Im Wachbataillon des Wehrressorts, das bei allen Staatsbesuchen antritt, wird derzeit unter Hochdruck ermittelt. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es Hinweise, dass sich in dem Bundeswehrverband eine stramm rechte Soldatengruppe gebildet hat.

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Interne Meldungen über rechtsextreme Umtriebe und unappetitliche Rituale innerhalb des Wachbataillons des Verteidigungsministeriums sorgen für Aufregung im Ressort von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Nach SPIEGEL-Informationen gehen die Ermittler der Truppe mittlerweile dem Verdacht nach, dass sich innerhalb des recht kleinen Verbands der Bundeswehr eine rechtsextreme Gruppe von Soldaten gebildet hat.

Am Mittwoch erreichte ein weiterer Bericht über die brisanten Ermittlungen das Ministerium. Nach SPIEGEL-Informationen hatte zuvor ein Zeuge erstmals konkret beschrieben, dass sich innerhalb der zweiten Kompanie des Wachbataillons eine völkische und teils rechtsextreme Gruppe von mindestens sechs Soldaten gebildet habe, die sich selbst als "Wolfsrudel" bezeichnen soll.

Ermittler prüfen nun unter Hochdruck eine ganze Reihe von Vorwürfen

Bei den Recherchen geht es nicht um irgendeine Einheit der Bundeswehr. So stellt das Wachbataillon den protokollarischen Ehrendienst bei Staatsbesuchen und Zapfenstreichen. Allein wegen dieser öffentlichen Auftritte mit der Kanzlerin oder dem Bundespräsidenten gilt der Verband als eins der Aushängeschilder der Bundeswehr.

Interne Ermittler prüfen nun unter Hochdruck eine ganze Reihe von Vorwürfen. Dabei geht es um rechtsextreme Umtriebe, aber auch um abstoßende Aufnahmerituale sowie Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung in dem recht kleinen Verband, der nur aus gut 1.000 Soldatinnen und Soldaten besteht. Auch der Militärgeheimdienst MAD wurde mittlerweile eingeschaltet.

Hinter der glänzenden Fassade des Vorzeigverbands hat sich laut einem internen Vermerk offenbar ein beunruhigendes Eigenleben entwickelt. So soll sich in der 2. Kompanie laut Zeugenaussagen eine Gruppe von mindestens sechs Soldaten gebildet haben, die sich offen als "Wolfsrudel" bezeichneten.

Der Zeuge bezeichnete die Gruppe von Mannschaftsdienstgraden als "völkisch oder national", einige könnten aber "durchaus als rechtsradikal angesehen werden". In der Betreffzeile der Meldung ist von einer "radikalen Gruppierung" die Rede. Ermittelt werde wegen extremistischer Verhaltensweisen, Volksverhetzung und der Abkehr von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

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Schon die groben Details liefern fast alle Bausteine für einen Skandal.

Schon die groben Details liefern fast alle Bausteine für einen Skandal. So soll die Gruppe über längere Zeit entwürdigende Aufnahmerituale innerhalb des Verbands organisiert haben.

Als Beispiele nannte der Zeuge das "Anurinieren unter der Dusche", "Faustschläge gegen die Leber", "Anzünden von Körperteilen mit Feuerzeug und Zigarette". Zudem hätten die Soldaten einem schlafenden Kameraden ihre Genitalien ins Gesicht gehalten.

Auch ihre Gesinnung zeigten die Soldaten, die wohl untereinander eng befreundet sind und auch gemeinsam in den Urlaub fahren, recht offen. So soll der mutmaßliche Anführer, ein 32-jähriger Oberstabsgefreiter, ein T-Shirt mit einer schwarzen Sonne und der Aufschrift "Sonnenstudio 88" getragen haben. Auf der Rückseite prangte laut der Aussage der zynische Schriftzug "Wir sind braun".

Die Zahlenkombination 88 wird in rechten Kreisen seit Jahren als Symbol für den Hitlergruß benutzt, da dieser unter Strafe steht. Die Aussage des Zeugen passt auch zu anderen Vorwürfen gegen den mutmaßlichen Anführer der Gruppe. Gegen den Oberstabsgefreiten wird bereits seit Ende September ermittelt, da er Soldaten mit asiatischen Wurzeln als "Fidschi" oder "Schlitzauge" beschimpft haben soll.

Oberstabsgefreiten bereits Ausübung des Dienstes und das Tragen der Uniform untersagt

Die Bundeswehr nimmt die Vorwürfe sehr ernst. Dem Oberstabsgefreiten wurde bereits Mitte der Woche die Ausübung des Dienstes und das Tragen der Uniform untersagt.

Gegen vier weitere Soldaten, die der Gruppe angehören sollen, laufen disziplinare Vorermittlungen. Feldjäger sollen nun möglichst schnell alle Soldaten der 2. Kompanie vernehmen.

Sollten sich die Verdachtsmomente gegen die mutmaßlichen Mitglieder des "Wolfsrudels" bestätigen, werden wohl auch sie schnell aus dem Dienst genommen.

Die Ermittlungen könnten sich noch erheblich ausweiten. Auch zwei Feldwebel aus dem Bataillon sollen mit der Gruppe verbandelt sein, heißt es in dem vertraulichen Vermerk. Bestätigt sich dies, gäbe es in dem Verband nicht nur eine kleine Gruppe von Verirrten, sondern auch ein eklatantes Führungsversagen.

Für die scheidende Ministerin Kramp-Karrenbauer ist der neue Fall geradezu toxisch

Für die scheidende Ministerin Kramp-Karrenbauer ist der neue Fall geradezu toxisch. Seit ihrem Amtsantritt predigt die CDU-Politikerin eine unnachgiebige Linie gegen jede Art von Extremismus in der Truppe, für ihr Maßnahmenpaket zur Reinigung des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK) erfand sie das Sinnbild des "Eisernen Besens".

Dass sich nun ausgerechnet im Wachbataillon, das durch das Antreten der Soldaten bei Staatsbesuchen öffentlich sehr präsent und damit eine Art Aushängeschild der Bundeswehr ist, eine solche Gruppe bilden konnte, ist eine bittere Abschiedspille für die Ministerin.

Ein Sprecher des Ministeriums wollte sich wegen der noch laufenden Ermittlungen und zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte nicht zu Details der Vorfälle im Wachbataillon äußern. Grundsätzlich aber gehe man jedem Verdachtsfall entschieden nach, betonte er, jegliche Form von Extremismus sei nicht akzeptabel.  © DER SPIEGEL

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