• Am Sonntagnachmittag tötet und verletzt eine Explosion in einer Istanbuler Einkaufsstraße mehrere Menschen.
  • Der türkische Präsident spricht von einem "hinterhältigen Anschlag".
  • Im Zentrum der Ermittlungen steht aktuell eine weibliche Verdächtige.

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Sonntags auf der Flaniermeile Istiklal: Menschen laufen eng gedrängt über die die mehrere Kilometer lange Einkaufsstraße in Istanbul, darunter auch immer viele Touristen. So dürfte es auch an diesem Sonntag gewesen sein. Am Nachmittag schreckt die Menschen auf der Istiklal und in der Umgebung dann der laute Knall einer Explosion auf. Wenige Stunden danach tritt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor die Kameras. Die Stadt mit 16 Millionen Einwohnern sei von einem "hinterhältigen Anschlag" heimgesucht worden, sagt er. Sein Vize, Fuat Oktay, spricht kurz darauf von einem "Terroranschlag".

Am Abend heißt es, mindestens sechs Menschen seien getötet und 81 weitere verletzt worden. Es gebe eine weibliche Verdächtige, genauere Details wurden aber nicht genannt. Im Internet wurden derweil Bilder vom Ort der Explosion verbreitet. Menschen liegen offensichtlich verletzt auf dem Boden, auf anderen - zunächst nicht verifizierten - Bildern ist eine große Feuerwolke zu sehen, die über der Menschenmenge aufsteigt.

Hubschrauber überflogen Beyoglu und angrenzende Stadtteile am frühen Abend. Fernsehbilder zeigten zu Beginn noch, wie Krankenwagen mit Sirenen und gepanzerte Fahrzeuge über die Einkaufsstraße fuhren.

Rundfunkbehörde verhängt Nachrichtensperre für Medien

Kurze Zeit darauf verhängte die türkische Rundfunkbehörde Rtük eine vorläufige Nachrichtensperre für Medien. Berichte über die Explosion sollten vermieden werden, um nicht für Angst und Panik in der Bevölkerung zu sorgen, hieß es in dem Schreiben am Nachmittag. Auch Plattformen wie Twitter und Co. waren für viele Nutzer nur schwer erreichbar. Die Behörde für Informationstechnologie und Kommunikation (BTK) hatte Berichten zufolge die Bandbreite für Social-Media-Plattformen reduziert. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur wurden noch am Abend Ermittlungen gegen mehrere Verfasser von "provokativen Beiträgen" im Internet eingeleitet.

Am Abend war es dann einer Reporterin der Deutschen Presse-Agentur zufolge gespenstisch leer auf der sonst so belebten Straße und dem angrenzenden Taksim-Platz. Über die Istiklal laufen pro Tag laut offiziellen Angaben rund zwei Millionen Menschen.

Erinnerungen an die Anschläge in 2016

Es gab zunächst öffentlich keine konkreten Hinweise zum möglichen Motiv für die Tat. Klar ist aber, dass die Türkei auch in der Vergangenheit schon Ziel von Anschlägen geworden ist. 2016 hatte sich ein Selbstmordattentäter auf der Istiklal in die Luft gesprengt und vier Menschen getötet, 39 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der IS bekannte sich selbst nicht zu der Tat. Im selben Jahr waren bei einem Selbstmordattentat des IS im historischen Zentrum Istanbuls zwölf Deutsche getötet worden.

In der Vergangenheit hat auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK Anschläge in der Türkei verübt. Ankara geht in der Südosttürkei und im Nordirak regelmäßig mit Militäreinsätzen gegen die auch in den USA und Europa als Terrororganisation geltende PKK vor. Die Türkei unterhält seit 2016 mehrere Militärposten im Nordirak, wo die PKK ihr Hauptquartier unterhält.

In der Türkei gelten zudem etwa auch die syrische Kurdenmiliz YPG und die sogenannten Gülen-Bewegung als Terrororganisationen. Letztere macht die Regierung etwa für den gescheiterten Putsch 2016 verantwortlich und geht regelmäßig gegen mutmaßliche Anhänger vor. (best/dpa)  © dpa

Explosion in Istanbul - Tote und Verletzte

Mehrere Tote und Verletzte nach Explosion in Istanbul

In einer Fußgängerzone in der türkischen Hauptstadt Istanbul ist es zu einer Explosion gekommen. Auf Twitter-Videos hört man eine laute Detonation und sieht einen Feuerball. (Bildquelle: dpa / Francisco Seco/AP/dpa)