Angela Merkel hat die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Generalsekretärin der CDU vorgeschlagen. So kommentiert die deutsche und internationale Presse die Entscheidung der Bundeskanzlerin.

Nach ihrer Entscheidung, die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Generalsekretärin vorzuschlagen, erfährt Bundeskanzlerin Angela Merkel viel Zuspruch für ihre taktisch kluge Entscheidung.

Das schreibt die deutsche Presse

  • "Spiegel Online": Kein ungefährlicher Schachzug

    Die saarländische Ministerpräsidentin - so erzählte es Merkel - entschied sich auch zur Überraschung der Kanzlerin für den Parteiposten. Wie auch immer die Entscheidung heranreifte: Der Verzicht auf ein Ministeramt in Berlin soll offenbar ein Signal der Demut sein. Schließlich gilt es gemeinhin nicht als Karrieresprung, vom Chefsessel einer Staatskanzlei - und sei es der eines kleinen Bundeslands - auf den Posten einer Generalsekretärin zu wechseln. Kramp-Karrenbauer aber nimmt einen Umweg, zeigt der Partei, dass sie zur Kärrnerarbeit bereit ist. Es ist - zumindest auf dem Papier - ein kluger Schachzug. Aber auch kein ungefährlicher. Zum Artikel
  • "FAZ": Steilvorlage für Merkel-Kritiker

    Als naive Willkommenskulturlerin erwies Kramp-Karrenbauer sich bei aller Unterstützung für Merkel nicht. Das Kreuz ist für sie nicht nur eine Collage aus zwei Holzleisten. Die Saarländerin könnte frustrierten oder gar schon ehemaligen CDU-Wählern das Heimatgefühl zurückgeben, das in der Ära Merkel vielfach verloren gegangen ist. Doch zieht Kramp-Karrenbauer auch mit einer Hypothek in ihr neues Berliner Büro, jedenfalls aus Sicht der wachsenden Schar der Merkel-Kritiker. Die können behaupten, Merkel habe die Person gewählt, die ihr am ähnlichsten sei, eine Merkel 2.0 sozusagen. Zum Artikel
  • "Zeit Online": Sprungbrett nach ganz oben?

    Ob Kramp-Karrenbauer sich mit ihrer Bewerbung auch für eine eventuelle Nachfolge Merkels profilieren will? Um diese Frage drückten sich die beiden Frauen erfolgreich herum. Sie wolle jedenfalls dafür sorgen, dass Kramp-Karrenbauer ihre Fähigkeiten in vollem Maße entfalten könne, ließ Merkel sich lediglich entlocken. Klar ist aber auch: Für Kramp-Karrenbauer ist das Amt der Generalsekretärin die Möglichkeit, sich bundespolitisch zu profilieren und bekannt zu machen. Sollte sie dabei erfolgreich sein, hat sie wohl alle Chancen, bei der Merkel-Nachfolge mitzureden. Es dürfte einer der Gründe dafür gewesen sein, dass sie nun bereit war, den ungewöhnlichen Schritt von der Ministerpräsidentin zur Generalsekretärin zu vollziehen. Zum Artikel
  • "Frankfurter Rundschau": Ein cleverer Schachzug

    Nach bisherigem Verständnis der Parteiorganisation ist Kramp-Karrenbauers Schritt nach Berlin ein Abstieg. Der Generalsekretär, das ist oder war vor allem der Statthalter der Parteichefs, als Wadlbeißer vom Dienst. Er war der, der an Landtagswahlabenden in Fernsehrunden diskutiert und ansonsten die Wahlkämpfe organisiert. Eine Bewährungsprobe für Jüngere, ein Durchgangsposten, bei dem bei einer Regierungspartei Höheres folgte: Generalsekretäre wurden Minister oder Fraktionschefs. Das andere Modell geriet in Vergessenheit: Angela Merkel war erst Ministerin, dann Generalsekretärin. Sie stieg von dort auf zur Parteichefin und dann zur Kanzlerin. Das Bewusstsein für Symbolik ist der Kanzlerin durchaus zuzutrauen. Zum Artikel
  • "Saarbrücker Zeitung": Gar nicht so überraschend

    Die Messlatte für Tobias Hans (Kramp-Karrenbauers Nachfolger im Saarland; Anm. d. Red.) liegt hoch. Zwangsläufig wird er künftig an Annegret Kramp-Karrenbauer gemessen. Sie hatte über zehn Jahre Regierungsverantwortung als Ministerin in drei wichtigen Ressorts, bevor sie Ministerpräsidentin wurde. Hans bringt in Spitzenämtern lediglich zweieinhalb Jahre als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag mit. (...) Trotzdem setzt die CDU Saar in der Nachfolgefrage auf den vergleichsweise wenig bekannten Neunkircher. Dies ist - wie der Wechsel von Kramp-Karrenbauer nach Berlin - weniger überraschend, als es gestern viele politische Beobachter eingeordnet haben. Geht es in einer Partei doch immer auch darum, wer hohes Ansehen hat und wem zugetraut wird, künftige Wahlen zu gewinnen. Zum Artikel
  • "Weser-Kurier": Kein Rechtsruck

    Der Chefposten im Konrad-Adenauer-Haus ist mehr als eine Personalie. Mit der Benennung Kramp-Karrenbauers hat Merkel auf die zunehmende Kritik aus den eigenen Reihen reagiert. In der ihr eigenen Art hat die Parteivorsitzende lange Zeit gezögert, gibt jetzt aber klar die Richtung vor: Verjüngung ja, konservative Wende nein. Einen Rechtsruck wird es mit Merkel nicht geben, vom Kurs der Mitte wird nicht abgebogen. Zum Artikel
  • "Westfälische Nachrichten": Ein Paukenschlag

    Ein Paukenschlag, der Sinn gibt und einem klaren Plan folgt: Merkel, die gerne vier weitere Jahre im Kanzleramt arbeiten möchte, könnte in zwei Jahren den CDU-Vorsitz an die Saarländerin abgeben und danach deren Kanzlerkandidatur einsteuern. Das funktioniert aber nur in Berlin, nicht von Saarbrücken aus. Einen Ministerposten gibt es für "AKK" aber nicht - das kleine Saarland ist im Länder-Proporz mit Peter Altmaier schon im Kabinett vertreten. Daher der Umweg über das Amt des Generalsekretärs. Zum Artikel
  • "Leipziger Volkszeitung": Nachlassregelung als Vitalitätszeichen

    Die Riege der grantelnden jungen Männer in der CDU um Jens Spahn scharrte in letzter Zeit eifrig mit den Hufen. Doch ungerührt entschied sich Merkel für eine leise, loyale Frau in ihrer Parteizentrale. Damit drückt Merkel ihrer Partei noch einmal kräftig ihren ganz eigenen Stempel auf, nach bereits 18 Jahren als Vorsitzende. Man kann das als Nachlassregelung verstehen. Es ist aber auch ein Vitalitätszeichen: Die Kanzlerin macht sich über den Tag hinaus Gedanken, nicht zuletzt über die Herausforderung von rechts. In der Flüchtlingsdebatte folgte Kramp-Karrenbauer stets der Linie Merkels - auch in den Kurven. Zum Artikel
  • "Stuttgarter Zeitung": Schwierige Manöver stehen bevor

    Im Unterschied zur potenziellen Konkurrentin Ursula von der Leyen ist die Saarländerin in der CDU beliebt und gut vernetzt. Bevor aus Merkels Damenwahl jedoch ein realer Machtanspruch erwachsen kann, stehen der Parteigeneralin schwierige Manöver bevor. Sie muss das Selbstbild der Union renovieren, neuen Zusammenhalt organisieren, verstaubte Grundsätze ins 21. Jahrhundert übersetzen, das programmatische Vakuum füllen, das Merkel hinterlässt. Sie muss die Kluft überbrücken zwischen der CDU und deren Anhängern, von denen viele das Gefühl haben, die Partei hätte sie links überholt. Zum Artikel

Das schreibt die internationale Presse

  • "Neue Zürcher Zeitung": Kramp-Karrenbauer muss Merkels Kurs verteidigen

    Als Generalsekretärin wird Kramp-Karrenbauer den Kurs ihrer Chefin verteidigen müssen. Zum Amt des Generalsekretärs gehören auch Attacken auf die politische Konkurrenz. Selbst Leute, die es gut mit ihr meinen, hegen Zweifel, ob AKK dafür den Schneid hat. Eigentlich passe sie nicht auf den Posten, sagt ein CDU-Insider. Noch am Sonntag seien andere Namen für das Amt kursiert. Der Merkel-kritische Staatssekretär Jens Spahn hätte die Abteilung Attacke besser ausfüllen können. Spahn beherrscht die Provokation, ist Social-Media-Profi und pariert selbst Angriffe unter der Gürtellinie souverän. Inhaltlich hätte Spahn das konservative Profil der CDU wieder sichtbar gemacht, Reibereien mit Merkel wären aber programmiert gewesen. AKK gilt hingegen als locker und unprätentiös. Aus Merkels Sicht ist sie die logische Wahl, zumal sie im Gegensatz zu Spahn und anderen Konkurrenten das Logenabzeichen der Wahlsiegerin trägt. Zum Artikel
  • "Corriere della Sera": Entpuppt sich "Mini-Merkel" als Problem?

    Merkt euch diesen Namen und dieses Akronym: Annegret Kramp-Karrenbauer, auch bekannt als AKK. In der deutschen Politik wird noch lange von ihr zu hören sein. (...) Seit gestern ist sie heimliche Generalsekretärin der CDU, höchstpersönlich von Angela Merkel vorgeschlagen, ein Schachzug, der das politische Berlin überrascht hat (...).Dass AKK die Partei verwalten soll, ist die Antwort auf diejenigen in der CDU, die das Problem der inneren Erneuerung aufgeworfen, die neue Gesichter gefordert und zum Nachdenken über das Tabu der Nachfolge aufgerufen haben. (...)Im Stil, im Charakter, im unaufgeregten und zeitweise langweiligen Ton ähneln sich Angela und Annegret soweit, dass letztere sogar "Mini-Merkel" oder auch "Klein-Merkel" genannt wird. Und vielleicht wird sich das noch in einer Partei als Problem entpuppen, die sich nach dem langen und gemütlichen Tiefschlaf des Merkelismus nach einer charismatischeren Führungsfigur sehnt. Zum Artikel
  • "The Times": Kramp-Karrenbauer soll Merkels Vermächtnis bewahren

    Die Entscheidung für die bisherige Ministerpräsidentin des Saarlands deutet darauf hin, dass Angela Merkel versucht, ihr Vermächtnis der Modernisierung des inzwischen geschwächten Mitte-Rechts-Lagers zu bewahren. Kramp-Karrenbauer führt (im Saarland) eine Koalition mit den Sozialdemokraten. Und sie hat sich einen Namen als Expertin in Sachen Arbeit und Sozialpolitik gemacht. Deutschland, ja ganz Europa, trat seit den Bundestagswahlen im September auf der Stelle, während Unterhändler versuchten, eine Regierung zu bilden. Eine große Koalition von CDU/CSU und SPD wartet nun auf ihre Bestätigung. (...) Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass diese wiederbelebte Allianz der wichtigsten Parteien der politischen Mitte fortgesetzt wird, dass Merkel jedoch unter dem Druck der Konservativen rechtzeitig vor den Wahlen 2021 zurücktreten wird. Das ist dann der Moment, an dem Kramp-Karrenbauer aufsteigen könnte. Zum Artikel
(Mit Material der dpa/sh)
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