Drei Jahre nach ihrer Gründung hat sich die AfD ein Grundsatzprogramm gegeben. Darin ist der islamfeindliche Kurs der Partei verankert. Das Tragen von Kopftüchern an Schulen, die Vollverschleierung und das Schächten von Tieren lehnen die Rechtskonservativen ab. Der Tenor der Medien ist eindeutig.

Süddeutsche Zeitung (München): Die AfD-Delegierten sprechen dem Islam nicht nur Reformfähigkeit ab. Sie scheinen auch gar nicht zu wollen, dass er sich modernisiert. Dann käme ihnen ihr Feindbild abhanden. Faktisch läuft das auf ein Integrationsverbot hinaus.

Spiegel Online (Hamburg): Der AfD-Bundesvize Alexander Gauland nahm in Stuttgart große Worte in den Mund: Seine Partei sei in der Gesellschaft angekommen. Das ist eigentlich ein Widerspruch in sich, weil die AfD sich zuallererst als "Anti-Establishment-Partei" präsentiert, die nicht dazugehören will. Solche Widersprüche kennzeichnen die AfD. Nur ein Beispiel: Während sie das Idealbild der bürgerlichen Familie propagiert, lebt mancher in der Partei-Spitze längst die Patchwork-Wirklichkeit.

Zeit Online (Berlin): Für die AfD enden die Freiheiten der Individuen dort, wo sie mit dem Willen einer angeblichen deutschen Volksmehrheit und ihrer Volkskultur kollidieren. Die Partei vertritt ein Politikverständnis, in dem die Mehrheit immer Recht hat und Minderheiten sich unterzuordnen haben. Diese Konstruktion – und nicht das Verbot der paar deutschen Minarette – ist das eigentlich Problematische.

Meuthens "neues Deutschland [macht] Angst"

Mittelbayerische Zeitung (Regensburg): Die AfD hat sich, drei Jahre nach ihrer Gründung, ein Programm gegeben, mit dem sie in den Bundestag einziehen will. Allerdings handelt es sich dabei um ein Sammelsurium aus größtenteils rückwärtsgewandten, populistischen, möglicherweise sogar verfassungswidrigen Losungen. Die AfD möchte die Uhren zurückdrehen, hin zum guten alten Nationalstaat. Doch so ist diese Partei keine wirkliche Alternative für Deutschland.

Freie Presse (Chemnitz): Rhetorisch und inhaltlich mögen einzelne AfD-Forderungen eine Zumutung sein, manchmal sogar mehr als das - an einer Auseinandersetzung damit werden die etablierten Parteien trotzdem nicht vorbeikommen. Wobei Auseinandersetzung nicht Übernahme heißen muss - man darf an den eigenen Konzepten, so es welche gibt und sie besser sind, durchaus festhalten.

Hannoversche Allgemeine Zeitung: Die AfD appelliert an besserverdienende Besitzstandswahrer und an die Abgehängten, die sich mit einer einfarbigen Gesellschaft trösten wollen. Das zeigt sich auch in der europäischen Zusammenarbeit: Mit dem sozialistisch-nationalen Front National in Frankreich gebe es nur einen "Minimalkonsens", mit der stramm rechten, aber wirtschaftsliberalen FPÖ hingegen einen "Maximalkonsens". Meuthen fordert einen "gesunden, unverkrampften Patriotismus". Von Abwehrkräften gegen rechtsradikale Menschenfeinde spricht er nicht. Auch deshalb macht sein neues Deutschland Angst.

"Alternative für Deutschland" ruft Kulturkampf aus

Westfälische Nachrichten (Münster): Die AfD singt das Hohelied auf die Freiheitlichkeit - und verdammt den Islam trotz grundgesetzlich garantierter Religionsfreiheit. Ihre Funktionäre gerieren sich als durch die Medien unmenschlich und unschuldig Verfolgte, sie inszenieren sich als das gute Anti-Establishment und rechtfertigen damit die ständigen Entgleisungen ihres Führungspersonals. Die AfD möchte ein anderes Land: nationalkonservativ, unmodern, intolerant, anti-europäisch. Das alles klingt sehr alternativ. Eine Alternative für Deutschland ist diese rechtspopulistisch irrlichternde Sektierer-Truppe so aber keineswegs.

Nürnberger Zeitung: Sollten wir uns von der im Grundgesetz verankerten Religionsfreundlichkeit lösen, kann sich dies eines Tages auch gegen die Christen richten. Denn das zeigt sich ja immer und immer wieder: dass diejenigen, die von der abendländischen Leitkultur schwafeln, von christlicher Kirchengeschichte, von den Folgen der Reformation und der Aufklärung, von den Wurzeln des Glaubens ziemlich wenig wissen.

Badische Zeitung (Freiburg): Die "Alternative für Deutschland" hat in Stuttgart einen Kulturkampf an mehreren Fronten ausgerufen. Auch wenn das Programm, das sie sich gab, in Teilen noch Stückwerk ist - die Richtung ist klar: Die Rechtskonservativen wollen die Republik umkrempeln. Sie wollen eine Zukunft, die ein Zurück ist. (...) Aber die Einheitskultur, die die AfD will, wäre nur mit Zwang und Druck zu erreichen. Es ist konsequent, wenn Parteien, die diese Republik geprägt haben, mit der AfD nichts zu tun haben wollen - zu erleben etwa von der kommenden Woche an im neuen baden-württembergischen Landtag. Eine solche Partei ist nicht bündnisfähig. (ska/cai/dpa)