(ak) - Nach monatelanger Reparatur und Zwangspause sticht das skandalgebeutelte Schulschiff der deutschen Marine am 27. November zu seiner 160. Ausbildungsfahrt wieder in See.

Nach dem tödlichen Unfall einer Kadettin, dessen Umstände bis jetzt noch nicht vollständig geklärt sind, waren das Ausbildungsschiff und die Methoden, mit denen an Bord mit den Offiziersanwärtern umgegangen wird, stark in die Kritik geraten. Die 25-Jährige soll im November 2010 während eines Südamerika-Törns trotz ihrer bekannten Höhenangst gezwungen worden sein, ungesichert in die Takelage zu klettern, stürzte dabei ab und zog sich tödliche Verletzungen zu. Ob der Dreimaster je wieder in See stechen würde, stand lange Zeit zur Debatte und der Vorfall beschäftigte das Verteidigungsministerium - damals noch geführt von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

"Inakzeptable Zustände" auf der "Gorch Fock"

Dieser entließ im Januar 2011 zunächst den "Gorch Fock"-Kapitän Norbert Schatz, nachdem im Zuge der Ermittlungen des Todesfalls immer mehr Schreckensgeschichten vom Leben an Bord des Flaggschiffs der deutschen Marine bekannt wurden. Der "Spiegel" berichtete damals von "inakzeptablen Zuständen" an Bord. Es war die Rede von "Nötigung der Soldaten" und sogar "sexueller Belästigung". Im November 2010, wenige Tage nach dem Tod von Soldatin Sarah S., soll es auf dem Schiff sogar zur Meuterei gekommen sein – was das Flottenkommando in Schleswig-Holstein allerdings vehement dementierte.

Nach dem Skandal folgt die Generalüberholung

Die Ausbildung der Soldaten wurde allerdings nach dem Tod von Sarah S. zum ersten Mal in der 52-jährigen Geschichte der "Gorch-Fork" wegen eines Unfalls ausgesetzt. Im Mai 2011 kehrte das Schiff aus Südamerika in seinen Heimathafen Kiel zurück. Seitdem war der Dreimaster nicht mehr auf großer Reise. Im Herbst wurden während eines Routinewerftaufenthalts größere Schäden an Rumpf und Planken festgestellt, die in einer Werft in Bremerhaven behoben wurden.

Im August 2012 wird Helge Risch zum neuen Kapitän der "Gorch Fock" ernannt. Und so läuft das Schiff nun am 27. November generalüberholt, mit neuem Kapitän und neuen Kadetten Richtung Kanarische Inseln aus. Ob es wirklich nur eine Renovierung von außen oder auch der Startschuss für eine neue Ära der Ausbildung an Bord der "Gorch Fock" war, wird sich zeigen. Noch einen Schuss vor den Bug wird das Schulschiff sicher nicht verkraften.

Was sich in der Zwischenzeit allerdings konkret getan hat, ist, dass alle 220 Offiziersanwärter zunächst an einem 28 Meter hohen Übungsmast sich Grundkenntnisse im Arbeiten an der Takelage aneignen müssen. Zudem wurde laut der Website der Marine die Sportausbildung "intensiviert". Die Zahl der Sportstunden wurde um fast ein Drittel erhöht.