit der Region erklärt habe. Bis spätestens 19. Oktober müsse er die verfassungsmäßige Ordnung Spaniens respektieren, also das Unabhängigkeitsverfahren faktisch abbrechen.

11. Oktober: Rajoy verlangt Klarheit über Unabhängigkeitserklärung

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy fordert die separatistische Regionalregierung auf, die verfassungsmäßige Ordnung zu respektieren. Sie müsse zudem klarstellen, ob sie eine Unabhängigkeit erklärt habe oder nicht.

10. Oktober: Separatisten unterzeichnen Unabhängigkeitsdokument

Die Abgeordneten der separatistischen Regierung der spanischen Region Katalonien unterzeichnen ein Unabhängigkeitsdokument. Auch der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont unterschreibt. Darin heißt es: "Wir gründen die katalanische Republik, als unabhängigen und souveränen Staat.“

Puigdemont hat das Recht der Region auf Ausrufung der Unabhängigkeit beansprucht. Auf eine sofort wirksame Abspaltung von Spanien verzichtete er aber. Die Zentralregierung in Madrid ruft er zum Dialog auf. Ein Sprecher der katalanischen Regierung sagt, es habe sich um eine "symbolische Unabhängigkeitserklärung“, um eine "Absichtserklärung"gehandelt.

8. Oktober: Gegendemonstration in Barcelona

Hunderttausende Menschen demonstrieren in Katalonien gegen die Unabhängigkeit. Auf ihrem Marsch durch das Zentrum der Regionalhauptstadt Barcelona skandieren die Demonstranten unter anderem "Ich bin Spanier"und "Viva España“.

Zur Kundgebung hatte die katalanische Zivilgesellschaft aufgerufen. Vizepräsident Alex Ramos gibt die Zahl der Teilnehmer mit 930.000 bis 950.000 an. Die Stadtpolizei spricht von rund 350.000. Die Menschen forderten lautstark die Festnahme von Puigdemont.

7. Oktober: Demos für den Dialog

Zehntausende Spanier demonstrieren in den großen Städten für einen Dialog in der Katalonien-Frage. Die meisten waren ganz in Weiß gekleidet und trugen weiße Schriftbänder und Luftballons.

In Madrid protestieren zudem tausende Menschen gegen die Trennungspläne der wirtschaftsstarken Region.

5. Oktober: Spanisches Verfassungsgericht verbietet Plenarsitzung in Katalonien

Das spanische Verfassungsgericht verbietet vorläufig eine für den 9. Oktober geplante Plenarsitzung des katalanischen Regionalparlaments. Die Parteien der katalanischen Koalitionsregierung wollen bei der Sitzung möglicherweise die Unabhängigkeit der Region ausrufen.

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3. Oktober: König schaltet sich ein

Mit scharfer Kritik an der Regionalregierung in Katalonien schaltet sich der spanische König Felipe VI. erstmals in den Konflikt ein. Mit ihrem Vorhaben, die Abspaltung von Spanien auszurufen, setze die Regierung in Barcelona "die wirtschaftliche und soziale Stabilität" Kataloniens und ganz Spaniens aufs Spiel, sagte der Monarch in einer TV-Ansprache an die Nation.

3. Oktober: Generalstreiks in Katalonien

Erneut gehen hunderttausende Separatisten in Katalonien auf die Straßen. Im Rahmen eines von Gewerkschaften und anderen Organisationen ausgerufenen Generalstreiks protestierten sie gegen den harten Einsatz der von Madrid entsandten Polizeieinheiten während des Referendums.

2. Oktober: Puigdemont sieht Referendum für "verbindlich“

Puigdemont bekräftigt die Gültigkeit des Separatisten-Sieges. Das Ergebnis der Abstimmung sei verbindlich. Nun müsse das Regionalparlament in Barcelona über die Ausrufung der Unabhängigkeit entscheiden.

1. Oktober: Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens

Puigdemont lässt ungeachtet eines Verbots durch das Verfassungsgericht und gegen den Willen Madrids ein "verbindliches Referendum" über die Unabhängigkeit abhalten.

Gleich bei der Öffnung der Wahllokale greifen die von Madrid entsandten Polizisten hart durch, um die Wahl zu blockieren. Nach amtlichen Angaben werden zirka 900 Bürger verletzt, darunter einige schwer.

Der Sprecher der katalanischen Regionalregierung spricht von "Unterdrückung durch den spanischen Staat“ und einer "Schande Europas“.
Trotz des Polizeieinsatzes wurde vielerorts in Katalonien abgestimmt. Die Regionalregierung teilte mit, 96 Prozent der 3.215 Wahllokale hätten am Sonntag normal funktioniert.

Rund 90 Prozent der Teilnehmer stimmen für eine Abspaltung von Spanien. Die Wahlbeteiligung liegt allerdings nur bei gut 40 Prozent.

(fab mit Agenturmaterial der dpa)