Oslo/Berlin (dpa) - Friedensnobelpreis für den Kampf um Gleichberechtigung: Drei Frauen aus Afrika und der arabischen Welt werden in diesem Jahr für ihren Einsatz gegen Krieg, Gewaltherrschaft und Unterdrückung des eigenen Geschlechts ausgezeichnet.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (72) und die Menschenrechtlerin Leymah Gbowee (39) aus Liberia bekamen den Preis am Freitag zusammen mit der Journalistin Tawakkul Karman (32) aus dem Jemen zuerkannt.

Das norwegische Komitee erklärte zur Begründung: "Wir können Demokratie und dauerhaften Frieden auf der Welt nicht erreichen, wenn Frauen nicht dieselben Möglichkeiten wie Männer zur Beeinflussung von Entwicklungen auf allen Ebenen der Gesellschaft bekommen." Erstmals in der Geschichte des Friedensnobelpreises seit 1901 ging der Preis an drei Frauen. Insgesamt wurden bislang erst 15 Frauen ausgezeichnet.

Die 72-jährige Johnson-Sirleaf und die 39 Jahre alte Gbowee werden als treibende Kräfte bei der Beendigung des Bürgerkriegs nach 13 Jahren und dem demokratischen Wiederaufbau ihres Landes geehrt. Die 32-jährige Karman, Mutter von drei Kindern, ist Vorsitzende der Vereinigung "Journalistinnen ohne Ketten" im Jemen und war schon früh eine der treibenden Kräfte bei den friedlichen Protesten gegen die Diktatur in dem extrem armen arabischen Land.

Die Bundesregierung begrüßte die Osloer Entscheidung durch ihren Menschenrechts-Beauftragten Markus Löning (FDP) als "tolles Signal, weil es diejenigen stärkt, die sich in Afrika und den arabischen Ländern für die Menschenrechte einsetzen". Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, damit schicke das Nobelpreiskomitee eine Botschaft in die ganze Welt. Frauen seien eine große Hoffnung für eine friedlichere und bessere Entwicklung.

Aus Brüssel erklärten EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: "Das ist ein Sieg für ein neues demokratisches Afrika und für eine neue demokratische arabische Welt, die in Frieden und im Respekt für die Menschenrechte leben."

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte im Sender NRK: "Ich glaube, dieser Preis hat eine positive Bedeutung für alle Frauen der Welt." Johnson-Sirleaf erklärte im selben norwegischen Sender: "Ich habe nie geglaubt, dass ich diesen Preis bekommen würde. Es gibt so viele Menschen, die ihn verdient haben." Der Preis sei auch "wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia".

Die mitausgezeichnete Karman sagte im Nachrichtensender Al-Arabija: "Diese Ehrung wird den Kampf für Gerechtigkeit und Reformen vorantreiben." Der Osloer Komiteechef Thorbjörn Jagland meinte zu Karmans Rolle bei den Protesten in ihrem Land: "Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der 'Arabische Frühling' noch in weiter Ferne lag."

Zu den Preisträgerinnen aus Liberia verwies Jagland auf die besondere Unterdrückung von Frauen und Kindern in Kriegen wie dem in Liberia, unter anderem durch systematische Vergewaltigungen. Präsidentin Johnson-Sirleaf habe es "unter sehr, sehr schweren Bedingungen geschafft, die demokratische Entwicklung in Liberia am Leben zu erhalten". Gbowee gilt als eine der maßgeblich Beteiligten an der Beendigung des Bürgerkrieges 2003.

Im vergangenen Jahr wurden der inhaftierte chinesische Oppositionelle Liu Xiaobo und 2009 US-Präsident Barack Obama ausgezeichnet. Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen schwedische Kronen) dotiert. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Verliehen werden die Friedensnobelpreise traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).