Die Türkei lässt Deniz Yücel frei. Das teilte dessen Anwalt via Twitter mit. Die Anklage gegen den "Welt"-Korrespondenten bleibt allerdings bestehen.

Der Journalist Deniz Yücel kommt nach mehr als einem Jahr in türkischer Haft frei.

Der 44-Jährige war im Februar 2017 wegen Terrorvorwürfen verhaftet worden. Nun hat die Istanbuler Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vorgelegt, in der sie 18 Jahre Haft für Yücel fordert. Das Gericht hat die Anklageschrift angenommen, verfügte aber die Freilassung Yücels für die weitere Dauer des Verfahrens.

Es wurde keine Ausreisesperre verhängt. Das meldete auch Yücels Arbeitgeber, die Zeitung "Welt", am Freitag auf ihrer Website.

Yücels Anwalt Veysel Ok teilte auf Twitter mit: "Und endlich gibt es für meinen Mandanten Deniz Yücel einen Entlassungsbefehl."

Die Bundesregierung bestätigte die Freilassung. "Jetzt müssen wir natürlich abwarten, was in den nächsten Minuten, Stunden passiert", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Der Fall von Deniz Yücel hatte die bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland schwer belastet.

Bei einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim am Mittwoch hatte Merkel ihren Kollegen darauf hingewiesen, "dass dieser Fall eine besondere Dringlichkeit für uns hat".

Yildirim hatte daraufhin versichert, dass schon in Kürze Bewegung in den Fall kommen werde. Er habe Hoffnung, dass es zu einem baldigen Gerichtsprozess kommen werde.

Mit Blick auf die lange Inhaftierung Yücels sagte Yildirim, die Gerichte seien besonders seit dem Putschversuch vom Juli 2016 überlastet. Er verwies erneut auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Im Oktober hatte ein türkisches Gericht die Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner verfügt und keine Ausreisesperre verhängt. Er konnte nach Deutschland zurückkehren, obwohl der Prozess gegen ihn weiterläuft. Steudtners Freilassung - und auch die der Übersetzerin Mesale Tolu - hat zu einer leichten Entspannung des deutsch-türkischen Verhältnisses geführt. (ska/dpa)

In einer früheren Version des Artikels wurde berichtet, Deniz Yücel sei bereits freigelassen worden. Dies hatte sein Arbeitgeber, die Zeitung "Die Welt" zunächst auch vermeldet. Inzwischen berichtet die Zeitung, dass Yücel erst freigelassen werde.