Die Behörden haben für das Oktoberfest aufgerüstet. Nach der Gewaltserie im Sommer mit Amoklauf und Anschlägen sperrt ein mobiler Zaun das Gelände ab. Das ist nicht die einzige Sicherheitsmaßnahme. Tipp für Besucher: Taschen und Rucksäcke gleich zu Hause lassen.

Die Bedrohung bleibt abstrakt. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Oktoberfests durch Anschläge gibt es weiter nicht, bekräftigte die Polizei am Mittwoch kurz vor der Eröffnung des größten Volksfestes der Welt (17. September bis 3. Oktober). Nach den Terroranschlägen von Würzburg und Ansbach sowie dem Amoklauf in München hat die Stadt München dennoch ihr Sicherheitskonzept angepasst.

Was ändert sich mit dem verschärften Sicherheitskonzept?

Intensivere Kontrollen

Die größte Änderung ist ein Verbot für Rucksäcke und größere Taschen. An den Eingängen soll es intensivere Kontrollen geben. Dafür erhöhte die Stadt die Zahl der Ordner auf 450, das sind etwa 200 mehr als in früheren Jahren. Auch die Wirte haben eigene Helfer engagiert. Insgesamt sind damit auf dem Fest ungefähr 2000 Ordnungskräfte im Einsatz. Dazu kommen rund 600 Polizeibeamte, etwa 100 mehr als bisher. Damit alle Besucher die Kontrollstellen passieren müssen, wird ein noch offenes Teilstück des Geländes mit einem mobilen Zaun geschlossen.

Welche Rucksäcke und Taschen dürfen mit?

Nur ganz kleine. Jegliches Gepäck, das mehr als drei Liter fasst, muss draußen bleiben und kann nach einer Kontrolle an Sammelstellen abgegeben werden. "Eine Tasche, in die mehr als drei Milchtüten passen, ist bereits zu groß", erläuterte Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU). Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle rief am Mittwoch alle Besucher nochmals auf, Taschen und Rucksäcke zu Hause zu lassen - "Die beste Lösung ist, diese Dinge erst gar nicht mitzunehmen."

Gibt es Ausnahmen?

Ja, aber nur sehr wenige. Menschen, die gesundheitliche Probleme haben, dürfen etwa ihre Sauerstoffgeräte mitnehmen. Auch für Sportschützen und die Teilnehmer des Festzuges gibt es Ausnahmen. Und die Bedienungen dürfen weiter Wechselkleidung mitnehmen; ihre Taschen werden dann speziell gekennzeichnet. Regenschirme sind ebenfalls erlaubt - wichtig besonders angesichts des für das Wochenende angesagten wechselhaften Wetters.

Was ist mit Kinderwagen?

Alles beim Alten: Kinderwagen dürfen bis 18.00 Uhr mitgenommen werden, "weil wir den Charakter des Volksfestes als Familienfest nicht in Frage stellen wollen", wie Böhle sagt. Ausgenommen sind wie bisher schon die Samstage und der 3. Oktober. Die Gefährte sollen heuer allerdings gründlicher kontrolliert werden.

Wie sollen etwaige Sprengsätze am Körper entdeckt werden?

Die Ordner an den Eingängen können bei Verdachtsfällen Personenkontrollen durchführen. Zum Aufspüren von Metall stehen auch technische Geräte ähnlich wie an Flughäfen zur Verfügung. Die Besucher werden aber nicht durch ein Schleuse gehen, sondern mit Handgeräten kontrolliert.

Was ist sonst noch verboten?

Wie in jedem Jahr ist das Mitbringen von Glasflaschen, Gassprühdosen und sämtlichen Gegenständen, die als Hieb-, Stoß- und Stichwaffen verwendet werden können, verboten. Dazu zählen auch Hirschfänger, eine Art Messer, das die Herren gern als Accessoire ihrer Tracht mitnehmen.

Kann der neue Zaun an sich zur Gefahr werden?

Dies hatten zunächst viele Entscheider befürchtet. Doch Tests ergaben, dass die Elemente von den ohnehin dort positionierten Ordnern innerhalb von 50 Sekunden zusammengeschoben werden können, so dass Fluchtwege etwa bei einer Panik binnen kürzester Zeit frei sind.

Was gibt es noch an Sicherheitsvorkehrungen?

Das Sicherheitskonzept ist nicht neu - es wird alljährlich fortgeschrieben. Schon seit 2009 nach Terrorwarnungen der Al-Kaida gibt es drei Sperrgürtel, und über dem Gelände herrscht ein striktes Überflugverbot - auch für Drohnen. Hochsicherheitspoller verhindern, dass jemand mit einem Wagen auf das Gelände rast wie etwa in Nizza.

Machen die Kontrollen die Wiesn hundertprozentig sicher?

Nein. Die Verantwortlichen betonen: "Absolute Sicherheit kann es nicht geben und wird es nicht geben." Man habe eine Abwägung treffen müssen zwischen Sicherheitsmaßnahmen und dem unbeschwerten Charakter des Volksfestes, der erhalten bleiben solle. Der Sprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins: "Wir von der Münchner Polizei sagen ausdrücklich, dass wir uns die Stimmung nicht von irgendwelchen Schwarzsehern verderben lassen."  © dpa