30 Jahre Montagsdemos: Die friedliche Revolution in der DDR

Vor 30 Jahren, am 4. September 1989, gingen die Bürger in der DDR auf die Straße. Sie starteten damit die friedliche Revolution, die zum Ende des SED-Regimes führte und legten den Grundstein für die deutsche Wiedervereinigung. Wir blicken zurück auf die Geschehnisse von 1989.

Die Nikolaikirche in Leipzig: 1989 wurde sie zum Epizentrum des friedlichen Widerstands gegen das SED-Regime. Schon seit 1981 veranstaltete Pfarrer Christian Führer hier die sogenannten Friedensgebete. Immer montags um 17 Uhr öffnete er die Türen der Kirche für die Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, die hier gemeinsam beten wollten.
"Versöhnung und Schuld" war das Thema der Predigt vom 4. September 1989. Der Tag sollte als Beginn der Montagsdemonstrationen in Leipzig in die deutsche Geschichte eingehen.
Der Angst vor einer gewaltsamen Niederschlagung der Proteste zum Trotz versammelten sich in den folgenden Wochen immer mehr Menschen, um gemeinsam für Reformen zu demonstrieren.
Am 4. Oktober 1989 versammelten sich tausende Menschen vor dem Dresdner Hauptbahnhof. Die Situation eskalierte, als die Polizei versuchte den Bahnhof zu räumen. Bürger bewarfen die Polizisten mit Pflastersteinen, beschädigten Teile des Bahnhofs und steckten ein Polizeifahrzeug in Brand.
Am 9. Oktober wuchs die Menge der Protestierenden auf rund 70.000 an. Auch in anderen Städten wie Dresden, Halle oder Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) gingen große Menschenmassen auf die Straße.
Am 18. Oktober 1989 erklärte SED-Generalsekretär Erich Honecker seinen Rücktritt. Egon Krenz wurde sein Nachfolger. Nur zwei Tage zuvor waren 120.000 Menschen zur Montagsdemonstration in Leipzig gekommen. Auch in Dresden fand zeitgleich eine Großdemonstration statt.
Obwohl die Montagsdemons die größten Demonstrationen der DDR-Historie seit dem Volksaufstand von 1953 waren, blieb es meistens friedlich. Sowohl die DDR-Volkspolizei als auch die sowjetischen Truppen ließen die Demonstranten gewähren.
Unter "Wir sind das Volk"-Sprechchören zogen am 30. Oktober 300.000 Demonstranten durch die Straßen von Leipzig.
Von Beginn an stammten die Demonstranten aus allen Schichten der Gesellschaft.
Ihre politischen Forderungen trugen die Demonstranten mit ihren Plakaten offen zur Schau: Sie forderten Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit und gleiche Rechte für alle.
Auch In Schwerin und anderen Städten der DDR gab es anhaltende und friedliche Montagsdemonstrationen nach Leipziger Vorbild.
Auch nach dem Mauerfall am 9. November 1989 gingen die Menschen weiter auf die Straße. Ihr Ziel: freie Wahlen in der DDR. Im März des Folgejahres war es so weit, am 18.3.1990 fanden die ersten (und letzten) Volkskammerwahlen statt.