Kapstadt/Abuja (dpa) - Das ganze Ausmaß ist noch nicht abzusehen: Gegen 11.00 Uhr explodiert im Gebäude der Vereinten Nationen in der nigerianischen Hauptstadt Abuja eine Bombe. Viele Ausländer halten sich zum Zeitpunkt des Anschlags dort auf. Mindestens zehn Menschen sterben.

Ob Islamisten hinter der Tat stecken, lässt sich zunächst nicht sagen. Etwa 60 Menschen seien verletzt worden. "Ich habe viele Tote gesehen", sagte der Unicef-Mitarbeiter Michael Ocilaje am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Zunächst bekannte sich niemand zu der Bluttat. In der Vergangenheit hatten radikale Islamisten wiederholt tödliche Anschläge im bevölkerungsreichsten Land Afrikas verübt.

Eine Reporterin der BBC sagte, viele der Verletzten seien in kritischem Zustand. Krankenhäuser forderten die Bevölkerung zu Blutspenden auf. Die nigerianische Regierung sprach von einem "Anschlag auf die internationale Gemeinschaft". In dem Gebäude sind zahlreiche Diplomaten und andere Ausländer tätig. Zum Tatzeitpunkt gegen 11.00 Uhr Ortszeit hielten sich mehrere hundert Menschen in dem Gebäudekomplex auf.

Nach Augenzeugenberichten hatte ein Attentäter ein Auto oder einen Lastwagen mit einer Bombe auf das UN-Gelände gelenkt und das Gebäude gerammt. Es war aber unklar, wie der Mann die bewachten Sicherheitstore überwinden konnte.

Laut BBC wurde durch die Explosion das Erdgeschoss des Gebäudes völlig zerstört. Auch das erste Stockwerk sei schwer beschädigt. Alle Fensterscheiben seien zerborsten. Zahlreiche Rettungskräfte waren demnach dabei, Menschen zu bergen. Das Gebäude wurde vollständig evakuiert.

Nach ersten Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes gab es keine deutschen Opfer. "Wir haben bislang keine entsprechenden Hinweise", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Berlin. Die deutsche Botschaft sei aber "mit Hochdruck" beschäftigt, weitere Informationen zu sammeln.

Über die näheren Umstände und Hintergründe des Anschlags wurde zunächst nichts bekannt. In der Vergangenheit hatte die radikalislamistische Gruppe Boko Haram mehrere Terroranschläge in Nigeria verübt. Erst zum Jahresbeginn 2011 waren bei einer Serie von Anschlägen in Abuja etwa 30 Menschen ermordet worden. Mitglieder der Boko Haram verübten zudem in mehreren Städten Anschläge auf Polizeistationen.

In den vergangenen Jahren hatten vor allem Gewaltausbrüche zwischen Muslimen und Christen Hunderte Tote gefordert. Christen und Muslime stellen jeweils die Hälfte der Bevölkerung.