Jahrhundertflut 2002: Schreckliche Szenen eines Sommers

Die Jahrhundertflut von 2002 jährt sich dieser Tage zum 15. Mal. Ganze Landstriche verwandelten sich damals in ein braunes Meer, Tausende verloren ihr Hab und Gut, Dutzende Menschen ihr Leben. Ein Rückblick auf schreckliche Szenen eines Sommers.

Nach einem schwülen 12. August 2002 regnete es so viel wie sonst in einem halben Jahr. Selbst Bäche wie die Müglitz bei Pirna wurden zu reißenden Strömen. Die kommende Jahrhundertflut zerstörte ganze Landstriche.
Das Dörfchen Weesenstein an der Müglitz glich danach einem Kriegsgebiet. Von manchen Häusern blieb nur eine Mauer.
Fassungslos standen die Einwohner der betroffenen Gebiete vor den Trümmern ihrer Existenz. Der Wucht der Wassermassen waren auch solide Steinhäuser nicht gewachsen.
Doch kaum waren die Fluten verschwunden, machten sich Anwohner, staatliche Helfer und ein Heer aus Freiwilligen auf, die Trümmer wegzuräumen.
Das Hochwasser brachte nicht nur Leid und Zerstörung hervor, sondern auch das Beste in den Menschen. Eine breite Welle der Solidarität und der Hilfsbereitschaft folgte der Flut.
Durch Laubegast in Dresden kam nur noch das Militär durch. 14 mal so viel Wasser wie üblich führte die Elbe.
Der Pegelstand der Elbe erreichte 9,40 Meter. Wer sich nicht schon in Sicherheit gebracht hatte, wurde evakuiert.
In ganz Deutschland richteten die Wassermassen Schäden in Höhe von 9,2 Milliarden Euro an, davon sechs Milliarden in Sachsen.
Den Hauptbahnhof von Dresden erwischte es doppelt hart. Von unten stieg der Pegel der Elbe und von oben, aus den Seitentälern, fand die umgeleitete Weißeritz ihr altes Flussbett wieder - mitten im Bahnhof.
An der Weißeritzbrücke in Dresden stauten sich die von den braunen Fluten mitgerissenen Bäume, Äste und Zweige und wurden sogar über das Geländer auf die Brücke gedrückt.
Die historische Altstadt Dresdens samt Zwinger und Semperoper stande am 17. August 2002 unter Wasser. Der Pegel der Elbe lag an diesem Vormittag bei 9,39 Meter.
Mit Mühe watete im Innenhof des Dresdener Zwingers ein Helfer des THW. Die verheerende Flutwelle rollte wochenlang von Tschechien durch Dresden, Dessau, Bitterfeld und Wittenberg bis nach Hitzacker in Niedersachsen.
In und an der Semperoper wurden nach Abebben der Wassermassen die Keller geräumt. Teils giftiger Müll, Schwermetalle und Giftstoffe gefährdeten die Helfer.
In nur fünf Stunden überschwemmte die Flutwelle Grimma. Kaum mehr zu erkennen: die Brücke über die sonst so beschauliche Mulde.
Nach der Flut war Grimma verwüstet. Die mitgerissenen Trümmer füllten die Straßen teils meterhoch.
Bundeskanzler Gerhard Schröder machte sich in Grimma ein Bild von der Lage. Das Image vom zupackenden Kanzler in Gummistiefeln sicherte ihm wohl bei der Bundestagswahl einen Monat später den Sieg gegen CDU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.
Die Rückkehr in ihre Häuser war für viele Anwohner ein Schock: Alles zerstört, was ihnen etwas bedeutet hat.
Auch Bitterfeld verschwand in den braunen Massen der Mulde, die sich mit den Seen im Umfeld verband. Allein in Sachsen starben durch das Hochwasser 21 Menschen.
Freiwillige Helfer am Ufer der Goitzsche in Bitterfeld versuchten mit Sandsäcken den Damm zu stabilisieren. Ohne die bis zur Erschöpfung kämpfenden Helfer des Flutsommers 2002 wäre wohl vieles noch schlimmer gekommen.
Am wichtigen Deich vor dem Chemiewerk Bitterfeld arbeiteten Hunderte Soldaten der Bundeswehr und freiwillige Helfer aus der Region an der Stabilisierung des rund sechs Kilometer langen Deiches.
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