Bei einem Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund wurden Profi Marc Bartra und ein Polizist verletzt. Im Prozess vor dem Schwurgericht bietet der Angeklagte nun Schmerzensgeld an - und hofft davon zu profitieren.

Der mutmaßliche BVB-Attentäter Sergej W. hat vor Gericht Schmerzensgeldzahlungen an die beiden Verletzten des Anschlags vom April 2017 angeboten.

Die Familie des 28-Jährigen sei bereit, ihre Ersparnisse zu opfern und diese dem Fußballprofi Marc Bartra und einem Polizeibeamten zugute kommen zu lassen, erklärte Verteidiger Carl Heydenreich am Freitag.

"Das soll ein Zeichen echter Reue sein", sagte der Rechtsanwalt. Ein sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich wird vor Gericht in der Regel strafmildernd gewertet.

Sergej W. legte Geständnis ab

Sergej W. hat vor dem Dortmunder Schwurgericht gestanden, bei der Abfahrt des voll besetzten Mannschaftsbusses am Teamhotel drei selbst gebaute Splitterbomben gezündet zu haben.

Er habe einen ernst gemeinten Anschlag aber nur vortäuschen wollen, hieß es in seiner Erklärung. Tatsächlich habe er nämlich niemanden töten oder schwer verletzen wollen.

Ein Sprengstoffexperte des Bundeskriminalamts bezeichnete die in die Sprengsätze eingegossenen Metallstifte in seiner Zeugenaussage am Freitag jedoch als "letale Geschosse", die potenziell tödliche Wirkung gehabt hätten.

Auf die Frage, wie er die Tatsache einschätze, dass von etwa 90 Metallstiften nur sechs den Bus trafen, erklärte der Zeuge: "Das ist schon ein durchschnittliches Trefferbild."

Wer mit drei Bomben nur Angst und Schrecken verbreiten wolle, dürfe seiner Ansicht nach überhaupt keine Metallstifte verwenden.

Um 19:16 Uhr brach die Hölle

Es war 19:16 Uhr, als für die BVB-Spieler plötzlich die Hölle losbrach.

Metallsplitter flogen als Geschosse durch die Luft. Viele drangen in den Bus ein und verletzten dort BVB-Abwehrspieler Marc Bartra, der mit einem offenen Bruch des Unterarms ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Nur drei Zentimeter neben Bartras Kopf schlug ein Projektil ein.

"Wir dachten alle, dass wir jetzt sterben", beschrieb der damalige BVB-Profi Mikel Merino im "Guardian" die schreckliche Situation im Mannschaftsbus.

Ein Polizist, der den Bus auf einem Motorrad begleiten sollte, erlitt ein Knalltrauma.

Sergej W. aß kurz nach dem Anschlag noch ein Steak im Hotel, am nächsten Tag ließ er sich massieren, wurde von der Polizei befragt, machte einen unauffälligen Eindruck.

Die traumatisierten Spieler von Borussia Dortmund mussten bereits am nächsten Tag das Champions-League-Spiel gegen Monaco nachholen. (dpa/ank)