Frankreichs Präsident François Hollande hat die tödliche Geiselnahme in einer Kirche als "schändlichen Terroranschlag" verurteilt. Zuvor waren beide Geiselnehmer getötet worden. Sie beriefen sich laut Hollande bei dem Angriff auf die Terrormiliz IS. Laut mehreren Medien hat sich der IS über das IS-Nahe Medium "Amak" bereits zu dem Anschlag bekannt.

Die Geiselnahme in Frankreich ist blutig zu Ende gegangen: Die Täter, die Geiseln in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen in der Normandie genommen hatten, wurden von der Polizei erschossen.

"Zu einem Zeitpunkt sind die beiden Angreifer aus der Kirche herausgekommen und wurden von der Polizei neutralisiert", teilte der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, mit. Premierminister Manuel Valls sprach auf Twitter von einer "barbarischen Attacke".

IS bekennt sich zu Anschlag auf Kirche bei Rouen

Frankreichs Präsident François Hollande nannte den Angriff laut Élysée-Palast einen "schändlichen Terroranschlag". Die Geiselnehmer haben sich nach Angaben von Hollande auf die Terrormiliz Islamischer Staat berufen. Das sagte er am Tatort in der Nähe von Rouen, ohne zunächst Details zu nennen.

Mittlerweile hat sich der IS über das IS-Nahe Medium "Amak" zu dem Anschlag bekannt. Nach Angaben aus französischen Ermittlerkreisen war einer der Angreifer womöglich den Anti-Terror-Behörden bekannt.

Offenbar wurde der Mann in einer Gefährderkartei geführt. Er soll 2015 versucht haben, nach Syrien zu reisen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er in U-Haft genommen und später mit einer elektrischen Fußfessel freigelassen.

Mittlerweile wurde ein Mann in Polizeigewahrsam genommen worden. Das erfuhr die französische Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus Ermittlerkreisen. Nähere Informationen zu dem Mann seien nicht bekannt.

Eine Geisel getötet, eine weitere in Lebensgefahr

Die Geiselnehmer hatten fünf Menschen in ihrer Gewalt: einen Pfarrer, zwei Ordensschwestern und zwei Gläubige. Der Priester wurde getötet, bestätigte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, in Krakau. Er nahm dort am Weltjugendtag teil. Das Opfer sei 84 Jahre alt gewesen.

Eine zweite Geisel ist noch immer in Lebensgefahr. Sie sei sehr schwer verletzt worden und schwebe "zwischen Leben und Tod", sagte Brandet.

Die Zeitung "Le Figaro" berichtete unter Berufung auf Polizeikreise von zwei Geiselnehmern mit Hieb- oder Stichwaffen. Zur genauen Art ihrer Bewaffnung machte der Sprecher des Innenministeriums jedoch keine Angaben, auch nicht zum Profil der Täter.

Frankreich war in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder das Ziel schwerer Anschläge. Zuletzt tötete ein 31-Jähriger 84 Menschen, als er am Nationalfeiertag am 14. Juli mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Strandboulevard von Nizza raste. Die Polizei erschoss den Mann.

Seit den verheerenden Pariser Terrorattacken vom 13. November gilt im Land der Ausnahmezustand, in der Hauptstadt patrouillieren mitunter schwer bewaffnete Soldaten.

(cai/afp/dpa)