Libysche Grenzschutzbeamte haben Dutzende Migranten aus der Wüste gerettet, nachdem diese mutmaßlich von Sicherheitskräften in Tunesien an der gemeinsamen Landesgrenze ausgesetzt wurden. Das teilte das libysche Innenministerium am Montag mit.

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Demnach wurden die Migranten in das nahegelenge Grenzdorf Al-Assah im Norden Libyens gebracht. Helfer der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sowie Beamte der libyschen Behörden versorgten sie demnach mit Essen, Kleidung und einer provisorischen Unterkunft.

In einem vom Innenministerium veröffentlichten Video sagten zwei aus Nigeria stammende Männer, sie seien von Angehörigen des tunesischen Militärs geschlagen und mit anderen in ein Wüstengebiet gebracht worden. Die Militärbeamte hätten sie aufgefordert, sich bis nach Libyen durchzuschlagen.

Ein anderer Mann sagte, das tunesische Militär habe ihnen die Pässe abgenommen und die Dokumente dann verbrannt. Er sei mit 35 anderen Menschen in ein Fahrzeug gesteckt worden und an die Grenze zu Libyen gebracht worden. Die Gruppe habe zwei Tage lang in der Wüste ausgeharrt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat tunesischen Sicherheitskräften vorgeworfen, Hunderte Migranten und Asylbewerber kollektiv in Richtung der Grenze ausgewiesen zu haben. Darunter seien Kinder und schwangere Frauen. Sie seien in einer "abgelegenen, militarisierten Pufferzone" mit wenig Essen und ohne medizinische Versorgung zurückgelassen worden. Sicherheitskräfte hätten die Mobiltelefone von fast allen Betroffenen zerstört. Zudem habe es Berichte von Gewalt und sexuellen Übergriffen gegeben.

Tunesien ist zusammen mit Libyen eines der wichtigsten Transitländer für Migranten in Nordafrika auf dem Weg nach Europa. Anfeindungen und Schikanen gegen Migranten aus Ländern südlich der Sahara nahmen in vergangenen Monaten nach umstrittenen Bemerkungen von Tunesiens Präsident Kais Saied zu. Dieser hatte von "Horden irregulärer Migranten" gesprochen, ihnen "Gewalt, Verbrechen und inakzeptable Verhaltensweisen" vorgeworfen und ein härteres Vorgehen angekündigt.  © dpa

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