Die Hamburger Polizei hat am Sonntag den Aufbau eines genehmigten Protestcamps verhindert - aus Sicht der Demonstranten ein Skandal. Die Situation eskalierte.

Der Streit über das Camp von G20-Gegnern auf der Elbhalbinsel Entenwerder hat zu ersten Tumulten zwischen Polizei und Aktivisten geführt.

Die Hamburger Polizei setzte nach Angaben eines Sprechers am späten Sonntagabend in zwei Fällen Pfefferspray gegen Demonstranten nach "Widerstandshandlungen" ein.

Ein Mensch sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Aktivisten sagten, unter ihnen habe es bereits Verletzte gegeben.

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Auf der Grünfläche in Entenwerder hatten G20-Gegner mehrere Zelte errichtet, nachdem es eine Entscheidung des Hamburger Verwaltungsgerichts für ein Protestcamp auf der Elbhalbinsel gegeben hatte.

Die Polizei aber verbot das Übernachten in dem Camp. In einer neuen Verfügung sei den Protestlern ein 16.000 Quadratmeter großes Areal auf Entenwerder zugewiesen worden, auf dem demonstriert, aber nicht übernachtet werden dürfe, sagte Polizeisprecher Timo Zill.

Die Entscheidung über die neue Verfügung liegt wieder beim Verwaltungsgericht.

Die Organisatoren des Camps reagierten empört auf das Vorgehen der Polizei und kritisierten es als rechtspolitischen Skandal.

"Die Hamburger Polizei verhindert eine angemeldete, rechtlich bestätigte Versammlung und bewegt sich mit ihrem Handeln klar im rechtsfreien Raum", hieß es in einer Mitteilung der Vorbereitungsgruppe des "Antikapitalistischen Camps".

Am Abend einigten sich Polizei und Camp-Organisatoren zunächst auf eine Versammlung auf dem Gelände, Übernachtungen seien aber weiter nicht vorgesehen, sagte Zill.

Später spitzte sich die Situation allerdings zu. Es waren nach Polizeiangaben etwa 600 Menschen auf dem Gelände, einige bauten Zelte auf.

Die Polizei rückte an und entfernte elf Zelte. Hunderte Beamte umstellten das Camp danach, zogen sich später aber zurück. Dabei wurden sie mit von Farbe gefüllten Luftballons beworfen.

Zuvor hatten tausende Menschen bei einer "Protestwelle" in der Hamburger Innenstadt friedlich gegen den Gipfel demonstriert.

Trotz Nieselregens zogen sie durch die Straßen. Begleitet auf ihrem Marsch wurden die Demonstranten auf dem Wasser von mehr als 120 Kanus, Kajaks, Ruderbooten und selbstgezimmerten Flößen.

Wie viele Menschen genau protestierten - da gehen die Angaben weit auseinander. Die Polizei spricht von rund 8.000 Teilnehmern, die Organisatoren von 18.000.

Das Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer beginnt am Freitag und dauert bis Samstag. Bis dahin herrscht in Hamburg Ausnahmezustand: Weil die Sicherheitsvorkehrungen hoch sind und jede Menge Proteste erwartet werden, müssen die Bewohner zahlreiche Einschränkungen hinnehmen. (dpa/mcf)