Nach den Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstoffiziers Edward Snowden fürchten viele Deutsche um die Sicherheit ihrer Daten. Laut Snowden speichert der britische Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters) millionenfach Informationen aus dem Internet, darunter auch private Emails und Einträge in sozialen Netzwerken - und gibt diese weiter an den US-Geheimdienst NSA.

Nun verlangt Deutschland Antworten über den Umfang dieses offenbar weltweiten Überwachungsprogramms. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) betonte, dass Deutschland diese flächendeckende Überwachung in keinem Fall akzeptieren werde. Doch in England zeigt man sich davon unberührt.

Englische Medien berichten von der deutschen "Wut"

Auf der Insel löste der Überwachungsskandal ein starkes Medienecho aus. Fast alle großen britischen Nachrichtenportale berichteten diese Woche über die Empörung von Leutheusser-Schnarrenberger sowie über die möglichen Folgen des Abhörskandals. Die Zeitungen schreiben ehrlich und sachlich über die Affäre, beschönigen nichts. Zum Beispiel im Artikel publiziert am Mittwoch in der englischen Zeitung "The Guardian": Anders als die deutsche Justizministerin, die die Überwachung für "eine Katastrophe" und "einen Hollywood-Alptraum" hält, versichern die englische Regierung und Außenminister William Hague, dass der GCHQ keine Gesetze überschritten habe. Hague stellte klar: "Wir sollten stolz auf unser Intelligenz-Verhältnis zwischen England und den USA sein."

Allerdings beunruhigt der Skandal auch viele Briten. Laut der Zeitung "The Guardian" war sogar der andere englische Geheimdienst MI5 überrascht von den Dimensionen der Abhörmaßnahmen. Beim MI5 fürchtet man, dass die Überwachung der Kollegen vom GCHQ "zu weit gegangen" sei.

Laut einigen Bloggern wie Mathew Aid fühlen sich viele GCHQ-Mitarbeiter wegen der Vorwürfe "beleidigt" und "gekränkt". In ihren Augen werden sie unfair beurteilt und behandelt.

Bedroht der Überwachungsskandal das englisch-deutsche Verhältnis?

Derzeit sind die Spannungen zwischen den Ländern natürlich gewaltig, doch die Medien auf der Insel diagnostizieren noch keine ernsten oder langfristigen negativen Auswirkungen. Doch die Fragen bleiben: Was sind die tatsächlichen Folgen der Überwachung und wer trägt die Verantwortung? Diese Geschichte ist längst noch nicht vorbei – NSA-Whistleblower Snowden ist immer noch auf der Flucht. Möglicherweise hat Snowden noch weitere Überraschung im Gepäck. (jd)