Wo die Welt in Müll versinkt - die dreckigsten Orte der Erde

Am 4. September beginnt die Klima-Konferenz in Bangkok. Doch nicht nur das Klima entscheidet über die Zukunft unserer Kinder, sondern auch, ob wir mit unseren Müllbergen fertig werden. Denn wo der Mensch je gewandelt ist auf der Erde, hinterließ er Müll. Unser Wohlstand, unsere Städte, alle unsere Errungenschaften erbauten wir auf einem Berg aus Müll. Jetzt droht er uns über den Kopf zu wachsen.

Mit Containern wie diesen verabschieden sich in Mitteleuropa zumeist Menschen von ihrem Müll. Sauber getrennt und in verschiedenfarbigen Containern, Mülltonnen oder Säcken abgefüllt, wird er regelmäßig von der Müllabfuhr abgeholt.
Die Müllabfuhr bringt den Abfall dann zu gut organisierten Mülldeponien wie hier nahe der A2 bei Dortmund. Dort recyceln Abfallwirtschaftsexperten den verwertbaren Teil und verbrennen oder deponieren den Rest so, dass keine Schadstoffe ins Grundwasser sickern oder anderweitig die Umwelt belasten.
Europas größte Deponie für Elektroschrott liegt aber nicht in Deutschland oder Frankreich. Sie liegt in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Die Elektromülldeponie des im Westen gelegenen Viertels Agbogbloshie wurde 2013 von der Umweltorganisation Blacksmith Institute zu einem der schmutzigsten Orte der Welt gewählt.
Hier verbrennen junge Ghanaer, teils noch Kinder, ohne Atemschutzmasken oder sonstigen Schutz die Plastikteile am Elektroschrott, um an die begehrten Rohstoffe darin zu kommen. Dabei gelangen auch zahlreiche Schwermetalle in Luft und Böden und vergiften Mensch und Natur.
Auch viele Reedereien entsorgen ihren Müll am liebsten dort, wo Umwelt- und Sicherheitsstandards nicht so hoch sind. Dies ist der weltweit größte Verschrottungsplatz ausgedienter Schiffe. 40 Prozent aller ausgemusterten Schiffe werden im westindischen Alang abgewrackt.
Ein Arbeitsplatz für 30.000 Menschen. Nur die Ärmsten der Armen plagen sich hier ab. Auch Frankreich hatte einen Flugzeugträger der Marine, die "Clemenceau", in Alang abwracken wollen. Nach Protesten von Greenpeace gegen die Verseuchung mit Asbest, Arsen, Dioxinen und Schwermetallen aber verbot dies der oberste Gerichtshof Indiens.
Vor allem die großen Metropolen Indiens drohen im Müll zu ersticken. Diese Müllsammlerin lebt im Slum des Stadtviertels Seemapuri in Delhi. Die erfasste Menge des indischen Mülls ist mit nur 83 Gramm pro Kopf und Tag zwar vergleichsweise niedrig, doch bei über 1,3 Milliarden Menschen sind das dennoch knapp 110.000 Tonnen jeden Tag.
Der völlig verdreckte Stadtstrand von Mumbai, Juhu Beach, lädt nicht zum romantischen Spaziergang ein. Vor allem die Megametropolen des Subkontinents sind mit der Abfallentsorgung überfordert. 440 Millionen Menschen leben derzeit in den indischen Städten auf teils engstem Raum.
Indonesische Müllsammler suchen nach Verwertbarem in den Degayu-Müllgruben von Pekalongan auf Java. Das Volumen der Deponie hat ihre maximale Kapazität längst überschritten, doch die Abfallmenge steigt weiter. Indonesien gilt nach China als weltweit zweitgrößter Verursacher von Plastikmüll auf den Weltmeeren.
Dasselbe Bild im Norden Sumatras. Tag für Tag erreichen hier etwa 1.500 Tonnen Müll die Deponie. Mit circa 240 Gramm pro Tag und Kopf produzieren die Indonesier zwar weniger als ein Sechstel so viel wie jeder Deutsche (1,56 Kilogramm), doch bei über 260 Millionen Einwohnern sind das dennoch pro Jahr mehr als 22 Millionen Tonnen Müll.
Auch vor den indonesischen Trauminseln macht der Müll nicht halt. Dieser Strand auf Flores bietet einen traumhaften Blick auf den Sonnenuntergang und einen weniger romantischen auf brennenden Müll. Vielleicht gerade weil die Insel bislang vom Massentourismus verschont geblieben ist, besteht auch kein Bedarf, die Schönheit Flores' zu erhalten.
Bali gilt als indonesisches Paradies mit weißen Sandstränden, wunderschönen Sonnenuntergängen und einzigartigen Surfspots. Nicht nur wie hier im Dschungel türmt sich aber fern der Resorts ein Müllproblem an. Der elffache Surfweltmeister Kelly Slater tweetete 2012, es werde bald unmöglich, in Bali zu surfen, wenn niemand das Problem angehe.
Auch andere Schwellenländer wie Mexiko leiden unter gigantischen Müllbergen. Wie hier in Chimalhuacan, nordwestlich von Mexiko-Stadt, wo Kinder und Erwachsene tagtäglich Müll sammeln - oft ein Leben lang. Jeden Tag produzieren die knapp neun Millionen Einwohner etwa 12.000 Tonnen Abfall, ein Achtel des Mülls ganz Mexikos.
Jeder Einwohner der Megacity produziert mit 1,4 Kilogramm Müll fast so viel wie der durchschnittliche Deutsche (circa 1,56 Kilogramm). Davon werden in Mexiko-Stadt aber nur 86 Prozent auf Müllhalden gebracht. Der Rest landet auf den Straßen oder - wie hier in Toluca - in der Natur: Durch den ganzen Müll ist der Fluss kaum mehr zu erkennen.
In Europa gilt das Müllproblem als bewältigbar, sieht man von gelegentlichen Streiks der Müllabfuhr ab. Viel wird in arme Länder exportiert oder recycelt. Wo dennoch chaotische Deponien entstehen, hat es oft einen anderen Grund. Der Schiffsfriedhof von Lampedusa zum Beispiel ist die letzte Ruhestätte von Flüchtlingsbooten, die auf der italienischen Insel angelandet sind.
Nahe dem griechischen Molivos türmen sich bergeweise die Schwimmwesten der über das Meer geflohenen Menschen. Mehr als 120.000 Flüchtlinge sind allein 2016 mit Schlauchbooten in Griechenland angekommen. Deren Schwimmwesten werden auf Mülldeponien wie hier auf der Insel Lesbos abgeladen und rotten vor sich hin.
Das größte Müllproblem auf globaler Ebene sind die Ozeane. Wie hier am Atlantikstrand von Ngor Dakar im Senegal schwemmen die Wellen tagein tagaus die Hinterlassenschaften der Menschheit an, vor allem in Form von Plastikflaschen und anderen Kunststoffteilen.
In den Meeren zermahlen Wind und Wellen die Plastikteile zu immer kleineren Granulaten. Diese Mikroplastik-Teilchen stammen vom Ufer der Warnow in Rostock und kleben an einer Fingerkuppe. Derart kleingemahlen werden sie von Fischen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen und geraten so in die Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht.
Unmittelbar gefährlich für die marine Tierwelt sind Geisternetze. Das sind Fischernetze, die auf hoher See verloren gehen und - heutzutage häufig aus synthetischen Stoffen gefertigt - nahezu endlos weiter Tiere fangen und töten. Verfangen sich Tiere wie dieser Kormoran auf Beutezug in dem Netz, verenden sie qualvoll.
Weltmeister der Müllerzeugung sind die USA mit fast zwei Kilogramm Müll pro Kopf am Tag. In den 1990ern ist die Mülldeponie Fresh Kills Landfill auf Staten Island in New York die größte Mülldeponie der Welt. Sie gilt als eines der größten je von Menschen erschaffenen Objekte. Das Volumen liegt bei geschätzt 115 Millionen Kubikmetern, das Gewicht des Mülls bei etwa 150 Millionen Tonnen.