Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ist am späten Nachmittag auf der islamkritischen Pegida-Kundgebung in Dresden zu Gast. Die Veranstalter erwarten bis zu 30.000 Demonstranten. Offenbar wollen viele den rechten Politiker hören. In den Niederlanden sinkt sein Stern hingegen langsam, aber unaufhörlich.

Mehr als zehn Jahre beherrschte der Rechtspopulist Geert Wilders die politische Bühne in den Niederlanden. Doch nun sinkt nach vier Wahlniederlagen in Folge sein Stern. Ebenso lange lebt er gezwungenermaßen in der Isolation. Wegen islamistischer Drohungen bewachen Bodyguards den 51-Jährigen rund um die Uhr.

Die Arena des hoch aufgeschossenen Politikers ist das Parlament in Den Haag. Dort und über seinen liebsten Kommunikationskanal, Twitter, verbreitet er seine Botschaften vor allem gegen den Islam und Europa. Sein Markenzeichen sind zündende Einzeiler in einfacher Sprache - und seine wasserstoffblond gefärbte Haartolle.

Seinen Hass auf den Islam begründet er mit eigenen Erfahrungen auf Reisen in arabische Länder und seiner großen Sympathie für Israel, wo er zwei Jahre lebte. Er verglich den Koran mit Hitlers "Mein Kampf" und in seinem Propaganda-Video "Fitna" ("Prüfung") stellte er den Islam als Quelle des Terrorismus dar.

2011 wurde der Mann aus der Karnevalshochburg Venlo aber vom Vorwurf der Diskriminierung und Aufhetzung freigesprochen. Nun bereitet die Staatsanwaltschaft nach tausenden Strafanzeigen erneut einen Prozess gegen ihn vor.

1998 war der einstige Versicherungskaufmann für die rechtsliberale VVD ins Parlament eingezogen. Nach dem Bruch gründete er seine eigene Partei für die Freiheit (PVV), deren einziges Mitglied er ist. 2010 hatte diese ihren bisher größten Erfolg und wurde drittstärkste Kraft mit 24 Mandaten. Bis 2012 hielt sie sogar die Mitte-Rechts-Minderheitsregierung im Sattel.

Seitdem wird Wilders, der mit einer Ungarin verheiratet ist, von den Medien und etablierten Parteien weitgehend isoliert. Auch zahlreiche Parteifreunde kehrten ihm den Rücken zu, auch wegen seines autoritären Führungsstils.

Mit seinem Besuch in Dresden und seiner Rede auf der Pegida-Demonstration will er sich nun offenbar wieder ins Gespräch bringen - auch in Deutschland. Dabei wird er ebenso wie die Pegida-Demonstranten aber genauestens beobachtet. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) drohte bereits mit Konsequenzen, sollte es zu fremdenfeindlichen oder rassistischen Äußerungen kommen. (dpa/cai)