Vom Talkshow-Moderator zum Vor-Ort-Reporter im Kampfgebiet: Reinhold Beckmann will mit seiner neuen ARD-Reportagereihe "#Beckmann" die drängenden Fragen unserer Zeit aufarbeiten. Den Anfang macht er im Irak beim verzweifelten Krieg der militärischen Allianz gegen den IS - und erzählt die Geschichten der Kämpfer authentisch und ohne Effekthascherei.

In seiner neuen Sendung "#Beckmann" will sich Reinhold Beckmann Menschen nähern und Zeitgeschehen emotional und abwechslungsreich vermitteln. Die erste Ausgabe mit dem Titel "Unser Krieg? Deutsche Kämpfer gegen IS-Terror" führt ihn in den Nordirak. Dort trifft er auf deutsch-jesidische Kämpfer, die sich gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" stellen. Beckmann spricht auch mit Flüchtlingen und begleitet Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Reinhold Beckmann schafft den Rollenwechsel

Reinhold Beckmann ist der Öffentlichkeit bisher bekannt als Sportreporter und Talkshow-Moderator. Die Wende hin zur seriösen Reportage mit bedrückenden Themen traut man nicht jedem Talkshow-Host zu. Beckmann schafft den Rollenwechsel jedoch. Er führt den Zuschauer durch das Chaos aus Religion, Überzeugung und Gewalt. Als Sprecher und Interviewer hält er sich im Hintergrund und lässt die Betroffenen zu Wort kommen.

Expertin: Sieg über Terrormiliz im Irak könnte zu Terror in Europa führen.

Die provokanten Fragestellungen lauten: Wie deutsch ist der Terror? Ist das auch unser Krieg? In den Irak ziehen einerseits die Dschihadisten, um sich dem IS anzuschließen. Schätzungsweise 600 sollen mittlerweile dazugestoßen sein. Andererseits machen sich auch Jesiden aus Deutschland auf den Weg in das umkämpfte Gebiet, um den Kampf gegen den IS zu unterstützen.

Vom Leben in Deutschland geht es an die Front, in die Schützengräben, wo ehemalige Handwerker, Studenten und Beamte zu Peschmerga-Kriegern werden. Die Waffe habe er sich "klar gemacht" erklärt ein Jeside in reinstem Hochdeutsch. Auch Ministerin von der Leyen hat den Kämpfern einige Waffen "klar gemacht", wie er ausdrücken würde. "Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass es uns auch angeht", verteidigt sie entschlossen die Entscheidung Deutschlands, Waffen ohne offizielles Mandat in ein Kriegsgebiet zu schicken.

Beckmann kommt auf seinen Reisen weitestgehend ohne Übersetzer aus, denn hier sind viele Deutsche: die Jesiden, die Bundeswehrsoldaten oder der Pater Emanuel, der für eine Hilfsorganisation arbeitet. Die Geschichten und Biografien der vielen Interviewten sind es wert, erzählt zu werden. Die Reportage hastet zwischen ihnen hin und her. Stille Momente sind selten. Umso intensiver und bedrückender wirkt die Szene, in der Kinder in Sandalen über den schlammigen, fruchtlosen Boden tapsen. Mit zwei Jungen ist das Gespräch überhaupt nicht möglich. Der Tod um sie herum und der Verlust ihrer Eltern hat ihnen die Sprache genommen.

Happy End nach 45 Minuten

"#Beckmann" will mehr sein als eine einfache Doku-Reihe mit einem bekannten Reporter. Sie will die Probleme aus der Welt da draußen zu den Menschen vor ihren Fernsehern bringen. Nähe durch persönliche Gespräche, Nähe durch intensive Bilder vom Überleben. Ein Happy End gibt es nach 45 Minuten dennoch: Ein Transport mit Hilfsgütern wie Winterkleidung und Hygieneartikeln, der aus Oldenburg geschickt wurde, kommt trotz aller Widrigkeiten heil im Flüchtlingslager an. Songül Tolan, die Sprecherin des Zentralrats der Jesiden, nimmt ihn dort gemeinsam mit Beckmann in Empfang. Das Überleben ist für den Moment gesichert.

Beckmann fühlt mit und ist entsetzt über den Terror. Das ist in jedem Fall geschickter, als den Terroristen eine Stimme zu geben. Jürgen Todenhöfer war etwa beim Interview mit einem Dschihadisten gescheitert, indem er ihm viel Raum für seine wirren Hassreden gab, ohne diese in einen Kontext zu setzen.

Nebenbei verweist der Hashtag im Titel der Sendung auf die Diskussionen, die rund um die Ausstrahlung im Netz stattfinden sollen. Auf der Sendungsseite wurde ein virtueller Konferenzraum eingerichtet, auch über Twitter beantwortet die Redaktion Zuschauerfragen.

Journalismus muss vor Ort stattfinden, das ist die Überzeugung von Reinhold Beckmann. Durch Reportagen gewinne man Erkenntnisse, die bei der "reinen Betrachtung von außen" nicht zu erlangen seien, so äußerte er sich vor dem Start seiner neuen Sendung "#Beckmann" in der ARD. Zehn weitere Reportagen wird es in diesem Jahr geben. Der Auftakt war überzeugend, und Beckmanns Hinwendung zum seriösen, politischen Format ein Gewinn. (sag)