Kanzlerin Angela Merkel habe sich in der Staatsaffäre um Jan Böhmermanns Schmähgedicht blamiert, findet der Satiriker. Bereits seit Dienstagnachmittag gibt es Teile eines "Zeit"-Interviews mit Böhmermann, in dem er die Kanzlerin heftig angreift. Nun hat die Zeitung weitere Auszüge daraus veröffentlicht.

Moderator in erstem Interview: "Kanzlerin hat mich filetiert."

Jan Böhmermann kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit scharfen Worten. Der Satiriker hat der "Zeit" sein erstes Interview gegeben, seit er wegen der Staatsaffäre um sein Schmähgedicht abgetaucht ist.

"Am allermeisten habe ich mich über die Tatsache amüsiert, dass die Chefin des Landes der Dichter und Denker offenbar nicht einen Moment über das Witzgedicht und besonders seine Einbindung nachgedacht hat, bevor sie sich mit ihrem öffentlichen Urteil blamiert hat."

Jan Böhmermann: "Die Kanzlerin darf nicht wackeln"

Das Interview mit Jan Böhmermann, welches am Mittwoch in voller Länge veröffentlicht wird, ist bereits in Auszügen online bei der "Zeit" zu lesen.

Schon am Dienstagnachmittag veröffentlichte die Zeitung Teile daraus, am Abend verlängerte die Redaktion das Interview.

Bereits am Nachmittag war zu lesen, dass der Satiriker Merkel angreift: "Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht."

Die Kanzlerin trage eine Mitschuld an den Konsequenzen für ihn und seine Familie. Sie habe - so Böhmermann in der "Zeit" - seine Arbeit als "deutscher Künstler" nicht verteidigt.

Böhmermann will kein "Türkenfeind" sein

In dem Stück sei es "nie um Beleidigung gegangen", sagt Böhmermann. "Jeder, der dieses Gedicht aus dem Zusammenhang nimmt und losgelöst von der ganzen Nummer vorträgt, hat nicht alle Latten am Zaun", wird der 35-Jährige zitiert.

Er habe einen "rumpeligen, aber komplexen Witz" gemacht, mehr nicht. Präsident Erdogan zu beleidigen, sei ihm zu doof, sagt er.

Von den vielen Folgen für den Moderator sei es die schmerzhafteste, dass man ihn für einen "Rassisten oder Türkenfeind" halten könnte. Das wolle er auf jeden Fall vermeiden.

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