• Große Sorge um eine der bekanntesten Oppositionellen in Belarus.
  • Die inhaftierte Regierungskritikerin Maria Kolesnikowa liegt nach Angaben von Unterstützern auf der Intensivstation.

Mehr aktuelle News

Die zu einer langen Haftstrafe verurteilte belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa ist nach Angaben eines anderen inhaftierten Politikers auf der Intensivstation ihres Gefängnisses. "Mascha ist auf der Intensiv, Ursache unbekannt", hieß es auf dem offiziellen Twitter-Account von Viktor Babariko am Dienstag.

Sie sei am Vortag operiert worden, hieß es dort weiter. "Sie ist gegenwärtig in einem stabilen, ernsten Zustand, bei Besserung." Offizielle Erklärungen zu dem Ereignis gibt es nicht.

Wie der Pressedienst des Oppositionellen Babariko, für den Kolesnikowa gearbeitet hatte, laut der Nachrichtenagentur Afp weiter mitteilte, sei die 40-Jährige in einem Krankenhaus in der Stadt Gomel im Südosten des Landes behandelt worden. Demnach war Kolesnikowa am Montag zunächst in die Chirurgie gebracht worden, bevor sie auf die Intensivstation verlegt wurde.

Sorge um belarussische Oppositions-Galionsfigur

Kolesnikowa gilt zusammen mit Maria Tichanowskaja als Galionsfigur der belarussischen Opposition gegen Langzeit-Machthaber Alexander Lukaschenko. Tichanowskaja schrieb am Dienstag im Online-Dienst Telegram von "schlimmen Neuigkeiten". "Unserer liebe Mascha, wir hoffen alle, dass es Dir bald besser geht", schrieb sie unter Verwendung der Koseform für den Namen Maria.

Kolesnikowa und Tichanowskaja führten 2020 die landesweiten Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl an, bei der sich Lukaschenko zum Sieger erklärt hatte. Er ließ Polizei und Justiz hart gegen die Demonstranten vorgehen. Tichanowskaja ging später nach Litauen ins Exil.

Kolesnikowa sollte zur Ausreise gezwungen werden

Kolesnikowa entschied sich hingegen als eine der wenigen führenden belarussischen Oppositionellen gegen eine Flucht ins Exil. Der belarussische Geheimdienst versuchte nach Angaben von Vertrauten im September 2020 erfolglos, sie zur Ausreise zu zwingen: KGB-Agenten stülpten ihr demnach einen Sack über den Kopf und stießen sie in einen Kleinbus, der sie zur ukrainischen Grenze brachte.

Um ihre erzwungene Ausreise zu verhindern, zerriss Kolesnikowa ihren Reisepass und sprang aus dem Fahrzeug. Anschließend wurde sie verhaftet und wegen Verschwörung zum Umsturz zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

Babariko, der 2020 als aussichtsreicher Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen galt, wurde noch vor der Abstimmung mit diversen Anklagen überzogen und schließlich wegen Bestechung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Prozesse gelten als politische Inszenierung.

Für ihr politisches Engagement wurde Kolesnikowa mehrfach ausgezeichnet. So erhielt sie wenige Wochen nach ihrer Verurteilung Ende September 2021 den Vaclav-Havel-Preis des Europarats. Zusammen mit Tichanowskaja und der Aktivistin Veronika Zepkalo wurde ihr im Jahr darauf in Abwesenheit in Aachen der Europäische Karlspreis verliehen. (dpa/afp/thp)