Erreicht der Geheimdienst-Thriller um den Whistleblower Edward Snowden nun auch Deutschland? Wenn es nach SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner geht, ist dieses Szenario nicht ausgeschlossen. Denn der Politiker bringt nun die Möglichkeit ins Gespräch, dem früheren CIA- und NSA-Mitarbeiter in der Bundesrepublik Asyl anzubieten.

Deutschland wäre nach Meinung von Ralf Stegner eigentlich in der Pflicht, den ehemaligen US-Geheimdienstler Edward Snowden aufzunehmen. Der "Bild"-Zeitung sagte der Politiker: "Im Grunde müsste man Leuten wie Mr. Snowden, die massenhafte und missbräuchliche Datenausspähung offenlegen, Schutz vor Verfolgung, also politisches Asylrecht gewähren."

Allerdings erkennt Stegner auch die Krux an dieser Idee. Natürlich wisse er "auch, dass das unter befreundeten Staaten ein diplomatisch richtig heißes Eisen wäre". Denn Deutschland ist noch immer einer der wichtigsten Verbündeten der USA.

Noch vor einigen Tagen empfing eine Menschenmenge US-Präsident Barack Obama euphorisch in Berlin - offizielle Freundschaftsbekundungen inbegriffen. Ob Washington aber einen Eingriff Berlins in die delikate Snowden-Affäre ähnlich scharf beantworten würde wie es im Fall von Ecuador geschah?

Nach dpa-Angaben haben US-Kongressmitglieder dem südamerikanischen Land offen mit schweren wirtschaftlichen Konsequenzen gedroht, sollte dort einem Asylantrag des 30-Jährigen stattgegeben werden. Bob Menendez, Senator des US-Bundesstaats New Jersey, warnte die Welt davor, Snowden zu unterstützen: "Unsere Regierung wird Länder für schlechtes Verhalten nicht belohnen."

Unterdessen sitzt Snowden russischen Angaben zufolge noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest. Weil die USA seinen Reisepass annulliert haben, ist eine Ausreise aus Russland derzeit unmöglich. (men)