Der EU-Gipfel in Salzburg war für Großbritannien ein Reinfall - das sehen zumindest die Zeitungen des Landes so. Einige von ihnen lassen ihrer Wut und Enttäuschung freien Lauf und attackieren heftig die EU - vor allem Emmanuel Macron und Donald Tusk.

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"Schmalspur-Gangster", "dreckige Ratten": Mit Beschimpfungen europäischer Politiker und scharfer Kritik haben britische Zeitungen auf die Brexit-Beratungen beim EU-Gipfel in Salzburg reagiert.

Sun: Tusk und Macron als "dreckige Ratten"

Die Boulevardzeitung "The Sun" druckte am Freitag eine Fotomontage von zwei bewaffneten Gangstern, die den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und EU-Ratschef Tusk zeigen sollten.

Darüber stand in fast sechs Zentimeter großen Buchstaben: "Dreckige Ratten der EU" und dann - deutlich kleiner - "Euro-Gangster überfallen May aus dem Hinterhalt".

Viele britische Medien sind in Aufmachung und Wortwahl nicht gerade zimperlich - doch die Titelseiten waren dieses Mal doch ungewöhnlich harsch.

"Wir können es gar nicht abwarten, die Schmalspur-Gangster, die die Europäische Union führen, abzuschütteln", schrieb die "Sun". Premierministerin Theresa May, die an ihren Brexit-Plänen festhielt, habe mit ihrer klaren Position in Salzburg alles richtig gemacht.

Doch May fühlte sich auf dem informellen Gipfel in Salzburg sichtbar unwohl. Als sie vor das Mikrofon trat, schwitzte sie, wirkte verkniffen und die Gesichtsmuskel zuckten. Normalerweise wirkt May eher beherrscht, fast roboterhaft. Einige britische Zeitungen werteten ihr Auftreten in Österreich als blanke Wut.

Debakel für Theresa May in Salzburg

May erlebte ein Debakel in Salzburg. London und Brüssel beharren auf ihren jeweiligen Positionen - beim Treffen in Salzburg gab es keine Anzeichen, dass die Scheidung im Guten erfolgen könnte. London will sich Ende März 2019 von der Staatengemeinschaft trennen. Immerhin kündigte May an, einen neuen Vorschlag für die Lösung der Irlandfrage vorzulegen. Befürchtet wird, dass Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland den Konflikt in der Ex-Bürgerkriegsregion wieder anfachen könnten.

Die EU pocht weiter auf einen Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen bereits Mitte Oktober. Ursprünglich hatte Tusk eine Verlängerung der Frist bis zu einem Sondergipfel Mitte November vorgeschlagen. Stattdessen entschied der Gipfel, den Zeitdruck aufrecht zu erhalten.

Presse reagiert ungewöhnlich scharf

"Nein, Nein, Nein" schrieb die Zeitung "Metro" auf Deutsch und in riesigen Buchstaben auf ihrer ersten Seite. Das Blatt "i" sprach vom "Salzburg-Desaster".

Der linksliberale "Guardian" nannte die Vorgänge auf dem zweitägigen Treffen in Österreich eine Demütigung für May, ebenso wie die "Times". Vor allem Paris, Brüssel und Berlin seien noch nicht bereit, Mays Pläne als Grundlage für Verhandlungen zu verwenden, kommentierte die konservative Zeitung.

In einem sind sich alle Zeitungen einig: Die Gefahr eines EU-Austritts ohne Abkommen ist durch den Gipfel in Salzburg nochmals gestiegen. Damit droht - so fürchten unter anderem viele Unternehmen - ein chaotischer Brexit mit katastrophalen Folgen. (mgb/dpa)

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Die Folgen eines harten Brexit

Die britische Premierministerin Theresa May hat vor dem Auftakt des informellen EU-Gipfels in Salzburg Entgegenkommen der EU bei den Brexit-Verhandlungen gefordert. Bis zum geplanten Ausstieg Großbritanniens ist nur noch ein halbes Jahr Zeit. Und noch immer gibt es dafür kein Abkommen. London hat zahlreiche Folgen skizziert, die ein sogenannter harter Brexit für die Bürger haben könnte. (ank/afp)