Nach mehreren Messerattacken mit teils tödlichen Folgen prüfen die Justizministerien der Länder, ob strafrechtlicher Handlungsbedarf besteht. "Wir wollen prüfen, ob es sich um singuläre Ereignisse handelt oder um ein Phänomen", sagte Berlins neue Justizsenatorin Felor Badenberg (parteilos) am Freitag nach der Justizministerkonferenz der Länder. "Wir haben beschlossen, die kriminologische Zentralstelle damit zu beauftragen, ein Lagebild über die bundesweite Entwicklung der Messerangriffe vorzulegen", betonte Badenberg. Zudem werde die Forschungseinrichtung von Bund und Ländern gebeten, den Umgang des Themas bei der Strafverfolgung darzustellen.

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Schleswig-Holstein hatte gemeinsam mit Hamburg Vorschläge zur einer besseren Datengrundlage und einem verbesserten Informationsaustausch der Behörden bei der Frühjahrskonferenz gemacht. Hintergrund war die tödliche Messerattacke von Brokstedt in einem Regionalzug. Zuletzt hatte eine Messerattacke auf einem Schulhof in Berlin-Neukölln, bei dem zwei Schülerinnen lebensgefährlich verletzt wurden, für Aufsehen gesorgt. "Die Bilder sind unerträglich und verstörend", sagte Berlins Justizsenatorin Badenberg.

Der Fall Brokstedt habe unter anderem Defizite und Unsicherheiten in der Kommunikation zwischen Behörden offenbart, erklärte Hamburg Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) in Berlin. So sei es für die Staatsanwaltschaft nicht einfach, den ausländerrechtlichen Status von Beschuldigten zu ermitteln. Erforderlich sei darum eine zentrale Eingangsstelle für derartige Informationen. "Da müssen wir pragmatischer und weniger bürokratisch werden", mahnte Gallina.

Der Palästinenser Ibrahim A. soll am 25. Januar in einem Zug von Kiel nach Hamburg bei Brokstedt Fahrgäste mit einem Messer angegriffen und zwei Menschen im Alter von 17 und 19 Jahren getötet haben. Fünf weitere wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe erhob Ende April Anklage wegen Mordes und versuchten Mordes.


  © dpa

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